Artikel vom 24.05.2011 0
Vulkanaschewolke erreicht Deutschland
Flugverbote über Norddeutschland
© Met Office
Prognostizierte Vulkanaschekonzentration bis FL200 am 25.5.2011 um 6:00 Uhr UTC
Die Deutsche Flugsicherung (DFS) ordnet ab Mittwochfrüh ein Flugverbot über weiten Teilen Norddeutschlands an. Ab Mittwochmorgen werde der Luftraum in Teilen wegen der Aschewolke aus Island gesperrt. In Bremen dürfen ab fünf Uhr, in Hamburg ab sechs Uhr keine Flugzeuge starten und landen, wie ein Sprecher der Behörde in Langen am Dienstagabend der Deutschen Presse-Agentur sagte.
Die Wie lange der Luftraum gesperrt bleibt und wie viele Flüge und Passagiere betroffen sein werden, stand am Abend nicht fest. Im Laufe des Vormittags könnten auch die Flughäfen in Berlin betroffen sein. Hannover liege genau an der Grenze des betroffenen Luftraums, so dass hier zunächst keine Prognose gegeben werden könne. Andere Airports sind zunächst nicht betroffen.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD), der jedoch keine Entscheidungsgewalt hat, hatte bereits am frühen Dienstagabend mitgeteilt, dass eine Luftraumsperrung über weiten Teilen Norddeutschlands ab Mittwochmorgen sehr wahrscheinlich sei.
Die Aschewolke aus dem isländischen Vulkan Grimsvötn hat sich am Dienstag auf die deutsche Küste zubewegt. Der DWD beruft sich bei seinen Angaben auf Prognosen des Volcanic Ash Advisory Centre (VAAC) des britischen Wetterdienstes MetOffice. Am Dienstagmorgen lag bereits eine dichte Aschewolke nördlich von Schottland.
Der aktivste isländische Vulkan Grimsvötn war am Samstag ausgebrochen und hatte Befürchtungen vor einem Szenario wie vor gut einem Jahr beim Ausbruch des Eyjafjallajökull geweckt. Wegen seiner Aschewolke mussten damals fast einen Monat lang große Teile des europäischen Luftraums geschlossen werden, Millionen Reisende in aller Welt saßen fest.
Deutschland lässt Messflugzeug starten
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer lässt zur Untersuchung der Aschekonzentration im deutschen Luftraum ein Messflugzeug starten. Das kündigte der CSU-Politiker am Dienstag in Berlin an. «Deutschland hat verbindliche Grenzwerte für Vulkanasche in der Luft», sagte Ramsauer. Alle Beteiligten hätten damit eine verbindliche Grundlage, auf der sie «schnell, zuverlässig und angemessen» reagieren können.
«Wir beobachten die Lage sehr genau», sagte Ramsauer. Dazu stehe ein flächendeckendes Messnetz von 52 Stationen des Deutschen Wetterdienstes in ganz Deutschland bereit. «Außerdem wird ein Messflugzeug starten, das die Aschekonzentration und deren Konsistenz untersucht.» Kritiker werfen den Regierungen in Europa vor, auch über ein Jahr nach dem Asche-Chaos vom letzten April noch keine einheitlichen Vorgehensweisen entwickelt zu haben.
Vulkanasche-Flugverbote: Das Drei-Zonen-Modell
Wann ein Flugzeug wegen Vulkanasche nicht mehr fliegen darf, hängt von der Konzentration der Asche in der Atmosphäre ab. Grundlage dafür sind Messungen der Aschepartikel. Da sich die EU-Staaten bislang nicht auf einen europaweiten Grenzwert einigen konnten, bestimmt jedes Land diese selbst. Allgemein wird der Himmel in drei Zonen aufgeteilt. Für den deutschen Luftraum gelten folgende Zonen:
Zone 1: Die Aschekonzentration beträgt weniger als 0,2 Milligramm Vulkanasche pro Kubikmeter Luft. Flüge sind ohne Einschränkungen erlaubt.
Zone 2: Bis zu einem Wert von 2 Milligramm Asche gibt es noch einen regulären Flugbetrieb, aber mit Sicherheitsauflagen. So sind die Airlines dazu verpflichtet, ihre Flugzeuge häufiger zu warten und Vorkommnisse sofort an das Luftfahrt-Bundesamt zu melden.
Zone 3: Dies ist der gefährliche Kernbereich einer Aschewolke mit mehr als 2 Milligramm Asche. Alle Flüge sind dort grundsätzlich verboten. Sonst könnten Flugzeuge und Triebwerke beschädigt werden.
Ausnahmen bestehen in dieser Zone für Rettungsflüge, Einsatzflüge von Militär und Polizei sowie Messflüge. Auch Flugzeuge mit Kolbenmotoren dürfen noch in die Luft gehen. Ebenso können Flugzeuge mit Turbinenantrieb bei einem Wert von 2 bis 4 Milligramm noch fliegen - vorausgesetzt, der Triebwerkshersteller lässt das zu und die Airline hat eine Risikoanalyse gemacht, die vom Luftfahrt-Bundesamt anerkannt wurde.
Auf europäischer Ebene sind Eurocontrol und das Vulkanasche-Zentrum in London weniger streng und empfehlen höhere Grenzwerte. So beginnt die rote Flugverbotszone in ihrem Modell erst bei 4 Milligramm Asche in der Luft. Die Zwischenzone mit Auflagen liegt zwischen 2 und 4 Milligramm. Aus Sicherheitsgründen hat Deutschland seine Grenzwerte aber deutlich niedriger angesetzt.
Stand: 24.05.2011 - 11:08 PM Uhr
Quelle: airliners.de mit dpa, dapd, AFP, ADV
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