Pilotenverträge: Ryanair-Chef soll vor Arbeitsgericht erscheinen

20.05.2015 - 17:17 0 Kommentare

Ryanair steht neuer juristischer Ärger ins Haus: Airline-Chef O’Leary wurde jetzt vor das Arbeitsgericht Wesel zitiert, um über Arbeitsverträge der Ryanair-Piloten auszusagen. Offenbar will er aber einen Vertreter schicken.

Michael O'Leary - © © dpa - Stian Lysberg Solum

Michael O'Leary © dpa /Stian Lysberg Solum

Wie sehen die Arbeitsverträge zwischen der irischen Low-Cost-Airline Rynair und ihren Piloten genau aus? Dieser Frage geht jetzt auch das Arbeitsgericht Wesel nach und hat sich dafür einen prominenten Zeugen ausgesucht: Das Gericht hat das Erscheinen des Ryanair-Chefs Michael O’Leary zum 1. Juli in einem Verfahren angeordnet, schreibt das Wirtschaftsmagazin "brand eins" in seiner Juni-Ausgabe. Er soll am 1. Juli zu den Arbeitsverträgen der Piloten seiner Airline aussagen, wie das Magazin vorab informierte.

Hintergrund ist die Klage eines früheren Pilot, der nun gegen die Airline und den Personaldienstleister Brookfield Aviation International vorgeht. Dabei geht es um Ansprüche aus einem vermeintlichen Arbeitsverhältnis, was auch Fragen der Sozialversicherungspflicht aufwirft. Der Pilot war als Selbstständiger für Ryanair geflogen.

O’Leary muss der Anordnung des Arbeitsgerichts Wesel allerdings nicht persönlich folgen. Er kann auch einen Vertreter schicken. Ein Sprecher von Ryanair teilte laut "brand eins" denn auch mit: „Wir können bestätigen, dass unser CEO am 1. Juli nicht in Deutschland sein wird." In der Regel würden sich Personalabteilung und Rechtsanwälte der Ryanair "um solche Angelegenheiten kümmern".

© LFT, Lesen Sie auch: Sozialdumping macht den Traumberuf Pilot zum Albtraum

Die aktuelle Klage ist kein Einzelfall. Erst im Oktober vergangenen Jahres war Ryanair beispielsweise in einem Berufungsverfahren in Frankreich wegen Schwarzarbeit verurteilt worden. Die Airline hatte 2007 eine Niederlassung auf dem südfranzösischen Flughafen Marseille Provence eröffnet, entrichtete für die 127 Mitarbeiter aber in Frankreich keine Sozialabgaben.

Bei einer Untersuchung der Ryanair Pilot Group (RPG) hatten 72,6 Prozent der Befragten angegeben, das Unternehmen verlassen zu wollen. Und: mehr als 95 Prozent der Ryanair-Piloten können keinen regulären Sommerurlaub nehmen. Fast 30 Prozent sind mit ihrem aktuellen Stationierungsort unzufrieden. Und 85,7 Prozent der befragten Piloten möchten direkt bei Ryanair angestellt sein. Tatsächlich ist es jedoch nur etwa jeder Vierte, wie es in der Mitteilung hieß.

Allerdings gibt es nicht nur bei Ryanair Probleme. Für eine Studie waren im vergangenen Jahr rund 6600 europäische Piloten befragt worden. 16 Prozent gaben an, in atypischen Beschäftigungsverhältnissen zu arbeiten. Besonders hoch sei die Quote mit 47 Prozent bei Low-Cost-Airlines, hieß es. Neben kostenpflichtigen Trainings-Beschäftigungsverhältnissen gelten in der Studie unter anderem befristete Anstellungen, Scheinselbständigkeit sowie die Einstellung von Piloten über Personaldienstleister als "atypisch".

Von: airliners.de
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