Jenny Jetstream (34) ( Gastautor werden )

„Quickies“

05.08.2014 - 11:57 0 Kommentare

Ein paar Tage Aufenthalt im Ausland gehören für Flugbegleiter auf der Langstrecke mitunter zum Job. Und auch wenn es nur ein Tag ist, kann so ein "Quickie" eine tolle Sache sein, findet Jenny Jetstream.

Jenny Jetstream liebt Ihren Job als Flugbegleiterin. - © © Fotolia.com - Illustration: Zubada

Jenny Jetstream liebt Ihren Job als Flugbegleiterin. © Fotolia.com /Illustration: Zubada

Auf meinem letzten New-York-Rückflug hatte ich zwei charmante Kollegen von der Kurz- und Mittelstrecke zu Gast an Bord. Im persönlichen Gespräch teilte man mir augenzwinkernd mit, dass sie in "Big Apple" in fünf Tagen Urlaub ein ganzes Monatsgehalt auf den Kopf gehauen hatten. Das glaubte ich sofort – in diesem Ambiente würde das niemanden besonders schwer fallen, vor allem, wenn es der erste Besuch war und noch das Abklappern sämtlicher Sehenswürdigkeiten auf dem Programm stand. New York ist ein grottenteures Pflaster und lässt sich seine Touristenattraktionen fürstlich bezahlen.

Wir unterhielten uns noch eine Weile und bevor es für mich Zeit war, mal wieder im Cockpit nach dem Rechten zu schauen, erfuhr ich dann noch Folgendes: Der Service auf so einer Langstrecke sei ja wohl doch ganz schön anstrengend und wuselig – für sie, meine beiden Kollegen, wäre das ja gar nichts! Und im Übrigen würde die ganze Langstreckenfliegerei sowieso völlig zu Unrecht über den grünen Klee gelobt, die meisten Destinationen bediente die Firma inzwischen ja nur noch durch „Quickies“, also lohne es doch wohl kaum, sich diesen Jetlag-Stress anzutun.

So ganz kann ich dem nicht zustimmen. Auch im Jahre 2014 stehen noch Wochenstopps an der Tagesordnung. Sicher nicht mehr in den Maßen wie früher, aber es gibt sie noch. Dennoch muss es nicht immer gleich eine ganze Woche sein, um der Langstreckenfliegerei etwas abzugewinnen. Die meisten Flüge lauern mit ein, zwei, drei oder vier Tagen Aufenthalt im Ausland und selbst einem „Quickie“ , also nur einer Nacht vor Ort, kann man noch viel Positives abgewinnen.

Freundlicher Service an Bord

Ein Beispiel dafür ist mein letzter Flug nach Punta Cana: Nach neun Stunden Flugzeit hatten wir das erste Ziel auf der Kokosnussinsel erreicht und verabschiedeten unsere Gäste in den sonnigen Urlaub. Um dem Ganzen ein Hauch von Abenteuer zu verleihen, wurden wir im Anschluss direkt mit einer einheimischen Jetstream mit 19 Sitzplätzen, zwei Piloten und einem Steward an Bord weiterbefördert. In atemberaubender Geschwindigkeit hüpfte diese Brummsel über die Startbahn, schraubte sich laut röhrend mit ihren Propellern in den Himmel und hopste weiter unbeirrt durch dicke Wolkenberge. Um auch die letzten Zweifler von uns zu entspannen, gab es freundlichen Service aus einer blaukarierten Kühltasche: Wasser, Cola, Cola light, einheimisches „Cervesa“ und sogar guter Karibischer Rum waren an Bord. Den Getränken folgte ein Tablett mit Chips in allen Variationen, wir mussten in dieser knappen Stunde Flugzeit nicht darben.

Durch eine sehr familiäre Unterhaltung mit dem dominikanischen Kabinenkollegen erfuhren wir, das in seiner Heimat „Flugbegleiter“ ein dreijähriger Lehrberuf und gesellschaftlich sehr angesehen sei – er staunte ehrlich über den sechswöchigen Crashkurs, den es in Deutschland nur braucht, um in die Luft gehen zu können, und den Imageverlust unseres Jobs in den letzten Jahren.

Nach geglückter Landung chauffierte uns ein kleiner Bus in unsere Fünf-Sterne-All-Inklusive-Bleibe. In kürzester Zeit waren die Zimmer verteilt und nach einer erfrischenden Dusche traf man sich zum Sundowner an der Flamingo-Bar. Zahlreiche dieser staksigen, pinken Tropenvögel konnte man bequem vom Sessel aus beim Gründeln und Flirten beobachten.

„Afterlandings“ im Kreise der Crew finden in der Karibik auch heute noch mit schöner Regelmäßigkeit statt - vorzugsweise an Orten, an denen keiner zum Shoppen entfleuchen kann - Zeit zum Entspannen, zum Klönen, zum Tratschen, zum Seele baumeln lassen. Schnell war die Zeit bis zum Abendessen vergangen. Hier lockte ein fürstliches Büffet, welches keine Wünsche offen ließ.

Auf Schlemmerei folgt ein ausgiebiger Strandspaziergang

Am nächsten Morgen führte der erste Weg natürlich zum Frühstück, zehn Stunden Nachtruhe und Aufenthalt an der See machten schließlich Appetit. (Wenn man die Aircondition im Zimmer laufen ließ, wurde man auch nicht voreilig vom Krächzen der freilaufenden Pfauen geweckt.) Nach der Schlemmerei folgte ein ausgiebiger Strandspaziergang, um wenigstens ein paar Kalorien wieder abzuarbeiten.

Das Wetter war perfekt: warm, zirka 28 Grad, aber windig genug, um nicht in Schweiß auszubrechen. An der Küste ließ es sich kilometerweit in jede Richtung wandern, das türkisfarbene Meer schwappte lauwarm über die Füße, der weiße Sand knirschte leise und die Sonne streichelte über die Haut. Ja, sicher, ich hätte auch noch ein paar Tage länger bleiben mögen. Aber man kann auch kurze Momente genießen, wie zum Beispiel die anschließenden drei Stunden Dösen unter leise rauschenden Palmen, süßes Nichtstun. Es blieb bis zum Check-in sogar noch Zeit für ein kleines Mittagessen und genügend Ruhe vor dem Rückflug.

Ich kann an „Quickies“ nichts Schlechtes finden – drei Diensttage abgehakt, 18 Flugstunden im Sack plus drei leckere Mahlzeiten, Sonne im Gesicht, Wind im Haar und Sand im Koffer. Beim Discounter an der Kasse ist das Geld viel schwerer verdient und das meine ich jetzt keineswegs herablassend. Ich komme selber aus der Hotellerie und weiß daher, was für einen Luxus wir da genießen – selbst wenn es manchmal nur für 24 Stunden ist.

Sonnige Grüße,
Jenny Jetstream

Über die Autorin

Jede Woche veröffentlicht die Flugbegleiterin, Autorin und Illustratorin Kathrin Leineweber auf airliners.de eine neue Geschichte aus dem Leben der Stewardess Jenny Jetstream in Kolumnenform. Alle "Jenny Jetstream"-Folgen lesen.

Kathrin Leineweber Kathrin Leineweber begleitet als Purser Passagiere einer großen deutschen Airline rund um den Globus und hat über Ihren Beruf mehrere Bücher veröffentlicht. Zudem schreibt und illustriert sie Kinderbücher.

Von: Kathrin Leineweber für airliners.de
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