Hohe Kosten kontra Konjunktur

Preisschub bei Flugtickets?

01.11.2011 - 10:48 0 Kommentare

Hohe Treibstoffkosten und die Aufnahme des Luftverkehrs in den Emissionshandel könnten das Fliegen für Europäer künftig weiter verteuern. Zugleich lassen Nachfrageprognosen jedoch daran zweifeln, ob Fluggesellschaften ihre Kostensteigerungen tatsächlich an die Passagiere weitergeben können.

Check-In an der Lufthansa-Station Frankfurt - © © Lufthansa - Dominik Mentzos

Check-In an der Lufthansa-Station Frankfurt © Lufthansa /Dominik Mentzos

Teurer Treibstoff und Kosten für Emissionsrechte: Fliegen droht vor allem für Europäer weiter teurer zu werden. Geht es nach den Chefs der Fluggesellschaften, sollen die Kunden dafür spätestens ab 2012 tiefer in die Tasche greifen. «Die Zusatzkosten müssen umgewälzt werden auf die Kunden, und wir werden alles dafür tun», sagte Lufthansa-Chef Christoph Franz erst vergangene Woche.

Ob ihm das gelingt, hängt allerdings auch von der Entwicklung der Wirtschaft ab. Die Nachfrage nach Flugtickets wächst in Deutschland schon jetzt nicht mehr so stark wie noch im Frühjahr. Und die Preise für manche Flugstrecken sind zuletzt schon erheblich gestiegen.

Nach einer Erhebung des Vergleichsportals www.billigflieger.de mussten Fluggäste zwischen Juli und September vor allem auf der Kurz- und Mittelstrecke teils deutlich tiefer in die Tasche greifen als ein Jahr zuvor. So schnellte der Preis für die Strecke München-Hamburg im Jahresvergleich um ein Drittel nach oben, für einen Flug von Frankfurt nach London musste der Kunde ähnlich viel mehr bezahlen. Manche Flüge wurden freilich auch billiger - die Nachlässe fielen allerdings vergleichsweise mager aus. Auf der Langstrecke gingen die Preise meist im einstelligen Prozentbereich nach oben.

Die Fluggesellschaften haben davon vergleichsweise wenig. «Der Kostenanstieg bei Treibstoff, Steuern und Gebühren (...) frisst alles, was wir sparen, wieder auf», sagte Lufthansa-Chef Franz. Für Flugtickets konnte sein Unternehmen nach eigenen Angaben zuletzt vier Prozent höhere Preise durchdrücken. Dazu trug auch die lukrative Business Class bei - denn entgegen allen Erfahrungswerten buchen Geschäftsleute derzeit noch eifrig Reisen im teuren Preissegment.

Allerdings trübt sich das Bild für die Branche derzeit ein. Schon seit Monaten kann die Lufthansa ihr aufgestocktes Flugangebot nicht komplett an den Mann bringen. Die Wachstumspläne fürs nächste Jahr strich das Unternehmen von neun auf drei Prozent zusammen, und Konkurrent Air Berlin schickt seine Flotte auf Schrumpfkurs. Der Grund: Auf zu vielen Strecken ist angesichts des teuren Sprits und der seit Januar erhobenen deutschen Ticketsteuer offenbar kein Geld zu verdienen.

Wenn die Fluglinien in der EU ab Januar 2012 viele Millionen Euro für Emissionsrechte ausgeben müssen, wird die Herausforderung noch größer. Allein die Lufthansa schätzt ihre Mehrkosten auf 130 bis 300 Millionen Euro pro Jahr.

Die deutschen Flughäfen werden schon jetzt pessimistischer: Der Flughafenverband ADV verabschiedete sich von seiner Prognose, der zufolge die Zahl der Fluggäste in diesem Jahr um fünf Prozent wachsen soll. Im nächsten Jahr dürfte sich die Entwicklung weiter abschwächen, schätzt ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Lag das Plus in den ersten neun Monaten bei 5,8 Prozent, waren es im September nur noch 2,6 Prozent.

Wegen der deutschen Ticketsteuer hatte vor allem der irische Billigflieger Ryanair sein Angebot hierzulande zusammengestrichen. Die Abgabe, die pro Abflug mit 8 bis 45 Euro zu Buche schlägt, macht bei Billigtarifen prozentual am meisten aus - und das Fliegen schnell unattraktiv. Im kommenden Jahr soll die Abgabe zwar leicht sinken, doch die Kosten für die Emissionsrechte kommen neu dazu.

Im Europa-Vergleich schneidet die deutsche Luftfahrt schon jetzt ziemlich schwach ab. Der Branchenverband IATA, in dem fast alle Fluggesellschaften der Welt zusammengeschlossen sind, registrierte bei den europäischen Fluglinien im September eine um neun Prozent höhere Nachfrage als ein Jahr zuvor. Weltweit ging es um knapp sechs Prozent nach oben. IATA-Chef Tony Tyler erwartet allerdings nicht, dass dieser Trend anhält. Zum Jahresende werde die Nachfrage abnehmen, schätzt er. Höhere Ticketpreise durchzusetzen, dürfte damit nicht leichter werden.  

Von: dpa-AFX
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • A320 der Niki. Niki-Flüge bleiben vorerst buchbar

    Nach der Übernahme der Niki durch Lufthansa bleiben die Flüge der österreichischen Air-Berlin-Tochter bis auf Weiteres buchbar. Niki fliege bis zur kartellrechtlichen Freigabe des Kaufs - voraussichtlich Ende 2017 - unter HG-Flugnummer und Niki-Markenauftritt, bestätigte eine Sprecherin von Eurowings. Die Lufthansa-Tochter soll die Niki-Flüge dann übernehmen.

    Vom 17.10.2017
  • "Maßgeschneiderte Lösungen statt Einheitsbrei" ist das Versprechen von "bite" in Sachen Reiseversicherung. Lufthansa Innovation Hub will Versicherungen personalisieren

    Der Lufthansa Innovation Hub will die Reiseversicherung konfigurierbar machen. Unter bite-insurance.de können Kunden nach Unternehmensangaben erstmals genau definieren, welche "individuellen Sorgen" versichert werden sollen. Partner für den Test der "Reiseversicherung à la carte" sind Eurowings und Hanse Merkur.

    Vom 06.10.2017
  • Eurowings lässt unter vote-and-fly.com eine neue Destination abstimmen. Eurowings lässt über neue Route abstimmen

    "Vote and fly" heißt es aktuell bei Eurowings. Der Lufthansa-Billigflieger lässt online über ein neues Flugziel abstimmen. Zur Auswahl stehen Biarritz, Brac, Bergen, Belfast, Castellon, Mostar, Podgorica, Shannon, Trapani und Triest. Von wo es dann losgeht, erfahren die Wähler nicht.

    Vom 05.10.2017

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »