Artikel vom 03.07.2008 0

Continental Airlines muss wegen Concorde-Unglücks vor Gericht

Acht Jahre nach dem Concorde-Absturz bei Paris muss sich die US-Luftfahrtgesellschaft Continental Airlines in Frankreich vor Gericht verantworten. Dem Unternehmen, zwei Mitarbeitern und drei weiteren Beteiligte würden fahrlässige Tötung zur Last gelegt, teilten Justizbeamte in Pontoise im Norden von Paris am Donnerstag mit.

Vor Gericht müssen auch zwei ehemalige Beschäftigte des Flugzeugbauers sowie ein Angestellter der französischen Luftfahrtaufsicht. Das Verfahren soll kommendes Jahr beginnen. Das Überschallflugzeug war am 25. Juli 2000 kurz nach dem Start bei Paris abgestürzt. Dabei starben 113 Menschen, unter ihnen 97 Deutsche.

Für das Unglück mit einer Maschine der Fluggesellschaft Air France wird eine seit 1979 bekannte Konstruktionsschwäche an den Flügeln mitverantwortlich gemacht. Ausgelöst wurde die Katastrophe nach Einschätzung der französischen Ermittler aber durch ein Ersatzteil, das ein Continental-Flugzeug kurz vor dem Abheben der Concorde auf der Startbahn verloren hatte. Die Lamelle aus Titan hatte einen Reifen des Überschallflugzeuges zerschnitten. Darauf wurde durch herumfliegende Teile ein Treibstofftank der Concorde beschädigt, der sich entzündete.

Bei dem Prozess werden nur wenige Hinterbliebene als Nebenkläger erwartet. Die Versicherungen von Air France hatten sich 2001 mit den Familien der Opfer auf eine Entschädigung geeinigt. Für rund 650 Berechtigte wurde damals eine Summe von insgesamt 85 bis 106 Millionen Euro ausgehandelt. Die Einigung schließt weitere Forderungen aus. Für die Hinterbliebenen sei der Prozess dennoch wichtig, sagte Anwalt Roland Rappaport, der die Angehörigen eines französischen Piloten vertritt: "Sie haben das Recht zu wissen, warum das Flugzeug abgestürzt ist."

Vor Gericht müssen sich neben dem Unternehmen ein Continental-Mechaniker sowie dessen Vorgesetzter verantworten. Dem Wartungstechniker wird vorgeworfen, die ohnehin nicht zulässige Lamelle auch noch schlecht befestigt zu haben. Angeklat ist zudem der frühere Leiter des Concorde-Programms beim französischen Flugzeugbauer Aérospatiale (heute EADS), Henri Perrier. Er soll es verabsäumt haben, vorherige Unfälle mit geplatzten Reifen und die Schwäche der Treibstofftanks untersuchen zu lassen und daraus Schlüsse zu ziehen. Ähnlichen Vorwürfen sehen sich der Chefkonstruktur des Überschallflugzeugs, Jacques Herubel, sowie Claude Frantzen, ein Vertreter der französischen Luftfahrtbehörde DGAC, ausgesetzt.

Die rund 2200 Stundenkilometer schnelle Concorde war seit 1976 im Liniendienst geflogen. Der Unfall von Paris läutete ihr Ende ein. Bis Ende 2003 musterten Air France und British Airways sämtliche Überschallmaschinen aus, die wegen des hohen Treibstoffverbrauchs und der großen Lärmbelästigung sowieso längst nicht mehr als zeitgemäß galten.

Artikel vom 3.7.2008

Quelle: AFP

Empfehlen:

Anzeigen

Kommentare
Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen

mit Unterstützung durch Disqus
Aktuell kommentiert
Powered by Disqus