Piloten stimmen für Streik bei Lufthansa

21.03.2014 - 14:25 0 Kommentare

Lufthansa muss ab sofort mit Pilotenstreiks rechnen. Bei der Urabstimmung habe es eine überwältigende Zustimmung gegeben, teilte die Vereinigung Cockpit jetzt in Frankfurt mit. Wann genau es zu Streiks kommt, ist offen.

Jörg Handwerg, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit

Jörg Handwerg, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit
© dpa - Boris Roessler

Eine Lufthansa-Pilotenmütze und -jacke liegen auf einem Tisch.

Eine Lufthansa-Pilotenmütze und -jacke liegen auf einem Tisch.
© dpa, F. Rumpenhorst

Passagiere der Lufthansa müssen sich in den kommenden Wochen auf Streiks einrichten. Die Piloten stimmten in einer Urabstimmung mit klarer Mehrheit für einen Arbeitskampf, wie die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Freitag berichtete.

Lufthansa müsse ab sofort jederzeit mit Streiks rechnen, die man aus Rücksicht auf die Fluggäste 48 Stunden vor Beginn ankündigen werde, erklärte VC-Tarifexpertin Ilona Ritter am Frankfurter Flughafen. Den starken privaten Reiseverkehr zu den Osterferien, der am 11. April einsetzt, wollten die Piloten verschonen, sofern Lufthansa nicht «extrem aggressiv» reagiere.

Streitthemen Gehalt und Übergangsversorgung

Die Gewerkschaft betonte erneut, dass sie das harte Sparprogramm unter dem Titel «Score» bei der Lufthansa für überzogen hält. Die Führung einschließlich des designierten neuen Vorstandschefs Carsten Spohr stehe so unter Druck, dass sie nicht mehr in der Lage sei, vernünftige Tarifkompromisse abzuschließen, meinte der Sprecher der VC-Tarifkommission, Thomas von Sturm: «Wir sind nicht bereit, unsere Übergangsversorgung für eine höhere Rendite zu opfern.» Dem Unternehmen wolle die Gewerkschaft eine letzte Chance auf eine Reaktion einräumen: «Die muss unverzüglich erfolgen.»

Die rund 5400 Piloten von Deutschlands größter Fluggesellschaft kämpfen für höhere Gehälter und insbesondere für den Fortbestand ihrer bisherigen Übergangsrenten. Lufthansa hat die Vereinbarung gekündigt, weil ihre Verkehrspiloten nach einem EuGH-Urteil inzwischen bis zum Alter von 65 Jahren fliegen dürfen und nicht mehr wie früher spätestens mit 60 Schluss ist.

© dpa /Roland Weihrauch Lesen Sie auch: Bestverdiener im Cockpit - Das verdienen Lufthansa-Piloten

Diese Zahlungen ermöglichten es den Kapitänen bislang, bereits ab einem Alter von 55 Jahren mit bis zu 60 Prozent ihrer Grundbezüge in die gesetzliche Rente überzugehen. Im Schnitt schieden sie zuletzt mit knapp 59 Jahren aus dem Dienst. Der Verband fürchtet nun, dass Piloten bei Fluguntauglichkeit aus Gesundheitsgründen ohne tarifliche Absicherung dastehen.

Die Kündigung der Übergangsversorgung zum Jahresende 2013 ist das wichtigste Motiv der Piloten für den Streik, für den es noch keinen festen Termin gibt. «Der Beruf ist über die Jahre sehr anstrengend. Wir wollen weiterhin selbst entscheiden können, wann es genug ist», erklärte Sturm.

Den Piloten waren in den vergangenen sechs Wochen zwei getrennte Urabstimmungen vorgelegt worden. In der Abstimmung zur Vergütung votierten nach VC-Angaben 97,2 Prozent für den Arbeitskampf. Die Tarifverhandlungen laufen bereits seit rund zwei Jahren ergebnislos. Ende 2013 waren sie noch komplizierter geworden, weil die Lufthansa einseitig die Betriebsrenten sowie die Übergangsversorgung gekündigt hatte. In der Urabstimmung zur Übergangsversorgung entschieden sich nun sogar 99,1 Prozent der Piloten für einen Streik.

Lufthansa fordert zu neuen Gesprächen auf

Ein Lufthansa-Unternehmenssprecher forderte die Piloten am Freitag auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Ein neues Gehaltsangebot oder die von der VC verlangte Anerkennung, dass die Übergangsversorgung bis zu einer Neuregelung weiter gelte, sei aber nicht geplant. Lufthansa bezahle derzeit neue Übergangsrenten auf freiwilliger Basis.

© dpa Lesen Sie auch: Streikwillige Piloten legen sich mit Lufthansa-Eignern an

«Nach unseren Vorstellungen soll allen fliegenden Mitarbeitern auch in Zukunft ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben ermöglicht werden», hatte Lufthansa-Arbeitsdirektorin Bettina Volkens in dieser Woche an die Piloten und die gleichermaßen betroffenen Flugbegleiter geschrieben. Allerdings müsse das Eintrittsalter in die vom Arbeitgeber finanzierte Übergangsversorgung angehoben werden.

Pilotenstreiks bei der Lufthansa bislang selten

Bei der Lufthansa haben die Piloten bislang eher selten gestreikt. Gleich beim ersten Konflikt kam es im Mai 2001 zu einem mehrtägigen Arbeitskampf, an dessen Ende der erste Tarifvertrag für die Pilotenvertretung stand. Seitdem haben die Piloten bei der Lufthansa-Mutter genau einen weiteren Tag gestreikt, am 22. Februar 2010. Der damals auf vier Tage ausgerufene Ausstand wurde jedoch schon nach einem Tag abgebrochen, als sich beide Seiten vor dem Arbeitsgericht Frankfurt auf neue Verhandlungen einigten.

Bei kleineren Airlines und Lufthansa-Töchtern hat die VC ebenfalls meist eintägige Streiks organisiert. Bei der Lufthansa-Mutter seien "fast alle" Piloten und Co-Piloten VC-Mitglieder, heißt es. Probleme gab es zuletzt bei den Piloten der Lufthansa Cityline, die mit dem Kurs der VC hin zu größeren Maschinen nicht einverstanden waren.

Betroffen von Streiks wären die Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings. Die Konzerntöchter Swiss und Austrian Airlines haben hingegen eigene Tarifverträge und würden von einem Ausstand bei der Lufthansa nicht getroffen.

Von: dpa
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