Premium Aerotec will bis zu 1100 Arbeitsplätze in Augsburg streichen

Nach dem Aus für den Airbus A380 geht bei der Augsburger Premium Aerotec der Stellenabbau weiter. Die Entscheidung kommt einen Tag nach dem Enders-Abgang. Airbus hatte den Verkauf der Tochter zuvor abgeblasen.

Mitarbeiter bei der Airbus-Tochter Premium Aerotec in Augsburg. - © © Premium Aerotec -

Mitarbeiter bei der Airbus-Tochter Premium Aerotec in Augsburg. © Premium Aerotec

Bei der Augsburger Airbus-Tochter Premium Aerotec stehen möglicherweise weitere Stellenstreichungen an. Eine Sprecherin des Unternehmens sagte am Donnerstag laut dpa, dass davon mittelfristig 1100 der aktuell rund 3600 Mitarbeiter in Augsburg betroffen sein könnten.

Nach Angaben der IG Metall wurde auf einer Betriebsversammlung angekündigt, dass bis 2023 mehr als 1000 Stellen abgebaut würden. Premium Aerotec ist an den Standorten Augsburg, Bremen, Nordenham und Varel für einen besonders wichtigen Bereich der Produktion zuständig: Hier entstehen sämtliche Flugzeugrümpfe. Insgesamt hat das Unternehmen rund 10.000 Mitarbeiter, Augsburg ist der Unternehmenssitz.

"Die Belegschaft ist geknickt, aber auch stinksauer und kampfbereit", sagte der Premium-Aerotec-Betriebsratsvorsitzende Sebastian Kunzendorf der Gewerkschaft zufolge. Die Geschäftsführung habe "offensichtlich keinen Plan, Augsburg mit zukunftsfähigen Produkten auszulasten".

Die Leitung des Flugzeugherstellers hat nach Angaben von Sprecherin Barbara Sagel einen Restrukturierungsplan entwickelt, um eine langfristige Perspektive für Premium Aerotec zu entwickeln. Um Kosten zu reduzieren, sei auch der sozialverträgliche Abbau von Stellen möglich.

Rückschläge durch Großbrand und A380-Aus

Das Unternehmen hatte in den vergangenen Monaten mehrere Rückschläge hinnehmen müssen. Zunächst war vor einem Jahr angekündigt worden, dass rund 500 Zeitarbeiter gehen sollen. Ende Dezember kam es dann zu einem Großbrand in dem Augsburger Werk. Wenige Wochen später wurde von Airbus das Aus des A380 verkündet, für den auch Premium Aerotec Teile produziert.

Augsburgs IG-Metall-Chef Michael Leppek forderte die bayerische Staatsregierung auf, ihren Einfluss geltend zu machen, um die Jobs in Schwaben zu sichern.

Das Unternehmen ist eine hundertprozentige Airbus-Tochter, nachdem Airbus Ende 2018 einen angestrebten Verkauf abgeblasen hat. Damals sagte ein Sprecher: "Unser langfristiges Ziel mit Blick auf Premium Aerotec bleibt unverändert", man sei mit dem Verkaufsprozess jedoch nicht in Eile. Premium Aerotec sei ein wichtiger Bestandteil der Produktionskette, und man arbeite "operativ wie finanziell" an Verbesserungsmöglichkeiten.

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Strategische Entscheidungen, wie es mit Premium Aerotec weitergeht, sollten getroffen werden, wenn die Nachfolger von Konzernlenker Tom Enders und Finanzchef Harald Wilhelm gefunden sind. Enders wurde am gestrigen Mittwoch in den Ruhestand verabschiedet. Unmittelbar darauf folgte heute die Ankündigung des Arbeitsplatzabbaus.

Von: dk mit dpa

Datum: 11.04.2019 - 16:53

Adresse: http://www.airliners.de/premium-aerotec-1100-arbeitsplaetze-augsburg/49680