Piloten erklären Gespräche im Tarifstreit mit Lufthansa für beendet

16.09.2016 - 12:44 0 Kommentare

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hat die Sondierungsgespräche mit der Lufthansa beendet. Deren Vorstand sei nicht an einer Lösung interessiert, so die Begründung. Die Lufthansa widerspricht.

Ein Pilot der Lufthansa am Flughafen Frankfurt. - © © dpa - Valentin Gensch

Ein Pilot der Lufthansa am Flughafen Frankfurt. © dpa /Valentin Gensch

Im Tarifstreit zwischen Lufthansa und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) haben die zahlreichen Gespräche der vergangenen Monate keine Einigung gebracht. VC habe die Gespräche daher beendet, teilte die Gewerkschaft jetzt mit. Die Lufthansa bot eine Fortsetzung an.

Die Gespräche zwischen der Gewerkschaft und der Geschäftsführung der Lufthansa sollten eine mögliche Tarifeinigung vorbereiten. Derzeit sind eine Reihe von Tarifverträgen offen, etwa zur Vergütung, zur Übergangsversorgung oder zur Altersversorgung der Piloten.

"Trotz aller anderslautender Bekundungen scheint der Lufthansa-Vorstand offensichtlich kein Interesse an einer Lösung mit seinen Konzerntarifvertrags-Piloten zu haben", erklärte VC-Sprecher Markus Wahl laut einer Mitteilung. Ein Konzern-Sprecher sagte, die Lufthansa könne diese Begründung "nicht nachvollziehen".

"Unser Ziel ist es weiterhin, eine Gesamtlösung aller Tarifthemen für die 5400 Piloten im Konzerntarif gemeinsam mit der VC zu erarbeiten", hieß es weiter. Zu möglichen Knackpunkten der Verhandlungen wollte der Sprecher sich nicht äußern, weil man Stillschweigen vereinbart habe.

Weitere Streiks noch nicht spruchreif

Ein erneuter Streik der Konzernpiloten bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings steht aber zumindest nicht unmittelbar bevor. In den kommenden zwei Wochen will die VC nach eigenen Angaben bei Pilotentreffen ihre Mitglieder informieren und ein Stimmungsbild einholen. Über das weitere Vorgehen der Gewerkschaft machte VC-Sprecher Wahl keine Aussage.

Es wäre der 14. Ausstand in diesem Konflikt, in dem die Piloten erstmals im April 2014 gestreikt hatten. Laut Lufthansa-Angaben belaufen sich die Streikkosten im aktuellen Konflikt insgesamt bereits auf eine halbe Milliarde Euro.

© dpa, Boris RoesslerChronologie Die Pilotenstreiks bei der Lufthansa

Zu einem früheren Zeitpunkt hatte die VC erklärt, dass vor einem erneuten Streik zunächst wieder offizielle Tarifverhandlungen geführt werden müssten. Das war bislang mit den nun aufgekündigten internen Gesprächen bewusst vermieden worden, um über ein breiteres Themenspektrum sprechen zu können.

Gericht hatte Arbeitskämpfe gestoppt

Die streikfreudigen Piloten waren im vergangenen Herbst in der 13. Runde vom hessischen Landesarbeitsgericht gestoppt worden, weil sie nach Ansicht des Gerichts Streikziele verfolgten, die nicht mit einem Tarifvertrag zu erfüllen gewesen wären.

© dpa, Jörg Carstensen Lesen Sie auch: Lufthansa-Chef will Tarifkonflikt mit Piloten noch in diesem Jahr lösen

Dabei ging es insbesondere um die Arbeitsverträge von Piloten der Lufthansa-Billigtochter Eurowings, die nach dem Willen der VC ebenfalls vom lukrativen Lufthansa-Konzerntarifvertrag erfasst werden sollten. Lufthansa lehnt das als zu kostspielig ab. Konzernchef Carsten Spohr hatte erst kürzlich gesagt, dass er den Konflikt mit den Piloten noch in diesem Jahr lösen wolle.

Mit den Flugbegleitern hat sich der Konzern inzwischen geeinigt. Die Mitglieder der Gewerkschaft Ufo hatten Ende August das Ergebnis der Schlichtung angenommen. Die Einigung für die rund 19.000 Flugbegleiter sieht mehr Geld vor, ein neues System der Alters- und Übergangsversorgung sowie eine Beschäftigungsgarantie bis zum Jahr 2021.

Ratingagentur senkt Ausblick

Das Platzen der Gespräche zwischen der Lufthansa und der VC dürften auch die Bedenken der Ratingagentur S&P hinsichtlich der finanziellen Lage der Lufthansa verstärken. Die Experten senkten ihren Ausblick für die Bonität der Lufthansa von "Stabil" auf "Negativ". Damit droht Europas größter Fluggesellschaft binnen der nächsten ein bis zwei Jahre eine Abstufung ihres Ratings von "BBB-/A-3" auf "BB+" und damit von Investmentgrade- auf Ramsch-Niveau. Die Papiere des Dax-Konzerns würden dann nicht mehr als solide, sondern als spekulativ gelten.

S&P begründete den Schritt sowohl mit der gesunkenen Ticketnachfrage und einem Preiskampf nach den Terroranschlägen in Europa als auch mit den hohen Pensionsverpflichtungen der Lufthansa. Diese lasten wegen der anhaltenden Niedrigzinsen immer stärker auf der Konzernbilanz.

Alle Meldungen zum Lufthansa-Pilotenstreik.

Von: ch, AFP, dpa, dpa-AFX
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