Artikel vom 19.10.2009 0

Lübeck stellt Flughafen in Frage

Kommt Beschränkung auf 14 Tonnen?

Der Flughafen Lübeck hat sich in einem Offenen Brief gegen die Überlegungen der Bürgerschaft gewandt, die Betriebspflicht des Flugplatzes auf Flugzeuge unter 14 Tonnen abzusenken. Hintergrund sind die anhaltenden Schwierigkeiten der Hansestadt, einen neuen Investor für den Flughafen zu finden.

Vorfeldmitarbeiter weist eine Ryanair-Maschine in Lübeck ein - © © dpa -

Vorfeldmitarbeiter weist eine Ryanair-Maschine in Lübeck ein

SPD und Grüne in der Lübecker Bürgerschaft wollen am 29. Oktober die Aufhebung der Betriebspflicht für den Flughafen Blankensee für Flugzeuge oberhalb der 14.000 Kilogramm beantragen. "Wenn wir keinen Betreiber finden, ist dass das Ende des Linienflugs", sagte SPD-Fraktionschef Peter Reinhardt den Lübecker Nachrichten. Die Stadt solle bis Ende November ein Konzept vorlegen, wie der Flughafen verkleinert werden kann.

Die Erwägungen sehen vor, nach dem Ende des laufenden Ryanair-Vertrags die Abfertigung von größeren Passagierflugzeugen in Blankensee zu beenden. Damit würde der Flughafen zu einem Verkehrslandeplatz degradiert. Zur Zeit gibt es allerdings keinen klassischen Regionalverkehr am Platz. Von den insgesamt elf Destinationen im Linienbetrieb werden zehn Routen von Ryanair bedient.

Der Betriebsrat des Flughafens hat sich derweil in einem Offenen Brief an die Bürgerschaft gewandt. Die Mitarbeiter des Flughafens hätten mit großer Bestürzung den Antrag der zur Aufhebung der Betriebspflicht aufgenommen, heißt es in dem Brief. Für Mittwoch planen die Mitarbeiter am Platz eine Betriebsversammlung.

„Eine Reduzierung der Betriebspflicht auf Luftfahrzeuge unter 14 Tonnen kommt einer schrittweisen Schließung des Flughafens gleich“, schreibt der Betriebsrat. Eine solche Beschränkung entziehe der Region Fluggäste. Da auch der Linien- und Charterverkehrvon einer solchen Maßnahme betroffen wäre, würde zugleich die Haupteinnahmequelle des Flughafens versiegen, während die Betriebskosten weiterhin gleich blieben.

Kein neuer Investor in Sicht

Der Flughafen Blankensee war vor vier Jahren von der Stadt Lübeck zu 90 Prozent an den neuseeländischen Infrastrukturkonzern Infratil verkauft worden. Enthalten war unter anderem eine Rückgabeoption zum Oktober 2009.

Schon im Januar hatte Infratil den Ausstieg angedroht. Um einen sofortigen Ausstieg zu verhindern, hatte die Stadt Lübeck damals einen Aufschub bis zum 22. Oktober erreicht. Gleichzeitig verpflichtete sich die Hansestadt, alle seit Jahresbeginn 2009 auflaufenden Verluste zu übernehmen. Lübeck müsste dann rund 26 Millionen Euro bezahlen, berichtete das „Hamburger Abendblatt“.

Seit mehreren Wochen verhandelt die Lübecker Verwaltung mit drei möglichen Interessenten. Sollte kein neuer Investor gefunden werden, muss die Hansestadt den Flugbetrieb zunächst in Eigenregie übernehmen, da es eine Betriebspflicht für den Flughafen gibt. Daher sei der Antrag zur Aufhebung der Betriebspflicht ein „grundlegend falsches Signal“, da die eigene Position in den Verhandlungen unnötig geschwächt werde, schreibt der Betriebsrat des Flughafens Lübeck.

Stand: 19.10.2009 - 6:56 PM Uhr

Quelle: airliners.de

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