Piloten brechen Verhandlungen mit Ryanair ab

Exklusiv 20.06.2018 - 13:10 0 Kommentare

Die deutschen Piloten brechen die Tarifverhandlungen mit Ryanair ab und drohen mit "längeren Streiks". Offenbar fehlt beim Airline-Management das Bewusstsein für "jegliche Kompromissbereitschaft".

Eine Boeing 737 des irischen Lowcosters Ryananir. - © © AirTeamImages - Rudi Boigelot

Eine Boeing 737 des irischen Lowcosters Ryananir. © AirTeamImages /Rudi Boigelot

Obwohl man zuletzt noch positiv gestimmt war, eine Einigung zu erzielen, hat die deutsche Pilotengwerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) die Tarifverhandlungen mit Ryanair abgebrochen. Dies geht aus einem internen Papier hervor, das airliners.de vorliegt.

Hauptgrund war demnach die mangelnde Kooperationsbereitschaft des irischen Managements. So habe die Ryanair-Spitze mehrere angebotene Gesprächstermine unbeantwortet gelassen. "Auch eine Überarbeitung oder eine Rückmeldung zu einem von uns erarbeiteten Entwurfs ist bislang nicht erfolgt."

Und: "Ryanair hat wiederholt lediglich einen Termin am Nachmittag mit einem ihrerseits nur geringen Zeitfenster möglich gemacht", obwohl die VC mehrmals anregte, den gesamten Tag "einzuplanen".

Unstimmigkeiten über Verhandlungseckpfeiler

Auch gab es offenbar Unstimmigkeiten über bereits vereinbarte Verhandlungseckpfeiler: "Wir haben unter anderem vereinbart, dass Tarifverträge dem deutschen Recht unterliegen und die in Deutsch ausformulierte Form Rechtsgültigkeit haben soll."

Im Nachgang habe sich allerdings herausgestellt, dass das Ryanair-Management dies nicht unterstütze. "Die zu diesen Punkten entworfene Vereinbarung wurde seitens Ryanair nicht unterzeichnet." Knackpunkt war hier laut VC, dass die Iren nicht wollen, dass die deutsche Fassung die rechtliche Grundlage darstellt.

VC bemängelt fehlende Kompromissbereitschaft

Daraufhin habe die VC die Verhandlungen zwar fortgeführt, bei dem Management aber nicht mehr den notwendigen Willen gesehen, zu einem Abschluss zu kommen: "Ein tatsächlicher Wille, Tarifverträge zu etablieren, ist bedauerlicherweise nicht erkennbar."

Die Piloten bemängeln, dass "jegliche Kompromissbereitschaft" fehle. "Das Management teilt uns im Grunde stets mit, dass die Regelungen entweder zu kostenintensiv oder zu komplex und damit nicht darstellbar seien."

"Längerer Streik" droht

Nun droht ein "längerer Streik" bei Ryanair in Deutschland: Die VC kündigt ihren Mitgliedern in dem Schreiben eine Urabstimmung an. "In Anbetracht der letzten Entwicklungen werden wir anders anscheinend nicht zu Tarifverträgen kommen."

Auch in der Kabine läuft ein Tarifkonflikt

Die VC und Ryanair hatten Ende vergangenen Jahres Gespräche begonnen. Ende Januar wurde die VC offiziell als Vertreter der deutschen Piloten anerkannt - ein Novum. Vorausgegangen waren Klagen deutscher Piloten über die Arbeitsbedingungen bei dem Billigflieger und ein erster Warnstreik, der jedoch ohne erhebliche Folgen auf den Flugplan der Iren blieb.

Auch die Piloten in Irland stimmen aktuell über einen Streik bei Ryanair ab. Zudem läuft auch in der Kabine des Billigfliegers ein Tarifkonflikt, der in Streiks münden könnte.

© Ryanair, Lesen Sie auch: Ryanair-Flugbegleiter organisieren sich europaweit

Von: cs
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