Artikel vom 09.12.2011 0
Airlines erhalten CO2-Zertifikate
Vorbereitung auf EU-Emissionshandel
© dpa /Robert Schlesinger
Silhouette eines Flugzeugs im Landeanflug
Das Bundesumweltamt beginnt mit der Vergabe von Verschmutzungsrechten an die Fluggesellschaften. In diesen Tagen würden sie erstmals einen Bescheid über ihre CO2-Zertifikate erhalten und damit erfahren, welche Anzahl ihnen für den europäischen Emissionshandel bis zum Jahr 2020 zusteht, wie das Amt am Donnerstag mitteilte.
Die nun ausgegebenen Papiere haben den EU-Angaben nach Marktpreisen einen Wert von rund drei Milliarden Euro. Die Airlines erhalten einen gewissen Anteil der Zertifikate allerdings bis zum Jahr 2020 kostenlos. Die Airlines in Europa befürchten dennoch erhebliche Belastungen der gesamten Branche. Fluggesellschaften in Deutschland werden zudem durch die Luftverkehrsabgabe belastet, die entgegen ursprünglicher Planungen nun doch nicht mit der Einführung des Emissionshandels auslaufen wird.
Mit dem Zertifikate-Handel soll sichergestellt werden, dass die Anreize zur Vermeidung von Umweltgiften effizient gestaltet werden. Allerdings stellen Treibstoffe ohnehin den großteil der Ausgaben für die meisten EU-Airlines dar, so dass die Airlines auch ohne Zertifikatehandel einen großen Anreiz haben, möglichst effiziente Flugzeuge einzusetzen.
Mit dem nun wahrscheinlich anlaufenden Emissionshandel sollen die Fluggesellschaften für den Ausstoß von umweltschädlichen Stoffen zur Kasse gebeten werden. Langfristig will die EU mit dem Emissionshandel die Luftverschmutzung einschränken. Der weltweite Luftverkehr ist für rund zwei Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich.
Nach der EU-Richtlinie müssen alle Airlines, die in Europa starten und landen, von Jahresbeginn an am Emissionshandel teilnehmen. Staaten außerhalb Europas sehen dies als Affront und haben bereits angekündigt, den Handel mit Klimazertifikaten zu boykottieren. Sollte die EU den Emissionshandel nun im Alleingang für europäische Airlines durchsetzen, würde sie diese de facto mit einer Sonderabgabe belasten und somit gegenüber Konkurrenten aus Drittstaaten benachteiligen.
Auch die deutsche Branche fürchtet diese Wettbewerbsverzerrung. In einer gemeinsamen Erklärung haben sich daher der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Flughafenverband ADV, der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF), der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) sowie das Deutsches Verkehrsforum an die Bundesregierung gewandt.
Der Streit mit zahlreichen Drittstaaten spitze sich zu. Es drohten Handelskonflikte und Wettbewerbsverzerrungen, ohne dass ein positiver Effekt für den Klimaschutz erzielt werde. Die Bundesregierung müsse den europäischen Emissionshandel für den Luftverkehr noch im Dezember auf die europäische Agenda setzen.
Mehr als 20 Länder - darunter Russland, Indien, Brasilien, China sowie die USA - haben bereits damit gedroht, europäischen Airlines Lande- und Überflugrechte zu entziehen, wenn die EU an ihrem Kurs festhält. China warnte hinter den Kulissen, das Land könne Milliardenaufträge beim deutsch-französischen Flugzeugbauer Airbus platzen lassen.
Stand: 09.12.2011 - 11:07 AM Uhr
Quelle: airliners.de, dpa
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