Deutschland profitiert von Airbus-Auftragslawine

Positive Signale aus Le Bourget

22.06.2011 - 17:35 0 Kommentare

Frohe Kunde für die Wirtschaft von der Luftfahrtmesse in Le Bourget: Die vollen Airbus-Auftragsbücher für die A320neo-Familie sichern auch in Deutschland tausende Arbeitsplätze.

Airbus-Stand auf der Paris Air Show - © © Airbus -

Airbus-Stand auf der Paris Air Show © Airbus

Der in Hamburg montierte Mittelstreckenjet A320neo von Airbus ist der Star der Luft- und Raumfahrtausstellung von Le Bourget. In nur drei Tagen hat der europäische Flugzeughersteller mit der spritsparenden Version seines Bestsellers den Erz-Konkurrenten Boeing durch eine milliardenschweren Auftragslawine überflügelt.

airliners.de Le Bourget 2011-Special: Die Bestellungen aller Tage in der Übersicht.

Airbus-Verkaufschef John Leahy hält es für möglich, dass die A320neo bis zum Messe-Ende am Wochenende die Marke von 1.000 Aufträgen und Vorverträgen knackt. Dabei ist das Update der Airbus-Bestsellerfamilie rund um den A320 mit der "New Engine Option" (neo) erst seit einem halben Jahr auf dem Markt. Gefertigt werden die neuen Maschinen übrigens wie gehabt bei Airbus sowohl in Toulouse als auch in Hamburg.

Deutschland profitiert von Airbus-Auftragslawine

Die in Le Bourget vertretenen Manager der deutschen Unternehmen reiben sich die Hände. «Für den Standort Deutschland ist das eine gute Nachricht. Es ist auch für die zahlreichen deutschen Zulieferer ein positives Signal», sagt der Sprecher des Bundesverbands der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Christopher Bach. Vor allem im Kabinen-, im Triebwerk, Sitz- und Elektronikbereich gibt es viele deutsche Firmen, die - zum Teil mit internationalen Partnern - die Elemente für den Zusammenbau der Maschinen liefern.

Bereits bei der BDLI-Jahrespressekonferenz Ende April hatte Airbus-Chef und BDLI-Präsident Thomas Enders im airliners.de-Interview von sehr guten Prognosen gesprochen. Durch neue Projekte wie die A320neo und die A350 würden Arbeitsplätze bei den Herstellern direkt, aber auch in der gesamten Zulieferkette entstehen. Allein Airbus wolle in diesem Jahr 3.000 Fachkräfte in allen möglichen Bereichen neu einstellen, davon etwa 1.000 in Deutschland.

Der Münchner Triebwerksbauer MTU etwa gehört zu den Profiteuren in Deutschland. Er hat in Le Bourget Aufträge in Höhe von 600 Millionen Euro eingefahren - doppelt so viel wie bei der letzten Messe vor zwei Jahren. Auch er setzt auf die neuen A320neo: MTU baut an dem Antrieb von Pratt & Whitney mit, das für den Airbus-Flieger angeboten wird. Das PW1100G ist ein Geared Turbofan-Triebwerk, das auch für die neue Bombardier CSeries, den neuen Mitsubishi Regional Jet (MRJ) sowie die russische Irkut MS-21 eingesetzt werden soll.

Allerdings kam in Le Bourget vielfach auch das Konkurrenz-Triebwerk des französischen Herstellers CFM zum Zuge. Das LEAP-X des CFM -Joint-Ventures zwischen der US-amerikanischen General Electric und der französischen Snecma ist ein High-Bypass Turbofan ohne Getriebefan und wird neben dem A320neo auch bei der chinesischen COMAC C919 zum Einsatz kommen.

Beide Antriebe sollen die A320neo zum Spritsparer machen. 15 Prozent weniger Spritverbrauch als beim Vorgänger A320, verspricht Airbus. Für die Airlines bedeutet die Ersparnis bares Geld. Um den «neo» zu bekommen, legen deshalb viele Airline-Chefs beim Kaufpreis gerne sechs Millionen Euro im Vergleich zur herkömmlichen Variante drauf.

Bereits am Mittwoch überschritt das Orderbuch für den Flieger die 700er-Marke - ein phänomenaler Erfolg, der den US-Rivalen Boeing zu einer raschen Entscheidung für sein in die Jahre gekommenes Konkurrenzmodell 737 zwingt. Neues Modell oder nur Modernisierung, lautet die Frage, die Airbus bereits mit seiner A320neo beantwortet hat. Boeing-Manager ließen auf der Messe allerdings durchblicken, dass sie eher zu einem ganz neuen Flugzeug tendieren. Die Frage ist nur noch, was der neue Flieger können soll.

A350: Airbus will Boeing-Fehler vermeiden

Jedenfalls wollen die Amerikaner ihre Erfahrung aus der Entwicklung ihres Langstreckenjets 787 «Dreamliner» einbringen. Dessen Rumpf besteht vor allem aus Kohlefaser. Probleme mit Lieferanten hatten die Fertigstellung des Fliegers allerdings um Jahre verzögert. So etwas soll Airbus nicht passieren. Die ausgegliederten Werke etwa in Augsburg und Nordenham, die den Kohlefaser-Rumpf für den neuen Hightech-Flieger A350 liefern, sollen zunächst komplett im Konzern bleiben.

Neue Probleme durch neue Debatten über die Arbeitsverteilung zwischen den Airbus-Partner sieht auch die Politik nicht - dazu gibt es zu viele Programme, die in allen Airbus-Ländern zur Zeit Kapazitäten binden. Der deutsche Verkehrsstaatssekretär Peter Hintze (CDU) gab sich beim Treffen mit den Ministern der anderen Airbus-Heimatländer in Le Bourget daher versöhnlich, was die Verteilung der Produktion und damit der Arbeitsplätze betrifft.

Nach dem Ringen um die Fördermittel für die Entwicklung des neuen Airbus-High-Tech-Fliegers A350 dämpfte er jegliche Befürchtung, es könne zu neuen Zwist über die Beteiligung der einzelnen Werke geben. «Bei einem Flugzeugtyp gibt es einen großen Fertigungsanteil in Frankreich, bei dem anderen in Deutschland«, sagte Hintze. «Wir glauben, dass wir damit gut hinkommen.»

Von: airliners.de mit dpa
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