LBA: Airlines verstoßen gegen Meldepflichten

Ramsauer fordert EU-Initiative gegen Öldämpfe

08.10.2012 - 14:30 0 Kommentare

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) fordert wegen der Probleme mit Kabinenluft in Flugzeugen ein gemeinsames europäisches Vorgehen. Vorwürfe, Probleme mit Öldämpfen würden von deutschen Behörden vertuscht, wies er zurück.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) - © © airliners.de - Oliver Pritzkow

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) © airliners.de /Oliver Pritzkow

Die Probleme mit belasteter Kabinenluft in Passagierflugzeugen sind möglicherweise größer als bisher bekannt. Der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit (VC), Jörg Handwerg, schätzt, dass es allein bei "deutschen Airlines bis zu zehn Vorfälle pro Woche gibt". Angesichts wiederholt aufgetretener kritischer Situationen in den Flugzeugkabinen forderte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Wochenende ein gemeinsames europäisches Vorgehen. Das Thema gehöre auch in Brüssel auf die Tagesordnung, sagte er dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Ramsauer wies zugleich Vorwürfe zurück, die Behörden würden Probleme mit den Öldämpfen vertuschen. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung befasse sich seit Jahren intensiv mit dem Thema Kabinenluft, sagte der Minister. "Nichts wird von den Ermittlern unter den Teppich gekehrt", betonte er.

Der Grünen-Abgeordnete Markus Tressel kritisierte dagegen Ramsauer: "Das Ministerium hätte schon vor Jahren aktiv werden können." So habe das Luftfahrt-Bundesamt in einem internen Papier bereits 2003 gewarnt, dass Ölrückstände in Triebwerken "zur gesundheitsschädlichen Verunreinigung der Kabinenluft" sowie "Vergiftungserscheinungen bei der Flugbesatzung" führen könnten.

Fluglinien verstoßen gegen Meldepflichten

Deutsche Fluglinien haben nach Einschätzung des Luftfahrt-Bundesamts häufig gegen Meldepflichten verstoßen. Das Amt sei "auf der Grundlage interner Analysen zu dem Ergebnis gekommen, dass meldepflichtige Störungen den zuständigen Behörden oftmals nicht angezeigt werden", zitiert der "Spiegel" aus einem Schreiben der Behörde vom November 2010. Einen Monat später wäre ein Germanwings-Flugzeug in Köln beinahe in Not geraten, weil giftige Öldämpfe in die Kabine gelangt waren. Aus dem gleichen Grund erkrankten Anfang September mehrere Passagiere der XL Airways in Köln.

Cockpit-Sprecher Handwerg warnte im Nachrichtenmagazin "Focus", weil noch keiner abgestürzt sei, "nehmen es die Hersteller bisher einfach nur zur Kenntnis". Der Flugkapitän forderte, das "System der Luftzufuhr aller Flugzeuge grundlegend" zu ändern. Bei modernen Passagierflugzeugen wird die Kabinenluft direkt aus den Triebwerken abgezapft. Öldämpfe können so über die Luftversorgung ins Kabineninnere gelangen. Lufthansa räumte Anfang Oktober ein, dass es Probleme mit Öldämpfen in der Kabine gibt. Der Konzern lässt derzeit ein Analysegerät zur Messung möglicher Schadstoffe in der Kabine entwickeln.

Piloten und Kabinenpersonal klagen bereits seit Jahren über das Nervengift Trikresylphosphat (TCP) und machen es für neurologische Defekte oder sogar Berufsunfähigkeiten verantwortlich. Schon 2009 hatte das ARD-Wirtschaftsmagazin "plusminus" über Nervengift-Spuren in der Kabinenluft berichtet. Im August 2010 sorgte ein internes Papier des Bundesverbandes Deutscher Fluggesellschaften (BDF) für eine erneute Debatte über giftige Dämpfe in Flugzeugkabinen. Die Vereinigung Cockpit fordert damals wie heute eine umfassende Untersuchung.

Von: dapd, airliners.de
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