Sicherheitsrisiko Übermüdung

Piloten kritisieren EASA-Pläne

24.04.2012 - 07:57 0 Kommentare

Piloten, Flugbegleiter und Ärzte haben sich gegen die von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) geplanten Flugdienstregeln ausgesprochen. Sie befürchten, dass längere Einsatzzeiten des fliegenden Personals die Sicherheit im Flugverkehr gefährden.

Im Cockpit eines Lufthansa-A320 - © © Lufthansa -

Im Cockpit eines Lufthansa-A320 © Lufthansa

Deutsche Piloten warnen wegen langer Dienstzeiten und kurzer Ruhepausen vor einer zunehmenden Gefährdung der Sicherheit im Flugverkehr. Schon heute stelle die teilweise extreme Ermüdung ein ernst zu nehmendes Risiko dar, sagte der Vizepräsident der Vereinigung Cockpit (VC), Ilja Schulz, am Montag in Frankfurt am Main. Er warnte vor weiteren Verschlechterungen.

Es zeichne sich ab, dass die für einen neuen Regelungsentwurf zuständige Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) in wesentlichen Punkten den wirtschaftlichen Interessen der Fluggesellschaften mehr Gewicht einräume als der Sicherheit von Passagieren und Besatzungen. Es drohten längere Einsatzzeiten am Tag und in der Nacht, obwohl Forscher sich einig seien, dass dies die Sicherheit gefährde, sagte Schulz.

So wolle die EASA das Limit für Nachtflüge für europäische Piloten künftig auf elf Stunden festlegen. Studien zeigten aber, dass eine sichere Flugdurchführung mit Dienstzeiten jenseits von zehn Stunden in der Nacht nicht gewährleistet werden könne.

Hälfte der Piloten schon einmal im Cockpit eingeschlafen

Bei den Tagschichten seien derzeit auf europäischen Kurz- und Mittelstrecken Einsatzzeiten von bis zu 14 Stunden normal und gesetzlich zulässig, sagte Schulz. Ausnahmeregelungen erlaubten Dienstzeiten von 15 Stunden. Diese würden so oft angewendet, dass der Verdacht bestehe, die Ausnahmen würden bereits in der Planung einkalkuliert.

Die neuen Regelungen der EASA sähen sogar Verlängerungsmöglichkeiten von bis zu 16 Stunden vor. Die Unfallwahrscheinlichkeit steige indes bereits ab 13 Stunden auf das Fünfeinhalbfache gegenüber einer neunstündigen Dienstzeit. Gerade bei mehreren Flügen am Tag, wobei Starts und Landungen die höchste Konzentration erforderten, müssten die Dienstzeiten verkürzt werden.

Bei etwa 80 Prozent aller Unfälle sei der menschliche Faktor mit die Ursache, sagte Schulz. Eine Umfrage unter 2.800 VC-Mitgliedern ergab den Angaben zufolge, dass mehr als die Hälfte der befragten Piloten schon einmal im Cockpit eingeschlafen ist. 93 Prozent der Befragten gaben an, aufgrund von Ermüdung im Dienst schon einmal einen Fehler gemacht zu haben.

Ärzte und Flugbegleiter schließen sich dem Appell an

In einem offenen Brief appellierte die VC an Bundestagsabgeordnete, sich auf europäischer Ebene für mehr Sicherheit im Flugverkehr und kürzere Dienstzeiten einzusetzen. Dem schlossen sich der Deutsche Fliegerarztverband (DFV) und die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) an. DFV-Präsident Hans-Werner Teichmüller berichtete von häufiger werdenden Klagen über zu enge Umlaufzeiten und nicht ausreichende Pausen. Mit zunehmender Dauer der Dienstzeit nehme "das Risiko drastisch zu, dass es irgendwann zu einem verhängnisvollen Ereignis kommt".

Zwar entlasteten technische Hilfsmittel im Cockpit die Piloten zum Teil, doch müssten Flugzeugführer in kritischen Situationen alleine entscheiden, sagte Teichmüller. Der UFO-Vorstandsvorsitzende Nicoley Baublies betonte, Flugbegleitung bedeute mehr als nett und freundlich zu sein. Alles, was außerhalb der Norm passiere, müsse schnell und präzise mit dem Cockpit besprochen werden. Er nannte randalierende Passagiere, plötzliche Erkrankungen bis hin zur Feuerbekämpfung als Beispiele.  

Von: dpa
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