Piloten gründen Tarifkommission für Ryanair

17.11.2017 - 10:29 0 Kommentare

Die Vereinigung Cockpit unterstützt deutsche Ryanair-Piloten im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und ruft eine neue Tarifkommission ins Leben. Auslöser ist offenbar eine Veränderung des Karriereverständnisses.

Flugzeuge der Ryanair. - © © dpa - Niall Carson/PA

Flugzeuge der Ryanair. © dpa /Niall Carson/PA

Mit Unterstützung der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) haben in Deutschland stationierte Piloten von Ryanair das irische Unternehmen zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Zu diesem Zweck sei eine Tarifkommission mit einem professionellen Verhandlungsführer gegründet worden, teilte die VC mit. Es liege auf der Hand, dass Ryanair an seinen Basen nationale Gewerkschaftsverträge aushandeln müsse.

"Ryanair hatte immer eine hohe Fluktuationsrate - wie aus ihren Jahresberichten ersichtlich ist -, aber wir sehen derzeit eine demografische Veränderung bei den Ryanair Piloten", sagte VC-Vorstand Jim Phillips. "Viele betrachten Ryanair inzwischen als eine Karriere und nicht als einen Zwischenstopp, um ein paar Flugstunden zu sammeln. Die Piloten wollen Familien haben, Häuser kaufen und sie möchten dort leben, wo sie stationiert sind. Familienleben braucht die Stabilität der nationalen Tarifverträge."

Ryanair lehnt den Vorstoß aus Deutschland ab. Die deutsche Pilotgewerkschaft würde "ihre Zeit damit verschwenden, Pressemitteilungen zu versenden", sagte Robin Kiely, Head of Communications bei Ryanair. "Wie alle deutschen Piloten von Ryanair wissen, können sie Probleme mit dem Unternehmen jederzeit über den ERC-Ausschuss ihrer Basis melden, was vom Obersten Gerichtshof in Irland als rechtmäßige Tarifverhandlungen genehmigt wurde."

Protest gegen Leiharbeit

Ryanair-Chef Michael O'Leary hatte in der Vergangenheit stets Verhandlungen mit Gewerkschaften abgelehnt und stattdessen mit lokalen Pilotenvertretungen gesprochen. In den zurückliegenden Monaten hatte sich Widerstand gegen die Arbeitsbedingungen geregt, die unter anderem einen hohen Anteil von Leiharbeitern im Cockpit vorsehen.

Zudem gerieten die Operations bei Ryanair jüngst in Bedrängnis – der Carrier musste tausende Flüge streichen. Grund hierfür ist eine Vorschrift der britischen Zivilluftfahrtbehörde CAA (Civil Aviation Authority) , die besagt, dass Piloten ihren Jahresurlaub bis zum Ende des Kalenderjahres (Ende Dezember) nehmen müssen - und nicht bis zum Ablauf des Geschäftsjahres (Ryanair: Ende März).

Unter Druck geraten kündigte O'Leary kürzlich eine bessere Bezahlung der Piloten an. So wollen die Iren bis zu 100 Millionen Euro mehr im Jahr für ihr fliegendes Personal ausgeben.

Kabinenpersonal fordert ebenfalls Verhandlungen

Auch die deutsche Kabinengewerkschaft Ufo hatte das Unternehmen vor Kurzem zu Tarifverhandlungen für die 700 bis 1000 in Deutschland stationierten Flugbegleiter aufgefordert. Die Ryanair-Bedingungen seien in Deutschland "schlicht illegal", hieß es.

© Ryanair, Lesen Sie auch: Flugbegleitergewerkschaft will Tarifverhandlungen mit Ryanair

Ufo wirft Ryanair vor, Flugbegleiter in Deutschland nach irischem Recht zu beschäftigen. Das ermögliche kurze Kündigungsfristen, weniger Urlaubstage und die dauerhafte Anstellung in Leiharbeit. Der Billigflieger verschaffe sich durch Lohndumping und Umgehung gesetzlicher Bestimmungen unfaire Wettbewerbsvorteile. Ryanair lehnt auch in der Kabine bislang Tarifverhandlungen mit Gewerkschaften ab.

Von: cs
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