Quartalsbilanz: Sonderfaktor lässt Gewinn bei Boeing gut aussehen

26.10.2016 - 16:00 0 Kommentare

Im dritten Quartal hat Boeing einen Umsatzrückgang verkraften müssen - aber der Gewinn stieg unter dem Strich um ein Drittel. Grund dafür ist ein Sonderfaktor, mit dem auch Analysten nicht gerechnet hatten.

Endmontage der Boeing 737 in Renton, Washington. - © © Boeing -

Endmontage der Boeing 737 in Renton, Washington. © Boeing

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Boeing kann mit einer Steuergutschrift teure Probleme an anderer Stelle übertünchen. Im dritten Quartal fuhr der Konzern unter dem Strich einen Gewinn von 2,3 Milliarden US-Dollar (2,1 Milliarden Euro) ein und damit gut ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor.

Boeing-Chef Dennis Muilenburg setzte seine Erwartungen für das laufende Jahr daher jetzt deutlich herauf. Der Gewinn je Aktie soll jetzt mit 7,10 bis 7,30 Dollar um 70 Cent höher ausfallen als bisher gedacht.

Am Finanzmarkt kamen die Nachrichten zunächst gut an. Im vorbörslichen New Yorker Handel gewann die Boeing-Aktie fast zwei Prozent an Wert. Konkurrent Airbus hatte im dritten Quartal einen Gewinneinbruch verzeichnet.

© dpa, EPA/Caroline Blumberg Lesen Sie auch: Airbus-Konzern schließt drittes Quartal mit Gewinneinbruch ab

Erst im zweiten Quartal war Boeing wegen Problemen mit gleich drei Flugzeugtypen in die Verlustzone gesackt und hatte seine Gewinnprognose für 2016 deutlich zusammengestrichen. Im dritten Quartal musste der Hersteller sogar einen Umsatzrückgang von acht Prozent auf 23,9 Milliarden Dollar verkraften. Der Gewinn im operativen Geschäft sackte um zwölf Prozent nach unten. Der Steuereffekt machte dies unter dem Strich aber mehr als wett. Analysten hatten mit diesem Sonderfaktor nicht gerechnet.

Mehrere schlechte Nachrichten für Aktionäre

Das brummende Geschäft mit Verkehrsflugzeugen stimmt die Boeing-Führung auch im laufenden Geschäft etwas optimistischer. So sollen in diesem Jahr mit 745 bis 750 Verkehrsflugzeugen etwa fünf Maschinen mehr die Werkshallen verlassen als zuvor geplant. Beim Umsatz erwartet die Boeing-Führung daher im Gesamtjahr eine halbe Milliarde mehr als zuletzt. Er soll nun 93,5 bis 95,5 Milliarden Dollar erreichen.

Boeing hatte die Aktionäre in diesem Jahr schon mehrfach mit schlechten Nachrichten geschockt. So plant der weltgrößte Flugzeughersteller in diesem Jahr weniger Verkehrsjets auszuliefern als 2015. Zudem musste das Unternehmen die Produktion seines größten Modells, des Jumbo-Jets 747-8, mangels Aufträgen auf nur noch sechs Maschinen pro Jahr herunterfahren. Beim Langstreckenjet "Dreamliner" gab Boeing im Juli die Hoffnung auf, für zwei erste Test-Flugzeuge noch Käufer zu finden.

Tankflugzeug treibt Kosten nach oben

Für teuren Ärger sorgte das neue Tankflugzeug für das US-Militär. Wegen Problemen und Verzögerungen bei der Entwicklung musste Boeing die Kosten für das Projekt schon viermal nach oben korrigieren. Im dritten Quartal blieben Boeing solche Sonderlasten zwar erspart. Dennoch musste der Hersteller sowohl in der Verkehrsflugzeug-Sparte als auch bei den Militär-Maschinen und im Raumfahrtgeschäft Gewinneinbußen verkraften.

© AirTeamImages.com, nustyR Lesen Sie auch: Boeing muss Milliardenabschreibung verbuchen

Boeing arbeitet derzeit daran, seine betagteren Flugzeugmodelle mit moderneren Triebwerken und weiteren Verbesserungen sparsamer zu machen. So ist die neue Version des Mittelstreckenjets 737, die 737-MAX, seit diesem Jahr zu Testflügen in der Luft und soll im dritten Quartal 2017 erstmals ausgeliefert werden. Auch der Fluggesellschaften beliebte Großraumjet 777 bekommt als 777X bis Ende des Jahrzehnts eine Frischzellenkur.

Damit verfolgt Boeing eine ähnliche Strategie wie der Airbus-Konzern bei den Neuauflagen seiner Modelle A320neo und A330neo. Zeitlich hinken die Amerikaner den Europäern aber hinterher. Bei den Riesenjets steht Airbus mit seiner doppelstöckigen A380 vor ähnlichen Problemen wie die Amerikaner: Mangels Neuaufträgen streicht der Hersteller die Produktion des Jets ab 2018 ebenfalls deutlich zusammen.

Von: ch, dpa-AFX
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