Reaktionen zur Air-Berlin-Übernahme

13.10.2017 - 09:05 0 Kommentare

Lufthansa übernimmt große Teile der Air Berlin. Verdi mahnt, dass allen Mitarbeitern eine Perspektive geschaffen werden müsse. Auch Monopolkommissionschef Wambach und Berlins Bürgermeister Müller äußern sich.

Bei Air Berlin ist die Luft raus. - © © dpa -

Bei Air Berlin ist die Luft raus. © dpa

Nach der Übernahme großer Teile von Air Berlin durch die Lufthansa ist das Schicksal vieler Mitarbeiter noch ungewiss.Nach Aussage von Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr können 3000 der rund 8000 Air-Berlin-Beschäftigten zu dem Konzern wechseln. Bei einer internen Job-Messe in der Air-Berlin-Zentrale will die Lufthansa-Tochter Eurowings am Freitag offene Stellen anbieten.

Auf Gewerkschaftsseite wurde dennoch Kritik an Lufthansa laut. Mit dem Kauf der Air-Berlin-Tochterfirmen Niki und LGW garantiere die Lufthansa bisher nur für rund 1450 Beschäftigte einen Arbeitsplatz, stellte die Gewerkschaft Verdi fest. Die übrigen Mitarbeiter müssten sich bei Eurowings neu bewerben. "Dies ist beim Verkauf von Unternehmensteilen ungewöhnlich und auch rechtlich umstritten", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle.

Harte Vorwürfe von Verdi

Lufthansa sei auf Profitsteigerungen aus, wolle "sich aber der Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern entziehen". Es sei offenbar geplant, durch das Verfahren der Neueinstellung eine gezielte Personalauswahl vorzunehmen, "bei der vermutlich Jüngere und somit billigere Arbeitskräfte bevorzugt eingestellt werden sollen", fügte Behle hinzu.

Nach der am Donnerstag verkündeten Einigung gehen 81 von 134 Air-Berlin-Flugzeugen an Lufthansa. Dafür erhält Air Berlin nach eigenen Angaben etwa 210 Millionen Euro als Kaufpreis. Die Air-Berlin-Gläubiger entscheiden am 24. Oktober über den Verkauf, anschließend prüft die europäische Wettbewerbsbehörde in Brüssel das Geschäft, was voraussichtlich mehrere Monate dauern wird. Erst dann kann der Kauf formal vollzogen werden.

© dpa, Lesen Sie auch: Spohrs Pläne für Air Berlin

Nach Meinung von Professor Achim Wambach, dem Vorsitzenden der Monopolkommission, dürften die Kartellbehörden die Übernahme von Lufthansa genau beobachten. "Sie schauen sich die einzelnen Strecken an. Und wenn Wettbewerbsprobleme erkannt werden, wird es sicherlich Auflagen geben. Ich halte das sogar für wahrscheinlich", sagte Wambach der "Rhein-Neckar-Zeitung".

Müller hofft auf baldige Lösung mit "anderen Erwerbern"

Der Berliner Regierungschef Michael Müller (SPD) bewertet den Teilverkauf an den Kranich-Konzern positiv. Die Einigung beider Unternehmen sei "gut für Berlin, weil sich daraus eine Perspektive für die zukünftige Entwicklung des Luftverkehrs in unserer Stadt ergibt".

Mit Blick auf die unsichere Zukunftsperspektive vieler Air-Berlin-Mitarbeiter sagte Müller: "Ich appelliere an die Käufer, in Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften über neue Beschäftigungsbedingungen einzutreten. Diejenigen Arbeitnehmer, die unter Umständen keine Perspektive erhalten, können sicher sein, dass das Land Berlin ihnen zur Seite stehen wird", fügte er hinzu.

Letzter selbstvermarkteter Flug

Der letzte selbstvermarktete Flug von Air Berlin wird am 27. Oktober (Freitag) von München nach Berlin gehen. Das teilte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage mit. Die Maschine mit der Flugnummer AB6210 startet planmäßig um 21.35 Uhr in München und ist zur Ankunft in Tegel um 22.45 Uhr vorgesehen.

Foto: © dpa

Zudem drückte der Regierende Bürgermeister seine Hoffnung aus, "dass auch mit anderen potenziellen Erwerbern eine baldige Lösung gefunden wird". Die exklusiven Verhandlungen von Air Berlin mit dem Billigflieger Easyjet stocken aktuell. Hier geht es dem Vernehmen nach um rund 30 Flugzeuge des insolventen Carriers.

Von: cs, dpa, dpa-AFX
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