Artikel vom 17.04.2010 0
Airlines wollen wieder fliegen
Niki Lauda: «Die Asche ist kein Problem»
© dpa
Abgestellte Flugzeuge stehen am 17.04.2010 am Flughafen in München
Ist die Luftraumsperrung über Europa aufgrund der isländischen Vulkanasche gerechtfertigt oder übertrieben? Das ausschließlich auf Computersimulationen beruhende Flugverbot verursache einen volkswirtschaftlichen Schaden in Milliardenhöhe, kritisierten die Airlines in Deutschland und Österreich am Samstag. Künftig müssten vor einem Flugverbot verlässliche Messungen vorliegen.
Austrian-Airlines-Vorstand Peter Malanik sprach sich am Abend in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Flyniki-Chef Niki Lauda dafür aus, Messungen durchzuführen. Man dürfe sich nicht allein auf Rechenmodelle verlassen.
Auch die zwei größten deutschen Fluggesellschaften äußern Zweifel am Sinn des nach dem isländischen Vulkanausbruch erlassenen Flugverbots. Der Chef von Air Berlin, Joachim Hunold, kritisierte in der «Bild am Sonntag», es sei in Deutschland noch nicht mal ein Wetterballon aufgestiegen, um zu messen, ob und wie viel Vulkanasche sich in der Luft befände.
Die Lufthansa verwies derweil auf zehn nur mit Piloten besetzte Überführungsflüge am Samstag. "Dabei sind unsere Maschinen bis auf 24.000 Fuß, also rund 8000 Meter Höhe, gestiegen", sagte Konzernsprecher Klaus Walther dem Blatt. In Frankfurt seien die Maschinen von Lufthansa-Technikern untersucht worden. "Weder auf den Cockpitscheiben, an der Außenhaut noch an den Triebwerken fanden sie auch nur den kleinsten Kratzer", so der Lufthansa-Sprecher.
Auch Austrian Airlines drängte darauf "festzustellen, wo und wie dicht die Wolke ist" und "wie viele Partikel in der Wolke" seien, sagte Malanik bereits am Mittag dem ORF. Trotz der Sperrung der österreichischen Flughäfen war am Samstag eine Maschine der Ural Airlines sicher in Wien gelandet.
Ural-Airlines-A321 durchfliegt Aschewolke problemlos
Das Flugzeug war auf dem Weg von Moskau nach Rom und flog dabei auch in Flightlevel 180 durch gesperrte Lufträume in Polen und der Tschechischen Republik, bevor die Maschine nach Anweisung der Flugsicherung auf unter 10.000 Fuß sinken musste. In der Folge reichte der Treibstoff nicht bis Rom, so dass sich die Crew für eine Landung in Wien entschied. Nach der Landung wurden an dem Airbus A321 (VQ-BDA) bei ersten Untersuchungen keine Asche-Schäden festgestellt.
Flyniki-Chef Niki Lauda kommentierte, dass die außerplanmäßige Landung dafür spreche, «dass man fliegen kann». «Die Partikel sind nach Rücksprache mit meinem Triebwerkserzeuger mittlerweile kein Problem mehr» sagte Lauda. «Meiner Meinung nach könnte man schon lange fliegen.»
Die Ausweichlandung des Airbus A321 sei ein «Ausnahmefall» gewesen, sagte dagegen ein Sprecher der österreichischen Gesellschaft für Zivilluftfahrt «Austro Control» der Nachrichtenagentur APA.
Die Flughäfen in Österreich bleiben derweil auch in der Nacht zum Sonntag bis mindestens 02.00 Uhr geschlossen. Ab 20.00 Uhr sollte zumindest der höhere Luftraum ab 7500 Metern schrittweise geöffnet werden. Dieser Vorgang sei gesamteuropäisch abgestimmt, so «Austro Control».
KLM-Testflug
KLM führte derweil am Abend von Amsterdam aus einen entsprechenden Testflug durch. Eine Boeing 737-800 flog bei einer Runde über den Niederlanden und der Nordsee bis auf eine Reiseflughöhe in FL410. Während des Fluges habe es keine Probleme gegeben.
Eine erste Inspektion habe keine Schäden gezeigt, sagte KLM-Chef Peter Hartman nach niederländischen Medienberichten. Am Sonntagmorgen soll die Maschine gründlich untersucht werden. Das niederländische Ministerium für Infrastruktur hatte zuvor auch einen Überführungs-Testflug einer KLM-Maschine von Düsseldorf nach Amsterdam angekündigt.
Stand: 18.04.2010 - 9:29 AM Uhr
Quelle: airliners.de mit dpa, AFP
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