Portrait: Das ist die Leiterin der Flugsicherung in Bremen

24.06.2015 - 10:19 0 Kommentare

Frauen erobern in der Arbeitswelt seit langem auch Männerdomänen. Doch auf der Karriereleiter schaffen sie es nur selten bis an die Spitze. Anders Christine Schierhorn: Sie leitet seit knapp drei Monaten die Flugsicherung in Bremen.

Christine Schierhorn, Chefin der Bremer Kontrollzentrale der Deutschen Flugsicherung - © © dpa - Carmen Jaspersen

Christine Schierhorn, Chefin der Bremer Kontrollzentrale der Deutschen Flugsicherung © dpa /Carmen Jaspersen

Der Luftverkehr am Himmel würde ohne Fluglotsen in einem gefährlichen Chaos enden. Der Job war viele Jahre eine Männerdomäne. Christine Schierhorn ergriff den Beruf trotzdem: Seit April ist sie Leiterin der Kontrollzentrale der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Bremen. Erstmals in Deutschland gibt es damit eine Frau auf so einem Posten. Die 36-Jährige ist Chefin von mehr als 500 Mitarbeitern, darunter rund 300 Fluglotsen.

Inzwischen entscheiden sich immer mehr Frauen für den Job als Lotsin, sagt Ute Otterbein von der DFS. "Die Frauenquote liegt bei 30 Prozent. Der Beruf wird bei Frauen immer beliebter." Die DFS ist eine bundeseigenes privatrechtlich organisiertes Unternehmen mit rund 5800 Mitarbeitern. Rund 2000 Fluglotsen lenken täglich bis zu 10.000 Flüge im deutschen Luftraum.

Sie selbst sitzt nicht mehr am Radar

Die Chefin der Flugsicherung in Bremen, Christine Schierhorn, sitzt inzwischen nicht mehr selbst am Radarschirm. "Ich bin jetzt in der großen Flugsicherungswelt angekommen", sagt sie. "Ich bin hauptverantwortlich für den Betrieb, vor allem für die Sicherheit. Dazu gehört die Zusammenarbeit mit den Airlines, anderen europäischen Kontrollzentralen oder auch dem Militär."

Von Bremen aus wird der gesamte norddeutsche Luftraum von Kassel bis zur Ost- und Nordsee überwacht, mit dabei sind die großen Flughäfen Berlin, Hannover und Hamburg. Im Jahr sind das rund 600.000 Flugbewegungen.

Oberer und unterer Luftraum

Nach ICAO-Definition liegt die Grenze - die sogenannte Trennfläche - zwischen unterem und oberem Luftraum bei 24.500 ft (rund 7.500 Metern). Der obere Luftraum in Kontrollzentralen wie beispielsweise Karlsruhe, Maastricht oder Genf überwacht. In den Kontrollzentralen in Bremen, München und Langen wird der untere Luftraum überwacht.

Die gebürtiger Wuppertalerin kam nach dem Abitur durch Zufall auf den Beruf. "Ich hatte keine Berührungspunkte zur Luftfahrt, ich war nur neugierig, ob ich den Eingangstest bestehe", sagt sie rückblickend. Nur fünf bis sechs Prozent der Interessenten bestehen laut DFS den schweren Test, bevor überhaupt die Ausbildung beginnt. "Eigentlich wollte ich mir nur beweisen, dass ich das kann und hatte nicht die Idee, das wirklich zu machen", so Schierhorn. Doch dann sei es sehr spannend gewesen. "Ich war plötzlich mitten drin in der Luftfahrt."

Nach der Grundausbildung und der praktischen Ausbildung im Tower am Flughafen Köln/Bonn war Schierhorn von 2001 bis 2012 Fluglotsin am dortigen Airport. "Das war mir nicht genug auf Dauer. Ich habe aus meinem Tower herausgeguckt und gesucht, was ich noch machen könnte."

© DFS, Lesen Sie auch: Neue Chefin leitet Deutsche Flugsicherung in Bremen

Am 1. April 2012 übernahm Schierhorn die Leitung des Hamburger Towers. Nach drei Jahren nun der nächste Karrieresprung - für die 36-Jährige eine Herausforderung: "Meine Position ist immer noch ein echtes Männer-Business. Man muss sich durchsetzen können." Unter den Fluglotsen im operativen Bereich sei man sehr direkt im Umgang miteinander, sagt Schierhorn.

Die Mutter von drei Kindern im Alter zwischen drei und sieben Jahren ist leidenschaftliche Läuferin. "Dabei habe ich Zeit, Probleme zu durchdenken." In jüngeren Jahren war Schierhorn begeisterte Triathletin. "Ich habe das fünf Jahre sehr ambitioniert gemacht und war 2006 beim Ironman auf Hawaii." Für den Triathlon hat sie jedoch inzwischen keine Zeit mehr.

Von: dpa
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