Tuifly-Pilot soll VC-Präsident werden

Exklusiv 05.04.2018 - 14:34 0 Kommentare

Ende Mai wählt die Vereinigung Cockpit einen neuen Vorstand. airliners.de liegt die Kandidatenliste vor: Erstmals soll nicht ein Lufthansa-Pilot die Präsidentschaft übernehmen. Und nach über 20 Jahren soll auch eine Frau wieder in das Gremium gewählt werden.

Ein Pilot der Lufthansa am Flughafen Frankfurt. - © © dpa - Valentin Gensch

Ein Pilot der Lufthansa am Flughafen Frankfurt. © dpa /Valentin Gensch

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) wählt Ende Mai einen neuen Vorstand. Sechs bisherige Vorstände stehen zur Wiederwahl, fünf weitere Mitglieder sollen neu in das Gremium einziehen, geht aus internen Unterlagen hervor, die airliners.de vorliegen.

Den Vorstand verlassen Alexander Gerhard-Madjidi, Jörg Handwerg und James Phillips. Auch Präsident Ilja Schulz gibt sein Amt ab - voraussichtlich an seinen bisherigen Vize Martin Locher. Locher ist kein Lufthanseat, sondern fliegt seit 2006 für Tuifly.

Ebenfalls ein Novum stellt die Nominierung Maria Murthas dar. Die an der Lufthansa-Flugschule in Bremen ausgebildete Condor-Pilotin soll als erste Frau in diesem Jahrtausend in den Vorstand der Gewerkschaft einziehen. Die letzte Frau im Gremium war Barbara Paul, die im Oktober 1994 zur Pressesprecherin gewählt wurde.

Weg bis zum Ryanair-Tarifvertrag "ist noch lang"

Die Personalie Locher zeigt - so ist aus VC-Kreisen zu hören -, dass das Image der reinen Lufthansa-Gewerkschaft überwunden ist und soll signalisieren, dass man nicht nur beim Kranich aktiv sei. Dies betont auch Locher im offiziellen Flyer und nimmt dafür das Beispiel Ryanair: "Bei der dringend erforderlichen Tarifierung der Ryanair wurden zwar die ersten Schritte erfolgreich absolviert, aber der Weg bis zum ersten unterschriebenen Tarifvertrag ist noch steinig und lang."

Bei den Iren bemüht sich die VC seit Längerem um einen Tarifvertrag für die dortigen Piloten. Ein erster Warnstreik im Dezember zeigte offenbar Wirkung, denn mittlerweile verhandeln die VC und der Low-Cost-Carrier miteinander.

Konsolidierung erfordere Gesetzesänderung

Gleichzeitig verlange die durch die Air Berlin angestoßene Konsolidierung des europäischen Luftverkehrsmarkts "Antworten, die sich nicht an einer einzelnen Airline oder an Landesgrenzen orientieren", so Locher. Konkret geht er hier auf die Lufthansa-Tochter Eurowings ein: Die österreichische Eurowings Europe ist bislang untarifiert. Obwohl die dortige Gewerkschaft Vida schon seit Langem einen Kollektivvertrag aushandelt, sieht Locher auch die VC in der Pflicht:

Für dauerhaft angemessene Bedingungen müssen Lösungen gefunden werden, die über die Landesgrenzen hinaus gehen.

Martin Locher, Kandidat für die Präsidentschaft des VC-Vorstands

Da Tarifrecht bislang an der Ländergrenze aufhört, müsse man als Gewerkschaft auch stärker an die Politik appellieren: "Auch auf politischer Ebene, sowohl in Berlin als auch in Brüssel, müssen wir in Zusammenarbeit mit den europäischen Kollegen dafür sorgen, dass die Rechte der Arbeitnehmer mit der Internationalisierung der Fluggesellschaften Schritt halten können."

Im vergangenen Jahr wurde der drei Jahre andauernde Tarifstreit bei Lufthansa beigelegt. Dennoch hat Locher auch an die Kranich-Airline eine klare Botschaft: "Die Aufgabe des neuen Vorstands wird es sein, den Arbeitgeber beim Wort zu nehmen und die oft kommunizierte neue Sozialpartnerschaft auf Augenhöhe einzufordern."

Neben Locher soll der Vorstand der VC nach der Wahl wie folgt aussehen:

Fotos: © VC | Darstellung: airliners.de

Alle ordentlichen VC-Mitglieder können bis zum 23. Mai über ihren Vorstand abstimmen. Die Wahlen zu dem Ehrenamt finden alle drei Jahre statt und sind eine reine Team-Wahl. Es reicht die Mehrheit der abgegebenen Stimmen.

Von: cs
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