Beruf & Karriere

Viele ausländische Airlines können Pilotenbedarf nicht decken

16.12.2013 - 11:03 0 Kommentare

Immer größere Flugzeug-Flotten und ein wachsender Luftfahrtmarkt sorgen auch für einen steigenden Bedarf an Piloten weltweit. In Deutschland sieht es aber etwas anders aus, zeigen wir in der Rubrik "Beruf & Karriere".

Cockpit einer Boeing 737-700

Cockpit einer Boeing 737-700
© airteamimages.com - JPC van Heijst

Cockpit-Check

Cockpit-Check
© Air Berlin

Pilotentraining bei Boeing

Pilotentraining bei Boeing
© Boeing

Cockpit der ATR72-600

Cockpit der ATR72-600
© ATR

Piloten im Cockpit eines Airbus A321

Piloten im Cockpit eines Airbus A321
© dpa - Roland Weihrauch

Pilot eines Airbus A330

Pilot eines Airbus A330
© AirTeamImages.com

Eine Lufthansa-Pilotenmütze und -jacke liegen auf einem Tisch.

Eine Lufthansa-Pilotenmütze und -jacke liegen auf einem Tisch.
© dpa, F. Rumpenhorst

Der Piloten-Beruf ist der wohl beliebteste, mit Sicherheit aber der bekannteste Beruf, wenn es um das Thema Luftfahrt geht. Viele junge Menschen träumen von einem Job im Cockpit. Ein Arbeitsleben über den Wolken wird für viele aber nur ein Traum bleiben. Denn die Anforderungen an potenzielle Piloten sind hoch, die Bewerberschar groß und der Bedarf der Fluggesellschaften ist in Deutschland und Europa begrenzt. Und das, obwohl der weltweite Bedarf steigt.

So stellt der Flugzeughersteller Boeing in einer Marktstudie die Prognose, dass bis 2032 weltweit rund 498.000 neue Piloten benötigt werden. Als Gründe nennt Boeing den wachsenden Luftverkehrsmarkt und immer größere Flotten der Airlines. Das größte Wachstum wird für die Region Asien/Pazifik vorhergesagt. Dort werden im Verlauf der kommenden zwei Jahrzehnte zirka 192.300 neue Piloten benötigt – das entspricht 39 Prozent des weltweiten Bedarfs. Der Bedarf in Europa wird in den nächsten 20 Jahren bei fast 100.000 neuen Flugzeugführern liegen.

Nach Schätzungen von Boeing werden in den kommenden Jahren Hunderttausende neue Piloten weltweit benötigt.
Nach Schätzungen von Boeing werden in den kommenden Jahren Hunderttausende neue Piloten weltweit benötigt. Grafik: © Boeing

In Deutschland stellt sich die Situation derzeit eher verhalten dar. Seit August vergangenen Jahres hatte die Lufthansa die Aufnahme neuer Pilotenschüler ausgesetzt, da der Bedarf bis 2015 gedeckt war. Im nächsten Jahr bieten aber sowohl Lufthansa als auch Air Berlin wieder Pilotenschulungen an. Die Lufthansa-Verkehrsfliegerschule in Bremen nimmt ab März wieder neue Pilotenschülerinnen und -schüler auf. Insgesamt sind im kommenden Jahr neun Lehrgänge geplant, 120 Schulungsplätze sind verfügbar. Die Nachfrage ist hoch: Bis Ende September hatten sich mehr als 3.000 Frauen und Männer beworben. Air Berlin startet im Januar und Mai Kurse für jeweils 15 Teilnehmer. Die Schulung erfolgt in Kooperation mit der Flugschule TFC-Käufer in Essen.

Schulungskosten von mehreren Zehntausend Euro

Der Eigenanteil an den Schulungskosten beträgt bei der Lufthansa 70.000 Euro. Die Airline stellt ihn bis zur ersten Gehaltszahlung in einer Festanstellung zins- und tilgungsfrei. Bei Air Berlin beläuft sich der Schülerkostenanteil auf 67.500 Euro, dazu kommen bei Air Berlin Anmeldungs- und Prüfungsgebühren.

Wer bei der Lufthansa seine Ausbildung abgeschlossen hat und als First Officer eingesetzt wird, erhält ein Brutto-Einstiegsgehalt von rund 63.000 Euro pro Jahr. Davon müssen die Raten für das Ausbildungsdarlehen und eine Versicherung für den Fall der Fluguntauglichkeit gezahlt werden. Nach etwa acht bis zwölf Jahren und einer erfolgreichen Beförderung gibt es bei der Kranich-Airline ein Kapitänsgehalt von etwa 110.000 Euro in der Einstiegsstufe. Bei Air Berlin beträgt das Einstiegsgehalt abhängig von Flugzeugmuster sowie Strecken - und Flugeinsatzprofil jährlich zwischen 35.000 Euro und 50.000 Euro brutto.

Nach Angaben der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) variieren das Gehalt eines Piloten je nach Luftverkehrsgesellschaft. Ein Erster Offizier könne mit einem Monatsgehalt zwischen 1500 Euro und 5000 Euro brutto rechnen. Ein Kapitän – nach etwa 3 bis 20 Jahren als Erster Offizier – erhalte zwischen 3000 Euro und 10.000 Euro.

Doch die Verkehrsflugzeugführerlizenz ist noch kein Job-Garant: Für Berufseinsteiger sind die Chancen auf dem europäischen Arbeitsmarkt nahezu aussichtslos, so die VC. Selbst Absolventen ausbildender Fluggesellschaften müssten zum Teil erhebliche Wartezeiten in Kauf nehmen.

Berufspiloten in Deutschland
ATPL MPL CPL ATPL (Helikopter) CPL (Helikopter)
2010 9516 72 4660 398 966
2011 9894 326 4938 420 1064
2012 10339 479 5133 451 1192

Quelle: Luftfahrt-Bundesamt

Arabische Airlines wollen verstärkt Piloten ausbilden

Weltweit stellt sich die Lage anders dar. Emirates und auch Etihad Airways, zwei Fluggesellschaften aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, wollen beispielsweise die Pilotenausbildung forcieren. Dazu soll ab 2015 in Dubai eine neue „Flight Acadamy“ in Betrieb genommen werden, wie die „Welt“ berichtete. Laut Emirates sollen einmal rund 160 Absolventen jährlich die Ausbildungsstätte verlassen.

Die Fluggesellschaft sucht zudem weltweit Mitarbeiter. Im Januar macht das Emirates-Anwerbeteam beispielsweise in Amsterdam, London und Mailand Station. Bereits jetzt kommen die insgesamt gut 3000 Emirates-Piloten aus über 130 Ländern. Aktuell beschäftigt Emirates bereits mehr als 100 Piloten mit deutscher Herkunft. Konkurrent Etihad Airways betreibt bereits eine eigene Akademie und beschäftigt rund 1400 Piloten, 1000 weitere sollen bis 2020 eingestellt werden. Das bietet auch deutschen Flugzeugführern eine Chance: Etihad Airways plant, mehr als 50 Air-Berlin-Piloten einzustellen.

Auch China und Russland können ihren Bedarf nicht decken und öffnen sich für ausländische Piloten. Allerdings wird in Russland vergleichweise wenig bezahlt, in China sieht es hingegen ganz anders aus. Jahresgehälter von 270.000 Dollar (rund 196.000 Euro) sind für Piloten drin. Zum Vergleich: Für die USA wird das Durchschnittsgehalt eines erfahrenen Piloten mit rund 135.000 (knapp 98.000 Euro) Dollar angegeben.

Mehr zum Thema: Im Internet finden sich verschiedene Tests, mit denen sich Interessenten über ihre Eignung für den Pilotenberuf informieren können. Einen Vorgeschmack auf den offiziellen Test des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin findet sich auf dem Portal SPHAIR. Auf der Ausbildungsplattform der Schweizer Luftwaffe lässt sich die Eignung für den Job gut testen. Die Lufthansa bietet neben einem Test auch einen Simulator an.

Mehr zum Thema Pilotenausbildung:

Der Weg über eine Airline

Der klassische Weg ins Cockpit eines Verkehrsflugzeugs führt über die Bewerbung bei einer Fluggesellschaft. Es winken Kostenübernahme und Arbeitsvertrag. Allerdings sind die Einstiegshürden durch mehrstufige Assessment-Center hoch. Mehr zur Ausbildung über eine Airline.

Der Weg über eine Flugschule

Der Weg über eine private Flugschule bietet Flexibilität bei der Ausbildung und bei den Möglichkeiten im späteren Arbeitsleben. Neben durchgehend organisierten Ausbildungsgängen bestehen auch Möglichkeiten für Quereinsteiger. Mehr zum Weg über eine Flugschule.

Der Weg über das Militär

Die Bundeswehr ist der günstigste, aber gleichzeitig auch der wohl anspruchsvollste Weg zur Pilotenlizenz. Erst nach der Dienstverpflichtung ist ein ziviles Arbeitsleben bei einer Fluggesellschaft möglich. Mehr zum Thema: Pilotenausbildung bei der Bundeswehr.

Von: airliners.de
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