Artikel vom 30.01.2012 0

Taxifahrer streiten über BER-Tarife

Gut vier Monate vor Öffnung des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg (BER) ist für die Taxifahrer noch vieles unklar. Sie dringen auf eine Lösung und drohen sogar mit Blockaden auf der Berliner Stadtautobahn.

Taxiverkehr am Flughafen - © © dpa - Caroline Seidel

Taxiverkehr am Flughafen

Wer am Flughafen in Schönefeld in ein Taxi steigt, sollte auf das Auto-Kennzeichen achten. Eine Fahrt mit einem Berliner Taxi ins Zentrum der Hauptstadt ist derzeit deutlich billiger als mit einem aus Brandenburg. Die zwei Tarife sind nicht gut fürs Geschäft, weil sie die Kunden verwirren. Die Taxiverbände wollen daher eine Lösung. Viel Zeit bleibt nicht, denn in gut vier Monaten öffnet der neue Hauptstadtflughafen. Bis dahin müssen auch noch viele andere Fragen geklärt werden.

Nach Angaben der Berliner Taxiverbände kostet eine Fahrt in die Hauptstadt mit den Kollegen aus dem Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg derzeit im Schnitt 45 Euro, mit einem Berliner Taxi hingegen nur durchschnittlich 37 Euro. Die Brandenburger haben ein anderes Tarifsystem. So wird bei ihnen beispielsweise auch die Wartezeit an den Ampeln mitgerechnet. In den vergangenen Monaten sind daher schon zahlreiche Berliner Taxiunternehmen mit ihrem Firmensitz nach Schönefeld umgezogen. «Meist sind das nur Briefkastenfirmen», schimpft Boto Töpfer vom Berliner Taxiverband. Er bezeichnet sie als Steuerflüchtige, die von den höheren Fahrtarifen im Nachbarland profitieren wollen und zugleich weniger Kosten haben.

Im Kern geht es jetzt um die Einführung eines Einheitstarifs für Fahrten vom künftigen Hauptstadtflughafen aus. Dies lehnen die Berliner Fahrer jedoch ab. Sie halten es weder für praktikabel noch für betrugssicher, wenn ein weiterer Tarif nur für Fahrten vom Airport ins Taxameter aufgenommen werden soll. Außerdem wird über Laderechte in Berlin und Halteplätze am Flugplatz gestritten. So ist das Berliner Taxigewerbe dagegen, dass die Kollegen aus Brandenburg künftig auch in der Hauptstadt Fahrgäste aufnehmen können.

«Denen fehlt die Ortskenntnis, Berlin ist da einfach zu groß», klagt der zweite Vorsitzende der Innung des Berliner Taxigewerbes, Roland Bahr. Ortskundeprüfungen sollten auch künftig nur von Berliner Fahrern gemacht werden dürfen. Schon jetzt liefen täglich zig Beschwerden von Taxikunden ein. «Wenn ein Brandenburger Fahrer seinen Fahrgast zum Hilton statt zum Interconti fährt, ist das einfach peinlich und auch nicht gut für Berlins Ruf.»

Dem Senat liegen die Forderungen der Taxiunternehmen auf dem Tisch. Bis zum 31. Januar wurde nun eine Frist gesetzt. Sollte bis dahin nichts passieren, droht das Berliner Gewerbe mit Kampf. «Das könnten Streiks oder Blockaden auf der Stadtautobahn sein», heißt es. Die Verkehrsverwaltung äußert sich dazu nur zurückhaltend. «Wir arbeiten an einer machbaren Lösung», sagt eine Sprecherin.

Ohnehin sehen die rund 7200 Berliner Taxifahrer der Eröffnung des neuen Flughafens am 3. Juni mit gemischten Gefühlen entgegen. Allein die Innung rechnet mit einem Einbruch bei den Umsätzen um bis zu 50 Prozent. Zu stark ist die Konkurrenz: Eine Fahrt mit der Regionalbahn zum Berliner Hauptbahnhof kostet nur 3 Euro und dauert eine knappe halbe Stunde. Reisende, die hingegen das Taxi wählen, müssen künftig tiefer in die Tasche greifen. Nach Angaben der Branchenverbände dürfte eine Fahrt in die gut 23 Kilometer entfernte Berliner Innenstadt künftig gut 50 Euro kosten. Begründet wird das mit höheren Kosten. Für eine Taxifahrt zum Flughafen Tegel muss man derzeit im Schnitt nur 20 Euro berappen.  

Stand: 30.01.2012 - 10:15 AM Uhr

Quelle: dpa

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