Piloten kritisieren erneut Sozialdumping in der Luftfahrt

09.11.2016 - 12:01 0 Kommentare

Um die Zukunft der Beschäftigung im Luftverkehr ging es jetzt bei einem Parlamentarischen Abend der Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit. Mit scharfer Kritik an Billigfliegern wie Ryanair wurde die Politik zum Handeln aufgerufen.

Ilja Schulz, Präsident der Vereinigung Cockpit - © © VC -

Ilja Schulz, Präsident der Vereinigung Cockpit © VC

Die Entscheidung des Frankfurter Flughafens, sich mit einem Rabattsystem neuen Fluggesellschaften wie Ryanair zu öffnen, hat jetzt auch die Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit (VC) kritisiert. Damit würde der "Inbegriff des Sozialdumpings" durch den Flughafenbetreiber Fraport incentiviert, sagte VC-Präsident Ilja Schulz während eines Parlamentarischen Abends der VC in Berlin. Und das mit bis zu 45 Prozent geringeren Gebühren: "Mit fehlen die Worte", so Schulz.

Gleichzeitig erneuerte er die Kritik am Umgang des irischen Billigfliegers mit seinen Cockpitcrews. Da gegen Personaldienstleister, die Piloten unter Vertrag genommen und an Ryanair ausgeliehen haben, und Piloten bereits ermittelt werde, sei die Airline mittlerweile auf Festanstellungen umgeschwenkt - doch auf eine Festanstellung à la Ryanair, sagte Schulz.

© AirTeamImages.com, Danish Aviation Photo Lesen Sie auch: VC bezeichnet neue Verträge für Ryanair-Piloten als "Sklaventum"

Die den Piloten angebotenen Verträge seien in Deutschland größtenteils schlichtweg illegal. Keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, unzulässige Befristungen und kein garantiertes Grundgehalt sind aus Sicht der VC nur einige der zu beanstandenden Passagen.

"Ryanair ist die Blaupause"

Das Geschäftsgebaren der Iren in Sachen Sozialdumping - Ryanair-Chef Michael O'Leary hatte die Vorwürfe im Mai in einem Interview zurückgewiesen - sei aber kein Einzelfall. Ryanair sei die Blaupause für andere Airlines, sagte Schulz und nannte als Beispiele Norwegian - deren Strategie seit längerem umstritten ist - und Wizz Air.

© dpa, Holger Hollemann Lesen Sie auch: Verlagerung in ungewöhnliches Billiglohnland droht

Doch auch in Deutschland würden bereits neue Wege gegangen. Beispielhaft nannte der VC-Präsident die Gründung der Eurowings Europe in Wien und die Pläne von Tuifly, den Flugbetrieb umzustrukturieren. Vor dem Eindruck massenhafter Krankmeldungen hatte der Reisekonzern Tui erst unlängst eine Entscheidung über eine Ausgliederung seiner deutschen Ferienfluggesellschaft verschoben.

Deutsche Piloten werden zu "europäischen Wanderarbeitern"

Angesichts dieser Reihe an Problemen forderte Schulz die Politik zum Handeln auf. Ansonsten drohe die Gefahr, dass die rund 1000 arbeitslosen Piloten in Deutschland zu "europäischen Wanderarbeitern" werden. In einer Studie der Universität Gent hätten nicht nur 16 Prozent der befragten Piloten angegeben, in atypischen Beschäftigungsverhältnissen zu arbeiten. 60 Prozent von ihnen seien zudem jünger als 30 Jahre. Damit drohe ein Zukunftsproblem, sagte Schulz.

Die jüngste Entschließung des Europäischen Parlament gegen Sozialdumping könnte die Basis für das Handeln deutscher Politiker sein, so Schulz. Der Bericht enthalte den klaren Auftrag für das Gesetzgebungsverfahren. Das EU-Parlament hatte Mitte September unter anderem erklärt, dass Sozial-, Steuer- oder Umweltdumping den europäischen Werten entgegensteht.

Von: gk
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