Streit um Kostensenkungsprogramm

Qatar steigt bei Cargolux aus

19.11.2012 - 15:11 0 Kommentare

Qatar Airways gibt ihren Anteil an Cargolux auf. Der Rückzug kommt nach heftigen Kontroversen über die Zukunft der Fluggesellschaft. Sollte nicht bald ein neuer Investor gefunden werden, droht der luxemburgischen Frachtairline nun die Pleite.  

Boeing 747-400F der Cargolux

Boeing 747-400F der Cargolux
© AirTeamImages.com

A300-Frachter der Qatar Airways

A300-Frachter der Qatar Airways
© Qatar Airways

Qatar Airways steigt komplett bei der Frachtlinie Cargolux aus. Entsprechende Berichte bestätigte Cargolux heute. Die katarische Airline hält bisher 35 Prozent der Anteile und scheiterte nach Angabe regionaler Medien am Widerstand der übrigen Anteilseigner, die Kapitalmehrheit an Cargolux indirekt zu übernehmen und ihren Vertrauten, den Interims-CEO Richard Forson, als dauerhaften Vorstandsvorsitzenden zu etablieren.

Qatar Airways hatte im Juni 2011 auf Drängen von Luxemburgs Finanzminister Luc Frieden die Anteile an Cargolux für 117 Millionen US-Dollar erworben. Kurz danach verschärfte sich der Ton zwischen den Managern und dem Großteil der Belegschaft aufgrund sachlicher und personeller Querelen.

So besetzten Vertreter von Qatar Airways sowohl den Vorstandsposten, wenngleich nur bis zu einer endgültigen Entscheidung, und etablierten zudem mit Albert Wildgen einen Vertrauten auf dem Stuhl des Verwaltungsratsvorsitzenden. Wildgen wird den Angaben nach nun zum Ende des Monats seinen Stuhl räumen.

Der Zwist zwischen den Lagern wurde wegen kontroverser Auffassungen über die künftige Flottenpolitik sowie das von Forson angekündigte Kostensenkungsprogramm in den vergangenen Wochen ständig vertieft. So trat Forson für eine Auslagerung der Technik oder zumindest von wesentlichen Teilen der Cargolux-Wartung ein, was bis zu 450 Arbeitsplätze am Luxemburger Flughafen Findel gekostet hätte. Zudem kündigte Forson einseitig den laufenden Tarifvertrag.

Wegen dieser Konflikte hatten drei Luxemburger Gewerkschaften am vergangenen Dienstag eine Protestveranstaltung vor dem Parlamentsgebäude abgehalten. Deren Funktionäre forderten von der Staatsregierung ein Einschreiten und die Sicherung der 65-prozentigen Mehrheitsanteile von luxemburgischen Finanzinstituten an Cargolux.

Die Regierung steht nun unter Zugzwang. Sollte nicht bald ein neuer Investor gefunden werden, droht Cargolux die Pleite. Örtliche Medien spekulieren bereits über einen Einstieg der russischen AirBridge Cargo (ABC). Sie verweisen auf einen Besuch von Minister Wieseler zu Beginn dieser Woche in Moskau, wo er zu Gesprächen mit Vertretern der ABC-Muttergesellschaft Volga-Dnepr zusammengekommen sei.

Die Frachtlinie schreibt fortlaufend rote Zahlen. Daher wird eine schnelle Kapitalerhöhung unvermeidlich, bestätigte unlängst Manager Forson, die Schätzungen zufolge in der Größenordnung von 250 Millionen US-Dollar liegen dürfte. Qatar Airways steht als Geldgeber nun aber nicht mehr zur Verfügung.

Von: Heiner Siegmund, cargoforwarder.eu
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