Piloten sehen europäische Luftfahrt in Gefahr

02.12.2014 - 17:01 0 Kommentare

Kurz vor dem EU-Verkehrsministertreffen am 3. Dezember warnen die Piloten aus ganz Europa vor Wettbewerbsverzerrungen in der europäischen Luftfahrt. Dabei prangern sie nicht nur die Golfcarrier an.

First Officer in einer Boeing 777 - © © AirTeamImages.com - Bailey

First Officer in einer Boeing 777 © AirTeamImages.com /Bailey

Die Piloten aus Europa sehen die europäische Luftfahrt bedroht. Sie fordern anlässlich des EU-Verkehrsministertreffens am morgigen Mittwoch, 3. Dezember, dass die Politiker handeln. Sie sollen für einen fairen Wettbewerb auf nationaler und europäischer Ebene sorgen. Das geht aus einem Positionspapier des europäischen Dachverbands Eurocockpit (ECA) hervor.

Die Piloten erwarten eine bessere Koordinierung und Ausweitung der Sozialgesetze sowie die Abschaffung einiger Geschäftsmodelle. Sonst würde die Luftfahrt, so wie sie heute sei, aufhören zu existieren. Laut Eurocockpit verschaffen sich nämlich immer mehr Luftverkehrsgesellschaften Wettbewerbsvorteile, zum Beispiel durch das Senken von Personalkosten, Steuern und Sozialabgaben. Scheinselbständigkeit von Crews seien heute an der Tagesordnung.

Norwegian Long Haul als schlechtes Vorbild

Eurocockpit hatte schon Anfang des Jahres zum Beispiel konkret Kritik an Norwegian Long Haul A/S geübt. Es könne nicht sein, dass eine aus Norwegen geführte Fluggesellschaft ohne operative Basis in Irland dort eine Betriebserlaubnis anstrebe, während die Crew über Drittfirmen in Bangkok mit einem Arbeitsvertrag aus Singapur eingestellt würde.

"Es mag verlockend sein, die Kosten zu drücken, indem Bordpersonal auf einem anderen Kontinent stationiert, das Flugzeug in einem Steuerparadies registriert wird", sagte ECA-Präsident Dirk Polloczek. Auch würden junge Piloten heute durchaus gefragt, ob sie dafür bezahlen würden, um überhaupt fliegen zu dürfen. "Das alles vernichtet Arbeitsplätze in Europa", so Polloczek. Andere Airlines seien gezwungen, dem Beispiel zu folgen, wenn sie nicht vom Markt verschwinden wollen.

Gefahr aus Asien und den Golf-Staaten

Für Eurocockpit stellen auch die Airlines aus Asien oder den Golf-Staaten, die auf den europäischen Markt drängen, eine Gefahr dar. Diese seien oft staatlich subventioniert oder gehören dem Staat, hätten Zugang zu billiger Infrastruktur, Kapital und Kerosin. Gleichzeitig sei die Bezahlung oft undurchsichtig und weniger streng reguliert, als in Europa.

Damit dürfte die Gewerkschaft zum Beispiel auf Emirates oder Etihad anspielen. Letztere ist Partner von Air Berlin und hat ihre Anteile bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft auf 29,2 Prozent aufgestockt. Erst im Frühjahr hatten die Araber den Berlinern mit weiteren 300 Millionen Euro in Form einer Wandelanleihe unter die Arme gegriffen. Das Luftfahrtbundesamt prüft derzeit, ob Etihad Air Berlin beherrscht.

Von: airliners.de
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