Piloten sehen neue Luftverkehrs-Gewerkschaft weiter skeptisch

01.10.2015 - 12:45 0 Kommentare

Ein Beitritt in die neue Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) ist für die Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit keine Option. Beim Tarifstreit zwischen der Lufthansa und ihren Cockpitbesatzungen könnte die IGL aber noch eine wichtige Rolle spielen.

Ein Pilot der Lufthansa trägt im Flughafen von Frankfurt am Main seine Mütze unter dem Arm.  - © © dpa - Boris Roessler

Ein Pilot der Lufthansa trägt im Flughafen von Frankfurt am Main seine Mütze unter dem Arm. © dpa /Boris Roessler

Seit wenigen Tagen ist mit der Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) eine neue Arbeitnehmervertretung aktiv. Während beispielsweise die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo) bereits IGL-Mitglied ist, bleibt die Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit (VC) weiterhin skeptisch.

Die bisherige Aufteilung auf berufsspezifische Interessenvertretungen habe schließlich jahrelang funktioniert, so VC-Sprecher Markus Wahl zu airliners.de. Ein Beitritt der VC in die IGL käme einem Rückschritt gleich, sagte er und verwies auf die Anfänge der 1969 gegründeten Pilotenvertretung. Bis zum Jahr 2000 existierte eine Tarifgemeinschaft mit der Deutschen Angestellten Gewerkschaft. Bevor diese in der Gewerkschaft Verdi aufging wurde, die Vereinigung Cockpit tarifpolitisch selbständig. Und das sollte auch so bleiben, findet die VC.

Gleichwohl befinde sich die VC in Gesprächen mit der IGL über die gemeinsamen Ziele in Sachen Lufthansa, sagte Wahl. Die Piloten und die Kranich-Airline befinden sich derzeit im härtesten Tarifkonflikt der Unternehmensgeschichte.

IGL könnte eigenen Tarifvertrag für Piloten aufsetzen

Und genau dieser Streit könnte letztlich doch die IGL auf den Plan rufen. Denn nach Aussage von Nicoley Baublies, gleichzeitig IGL- und Ufo-Chef, gefährde der Tarifstreit zwischen der Lufthansa und ihren Piloten auch Arbeitsplätze am Boden und in der Kabine. Sollten die VC und das Unternehmen keine Lösung hinbekommen, so könnte die IGL Tarifverhandlungen für die Cockpitbesatzungen führen. Diese Option gebe es, so Baublies gegenüber airliners.de.

© dpa, Arne Dedert Lesen Sie auch: Lufthansa könnte zum ersten Testfall für Tarifeinheit werden

Die Mitgliederzahl der IGL liegt nach seinen Worten bereits im hohen fünfstelligen Bereich. Und laut dem seit wenigen Monaten geltenden Tarifeinheitsgesetz gilt künftig nur der Tarifvertrag, der durch die mitgliederstärkste Gewerkschaft in einem Betrieb ausgehandelt wurde. Betrachtet man das fliegende Personal vor dem Hintergrund des neuen Tarifeinheitsgesetzes als eine gemeinsame Berufsgruppe, so ist die in der IGL vertretene Ufo größer als die Pilotengewerkschaft

Das Gesetz wird aber sowohl von der VC als auch von Ufo abgelehnt. Unmittelbar mit dessen Inkrafttreten hatte die Pilotenvertretung Verfassungsbeschwerde erhoben. Auch die Unabhängige Flugbegleiter Organisation Ufo hatte diesen Schritt angekündigt.

Lufthansa lehnt IGl als Verhandlungspartner bislang ab

Ob und wann die IGL tatsächlich Tarifverhandlungen für Piloten führen könnte, ist bislang aber noch sehr offen. Eine Teilnahme an der Konzerntarifrunde bei Lufthansa lehnt die Kranich-Airline bislang ab, wie es auf der Homepage der neuen Industriegewerkschaft Luftverkehr heißt. Erst müsse die IGL ihre Gewerkschaftsfähigkeit beweisen, fordert die Lufthansa. Die Gewerkschaft wirbt nun um weitere Mitglieder - nimmt dabei aber Piloten aus. Diese würden ja bereits durch VC vertreten, wie es heißt.

Von: gk
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