Artikel vom 27.11.2009
Bürgerschaft dreht Flughafen Lübeck den Geldhahn zu
Bald nur noch Landeplatz?
Dem Lübecker Flughafen droht das Aus. Die Bürgerschaft der Hansestadt beschloss am Donnerstag in namentlicher Abstimmung mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linker, kein weiteres Geld in den Flughafen zu investieren. Die Investorensuche wird, so der Beschluss der rot-rot-grünen Mehrheit, bis Ende Februar 2010 begrenzt.
Zuvor hatten die Abgeordneten rund drei Stunden lang in einer turbulenten Sitzung eine Beschlussvorlage von Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) debattiert. Sie sah vor, rund vier Millionen Euro in den geplanten Ausbau des Regionalflughafens zu investieren. Damit sollte der Flughafen für potenzielle Investoren attraktiver gemacht werden.
Die Löhne und Gehälter der Flughafen-Beschäftigten sind nur noch bis Ende März 2010 gesichert. Das hatte die Bürgerschaft bereits im Oktober beschlossen. Bis Ende Februar hat die Stadt Zeit, einen Investor zu finden. Anderenfalls steht der Flughafen vor dem Aus und würde zu einem Verkehrslandeplatz degradiert. Zurzeit gibt es allerdings keinen klassischen Regionalverkehr am Platz. Von den insgesamt elf Destinationen im Linienbetrieb werden zehn Routen von Ryanair bedient, die den Flughafen als "Lübeck-Hamburg" vermarktet. Die ungarische Wizz-Air bedient eine Route.
Flughafengeschäftsführer Tom Wilson ließ am Donnerstag offen, ob er Insolvenz beantragen wird. Zunächst werde er die Lage genau prüfen, sagte Wilson. Zuvor hatte er sich vor der Bürgerschaft noch einmal für den Flughafen stark gemacht und dessen regionalökonomische Bedeutung hervorgehoben.
«Ich fürchte, die Chancen bis März einen Investor zu finden, sind nach dieser Sitzung nicht gestiegen», sagte Bürgermeister Saxe. Er habe sich ein «klares Bekenntnis zum Flughafen» gewünscht, auch als Signal an die beiden Kaufinteressenten, mit denen die Stadt nach wie vor im Gespräch sei. Wirtschaftssenator Wolfgang Halbedel (CDU) sprach von einem «Tod auf Raten».
Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) hat sich bereits Ende Oktoberfür die Schließung des defizitären Flughafen-Projekts ausgesprochen. Lübeck sei ein "Parade-Beispiel dafür, wie teuer der öffentlichen Hand ein Flughafen kommen kann, für den es keinen ausreichenden Bedarf gibt", sagte BDF-Geschäftsführer Michael Engel in Berlin.
Genau für diese Fälle habe die Bundesregierung ihr Flughafenkonzept beschlossen, welches auch von Schleswig-Holstein umgesetzt werden soll, argumentiert der BDF. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, einen Schlussstrich zu ziehen und den Flughafen zu schließen. Auch die neue Landesregierung hatte zuletzt eine direkte Flughafenbeteiligung ausgeschlossen.
Stand: 27.11.2009 - 11:20 AM Uhr
Quelle: airliners.de mit ddp
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