Artikel vom 22.02.2012 0
Berlin: Senat weist Täuschungsvorwürfe zurück
Mehr Slot-Anmeldungen als erwartet
© dpa /Patrick Pleul
Endanflug am Flughafen Berlin-Schönefeld
Im Streit um den Fluglärm vom künftigen Single Airport Berlin Brandenburg (BER) hat der Berliner Senat die neuen Täuschungsvorwürfe zurückgewiesen. Sie hatten sich an neuen Flugzahlen für einzelne Routen entzündet, die am Freitag vier Wochen nach der Flugroutenfestlegung bekanntgeworden waren. «Ob die Fluggesellschaften wirklich so fliegen, wissen wir noch gar nicht», sagte Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler der Nachrichtenagentur dpa. Es sei insofern schwierig, die Anmeldungen in die Flugrouten-Planung einzubeziehen. «Deswegen ist der Vorwurf der Täuschung aus meiner Sicht falsch.»
Nach einer Antwort des Flughafens auf Fragen des Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung sind in Schönefeld im Sommer täglich knapp 100 Flüge mehr zu erwarten als die bislang angenommenen 810. Nach Planungen der Deutschen Flugsicherung sollen deshalb bis zu 83 Flugzeuge über den Wannsee fliegen - bislang waren 48 genannt worden. Auch auf anderen Routen ergeben sich teils deutlich höhere Zahlen als bislang, weil sich die Fluggesellschaften mehr Zeitfenster für Starts und Landungen (Slots) reserviert haben als erwartet.
«Routen sind ein Rahmen, und wie der Rahmen ausgefüllt wird, hängt davon ab, was die Fluggesellschaften an Flügen anmelden», sagte Gaebler. Die Flugsicherung verweist zudem darauf, dass die Airlines sich bis zu 20 Prozent mehr Slots sichern dürfen als benötigt. Die Zahlen können also noch niedriger ausfallen.
Gaebler wies einen Antrag zurück, den die Grünen am Donnerstag im Abgeordnetenhaus einbringen wollen. Sie fordern, dass die Maschinen nicht wie geplant unabhängig voneinander von den beiden Pisten des Flughafens abheben. Das würde die Flughafen-Kapazität senken. «Das kann man nicht per Parlaments- oder Regierungsbeschluss regeln», sagte Gaebler. Der richtige Ort dafür sei die Fluglärmkommission.
Unterdessen streiten der Verband der Geschäftsflieger - die German Business Aviation Association - und Brandenburgs Infrastrukturministerium über ein Gutachten. Es sollte die Frage klären, ob es am neuen Flughafen Platz für Geschäftsflieger gibt. Der Verband kritisierte, dass die Kapazitäten in Schönefeld durch den Linienverkehr weitgehend belegt seien. Der Standort sei bei der Schließung des Flughafens Tempelhof aber garantiert worden. Das Ministerium verweist auf Alternativen in Cottbus-Drewitz, Schönhagen und Strausberg. Sie sind der Branche zu weit von Berlin entfernt.
Stand: 22.02.2012 - 10:43 AM Uhr
Quelle: dpa
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