Piloten und Ryanair nähern sich an

09.01.2018 - 08:57 0 Kommentare

Verhandlung Nummer zwei: Ryanair und die deutsche VC führen Gespräche in "konstruktiver Atmosphäre". Doch ein internes Papier zeigt, wie viel Arbeit auf dem Weg hin zu einem Tarifvertrag noch vor ihnen liegt.

Flugzeug der Ryanair wird eingewiesen: Tarifkonflikt mit den Piloten. Foto: © dpa, Arnulf Stoffel

Die Tarifverhandlungen zwischen Ryanair und der Vereinigung Cockpit (VC) sind auf einem guten Weg. In einem internen Papier, das airliners.de vorliegt, spricht die VC von einer "konstruktiven Atmosphäre" der Gespräche am vergangenen Freitag. Der Billigflieger selbst will sich auf Anfrage nicht zu dem Termin äußern.

"Wir haben jetzt die ersten Schritte gemacht, vor uns liegen aber noch wahnsinnig große Brocken", kommentiert ein Verhandlungsteilnehmer. Wie tief die Gräben zwischen dem Low-Cost-Carrier und der Pilotengewerkschaft noch sind, offenbart das interne Papier. Dort ist davon die Rede, dass das Management der Iren in "alte Gewohnheiten" verfällt und das Thema Arbeitsbedingungen einfach nur mit mehr Bezahlung klären möchte.

Da ist ein Stein ins Rollen gekommen, der sich nicht mehr aufhalten lässt.

Verhandlungsteilnehmer der VC

Allerdings konnten beide Seiten auch Erfolge erzielen. So soll die VC in den kommenden zwei Wochen einen genauen Zeitplan ausarbeiten, wie die Verhandlungen mit den Iren im Detail weitergehen. Doch auch hier zeigt sich, dass Ryanair bislang nicht in Berührung mit Gewerkschaften gekommen ist: Die Mitglieder der Tarifkommission werden für die Zeit ihrer Arbeit nicht vom Ryanair-Flugbetrieb freigestellt.

Experte sieht Warnstreik als Erfolg

Auslöser für die Gespräche zwischen Ryanair und VC waren angekündigte Streiks verschiedener europäischer Pilotengewerkschaften Mitte Dezember. Trotz des Zugeständnisses, Gewerkschaften als Arbeitnehmervertreter künftig anzuerkennen, rief die VC kurz vor Weihnachten zu einem vierstündigen Warnstreik auf.

Dieser hatte allerdings nur einige wenige Verspätungen zur Folge. Tarifexperte Eckhard Bergmann dazu: "Gemessen an meiner Erwartungshaltung war der Warnstreik ein Erfolg", sagte er im Gespräch mit ‪airliners.de‬. Gerade einmal etwa ein Zehntel der Ryanair-Piloten seien in Deutschland stationiert und nur Festangestellte sind von der VC zum Streik aufgerufen worden - "man konnte daher nicht davon ausgehen, dass ein vierstündiger, angekündigter Ausstand eine europäische Airline lahmlegt".

Unterschiede zum Tarifkonflikt bei Germania

Allerdings betont Bergman: "Was man Ryanair zugutehalten kann: Die namentlich bekannten Mitglieder der Tarifkommission sind nicht alle fristlos gekündigt worden, wie es in ähnlicher Situation im Frühjahr 2010 bei Germania rechtswidrig der Fall war."

Die deutsche Airline hatte maßgeblich wegen eines drohenden Tarifkonflikts allen gewählten Mitgliedern der VC-Tarifkommission am Tag ihrer konstituierenden Sitzung fristlos gekündigt. "Arbeitsrechtlich nicht haltbar, dienten diese Kündigungen der Abschreckung vor weiteren gewerkschaftlichen Aktivitäten", so Bergmann. Bis heute gebe es noch immer keine Tarifverträge bei Germania. Der Experte schätzt: "Offensichtlich hat die VC dort nach 2010 noch immer nicht genügend Mitglieder."

© AirTeamImages.com, Simone Ciaralli Lesen Sie auch: "Personalprobleme sind der Hauptgrund" Interview

Von: cs
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