Artikel vom 01.03.2010
Malev wird wieder zur Staatsairline
Privatisierung gescheitert
Ungarns Airline Malev wird wiederverstaatlicht. Die nunmehr erzielte Vereinbarung sieht nach Regierungsangaben vor, dass der ungarische Staat das Grundkapital um 25,2 Milliarden Forint (92,7 Millionen Euro) erhöht. Ungarn erhält dadurch 95 Prozent der Unternehmensanteile. Die restlichen fünf Prozent behält die russische AirBridge.
Der ungarische Finanzminister Peter Oszko sagte der Tageszeitung «Nepszabadsag», seine Regierung sei fest dazu entschlossen, Malev derart zu sanieren, dass die Gesellschaft «auf nachhaltige Weise funktionieren kann». Bis 2012 soll Malev nun wieder profitabel werden, danach soll erneut ein Investor gesucht werden.
Malev war vor rund drei Jahren nach sechs erfolglosen Versuchen an russische Investoren verkauft worden. In der Folge mussten die neuen Eigentümer mehrmals neues Kapital in die Airline pumpen, um ein Konzept zur Umstrukturierung auch durch die Finanzkrise zu tragen.
Die staatliche Rettung ruft nun die private Malev-Konkurrenten auf den Plan. Die ungarische Billigfluglinie Wizz Air und die tschechische Travel Service hatten bereits im Vorfeld der Wiederverstaatlichung angekündigt, bei der EU-Kommission Beschwerde einzulegen. Die Rettungsaktion erwecke den Verdacht der unerlaubten staatlichen Subventionierung, argumentieren sie.
Rückverstaatlichung nach drei Jahren
Malev war 2007 privatisiert worden. 49 Prozent der Anteile hält das russisch kontrollierte Unternehmen Airbridge Zrt. Der Rest gehört ungarischen Privatpersonen, die ebenfalls zum Interessenkreis des russischen Teileigners gehören. Ihre Präsenz stellt sicher, dass Malev als Airline eines EU-Staates gilt.
Die Airbridge-Anteile hält seit März dieses Jahres die Moskauer Entwicklungsbank VEB (Wneschekonombank), nachdem sich der frühere Airbridge-Besitzer Boris Abramowitsch zurückgezogen hatte.
2008 schloss Malev mit einem Minus von 15,1 Milliarden Forint ab. Zuletzt schien sogar der Flugbetrieb der Malev gefährdet. Der Flughafenbetreiber Budapest Airport, der zum deutschen Hochtief-Konzern gehört, hatte mit «schweren Konsequenzen» gedroht, wenn das Luftfahrtunternehmen seine Schulden beim Airport nicht zu tilgen beginne. Der Flughafenbetreiber baut derzeit den Budapester Airport Ferihegy aus.
Stand: 01.03.2010 - 11:40 AM Uhr
Quelle: dpa, airliners.de
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