Piloten fordern verbindliche "Peer-Support"-Programme

20.04.2017 - 11:42 0 Kommentare

Als Reaktion auf das Germanwings-Unglück führen auch deutsche Airlines unangekündigte Alkohol- und Drogentests für Piloten ein. Die Vereinigung Cockpit spricht sich für weitere Hilfsangebote aus.

Die Vereinigung Cockpit ist eine Pilotengewerkschaft. - © © dpa - Frank Rumpenhorst

Die Vereinigung Cockpit ist eine Pilotengewerkschaft. © dpa /Frank Rumpenhorst

Am Freitag werden bei den ersten Airlines Drogen- und Alkoholtests für Verkehrspiloten eingeführt. Die Vereinigung Cockpit (VC) dringt auf deutlich mehr Hilfsangebote. Europaweit sollten neben den Tests kollegiale Unterstützungsprogramme verbindlich vorgeschrieben werden, verlangte die Pilotenvereinigung auf dem Verkehrspilotentag. Derartige "Peer-Support"-Programme seien 100-Mal effektiver und ökonomischer als reine Drogen- und Alkoholtestprogramme, sagte VC-Vorstandsmitglied Uwe Harter.

"Peer-Support"-Programme setzen laut der Vereinigung Cockpit (VC) auf Aufklärung statt Stigmatisierung. Sie ermöglichten es Betroffenen, sich helfen zu lassen, ohne sich sofort mit Arbeitsplatzverlust konfrontiert zu sehen, so VC-Sprecher Markus Wahl. Sie würden eingreifen, bevor persönliche Probleme zur Gefährdung der Flugsicherheit führen und seien somit erwiesenermaßen das erfolgreichste Mittel gegen Drogen- oder Alkoholmissbrauch.

Laut VC-Sprecher Markus Wahl ist es bei den deutschen Fluggesellschaften nicht gelungen, einheitliche Tarifverträge zu den gesetzlich vorgeschriebenen Tests abzuschließen. Stattdessen werde nun eine Regelung über Betriebsvereinbarungen versucht, die noch nicht in allen Fluggesellschaften vorlägen. Knackpunkte seien unter anderem der Schutz der Piloten vor Konsequenzen nach falschen Ergebnissen, das Anrecht auf eine B-Probe und genaue Regelungen über den technischen Ablauf.

Wer kontrolliert Piloten in Deutschland?

Nach dem Germanwings-Unglück hat der Bundestag im vergangenen Jahr beschlossen, Piloten strenger auf Alkohol und Drogen zu kontrollieren. Die in Deutschland stationierten Airlines wie Lufthansa, Air Berlin oder Condor führen die Tests ab Freitag bei ihren Piloten durch. Das Luftfahrt-Bundesamt, das ausländische Airlines wie Ryanair oder British Airways kontrolliert, testet bereits seit Anfang des Jahres.

Unmittelbar nach dem Absturz des Germanwings-Jets im Frühjahr 2015 hatte sich die VC zunächst gegen Zufallstests ausgesprochen und allein auf die kollegialen Unterstützungsprogramme verwiesen, die beispielsweise bei der Lufthansa seit 30 Jahren erfolgreich liefen. Inzwischen tritt sie dafür ein, neben den Tests die bislang freiwilligen Programme bei allen europäischen Fluggesellschaften verbindlich zu machen. Das hat auch die europäische Luftsicherheitsbehörde Easa der EU-Kommission empfohlen, die darüber voraussichtlich im Sommer entscheidet.

© dpa, Fredrik Von Erichsen Hintergrund: Bundestag beschließt strengere Piloten-Kontrollen

Die Peer-Programme bieten einen ersten Anlaufpunkt für Piloten bei einer Vielzahl persönlicher Problemlagen, zu denen auch Sucht gehören kann. Hier werden mit Wissen der Fluggesellschaft individuelle Hilfsangebote in Gang gesetzt. Laut VC werden so sehr hohe Rückkehrquoten in den Job von bis zu 95 Prozent erreicht. Im Nachgang müssen sich die geheilten Piloten strengen Kontrollen unterwerfen.

Von: cs, dpa
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