Artikel vom 25.01.2012 0
BER: Kaum Änderungen bei Flugrouten
Bundesamt folgt DFS-Vorschlag
© dpa /Robert Schlesinger
Silhouette eines Flugzeugs im Landeanflug
Bei den Flugrouten für den Hauptstadtflughafen in Schönefeld gibt es voraussichtlich keine größeren neuen Überraschungen. Das Konzept, das an diesem Donnerstag präsentiert wird, orientiere sich in weiten Teilen am Vorschlag der Deutschen Flugsicherung (DFS) vom Juli 2011, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa in Kreisen, die mit dem Verfahren vertraut sind. Demnach müssen sich die Anwohner des Müggelsees wohl darauf einstellen, dass das Naherholungsgebiet im Südosten Berlins künftig überflogen wird.
Dort gibt es seit Monaten Proteste gegen die geplante Startroute. Bei Ostwind sollen das Gewässer nach dem DFS-Vorschlag rund 120 von gut 400 Maschinen am Tag passieren. Die übrigen sollen größtenteils über dünner besiedelte Brandenburger Landstriche abheben, wobei Bewohner zweifeln, ob die komplizierten Flüge um Zeuthen, Wildau und Königs Wusterhausen herum im Alltag wirklich gelingen.
In der Region herrscht durchschnittlich an einem Drittel der Tage Ostwind, sonst starten die Maschinen nach Westen - nach dem DFS-Konzept größtenteils südlich an Potsdam und Michendorf vorbei. 48 Flugzeuge sollen über den Wannsee nach Norden und Nordwesten weiterfliegen. Dabei könnten auch Gemeinden wie Kleinmachnow, Stahnsdorf und Teltow betroffen sein. Denn wenn 1500 Meter Flughöhe erreicht sind, können Piloten eine Routenfreigabe verlangen.
Die Gemeinden Kleinmachnow und Stahnsdorf wollen dagegen klagen, möglicherweise auch Teltow. «Die Flugrouten verletzen die Rechte unserer Mandanten», teilten die Anwälte der Kommunen am Mittwoch mit. Ziel ist es demnach auch, das gesamte Verfahren zur Festlegung von Flugrouten zu überprüfen. Es verstoße gegen grundlegende Beteiligungsrechte.
Auch Blankenfelde-Mahlow prüft die Klagemöglichkeit. Die Bürgerinitiative Rangsdorf teilte mit, ihre Klage beim Bundesverwaltungsgericht werde im Juli verhandelt. Sie wandte sich gegen die erhebliche Diskrepanz zwischen Planfeststellung und der nun eintretetenden Belastung für die Gemeinde.
Brandenburgs Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) sieht in den neuen Flugrouten einen Erfolg der monatelangen Verhandlungen mit betroffenen Gemeinden. «Die Arbeit in der Fluglärmkommission hat sich ganz offensichtlich bezahlt gemacht», teilte Vogelsänger am Mittwoch in Potsdam mit, ohne auf Details einzugehen. Das Bundesaufsichtsamt, das Bundesverkehrsministerium und das Umweltbundesamt wollten sich auf Anfrage nicht äußern und verwiesen auf die Präsentation am Donnerstag.
Im September 2010 hatte die Deutsche Flugsicherung (DFS) Flugrouten vorgeschlagen, die stark von den damaligen Annahmen abwichen. Eine Protestwelle rollte los. Mit der Fluglärmkommission aus Vertretern von Gemeinden und Luftverkehrsbranche handelte die DFS einen neuen Vorschlag aus, der im Wesentlichen im Juli 2011 präsentiert wurde. Er liegt der Entscheidung des Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung zugrunde.
Das Amt hat schon darauf hingewiesen, dass Flugrouten wenn nötig auch noch verändert werden können. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte angekündigt, dass die Routenführung nach einem gewissen Zeitraum ausgewertet werden soll. Dies dürfte innerhalb des ersten Jahres nach dem Betriebsstart des neuen Flughafens am 3. Juni passieren. Außerdem können Betroffene gegen die Flugrouten klagen.
Ramsauer (CSU) sagte bei einer Veranstaltung des Flughafenverbands ADV am Dienstagabend in Berlin, die berechtigten Interessen von Anwohnern müssten berücksichtigt werden. Eine florierende, global vernetzte Volkswirtschaft und privater Wohlstand seien ohne Nebenwirkungen aber nicht zu haben, sagte Ramsauer mit Blick auf Proteste, etwa in Frankfurt/Main und Berlin. Insbesondere die Fracht habe Nachtflugbedarf.
Brandenburgs Infrastrukturstaatssekretär Rainer Bretschneider (SPD) forderte mehr Verbindlichkeit für Flugrouten - im Sinne der Planungssicherheit für die Bürger, wie der dem ZDF-Magazin «Frontal 21» (Dienstag) sagte. «Wir diskutieren kontrovers in Größenordnungen über Striche in der Landschaft, die später nicht realisiert werden. Das ist sicher nicht gut.»
Stand: 25.01.2012 - 5:52 PM Uhr
Quelle: dpa
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