Pilot darf aus mehreren Gründen umkehren

08.02.2016 - 17:01 0 Kommentare

Wenn ein Pilot plötzlich umkehrt oder außerplanmäßig irgendwo landet, ist der Frust an Bord oft groß. Schließlich verspätet sich die Reise dadurch deutlich. Doch es gibt gute Gründe für eine solche Entscheidung. Und diese liegt letztlich beim Piloten.

Sicht aus dem Cockpit kurz vor der Landung - © © airteamimages.com - Serge Bailleul

Sicht aus dem Cockpit kurz vor der Landung © airteamimages.com /Serge Bailleul

Immer wieder kommt es vor, dass Flugzeuge umkehren oder außerplanmäßig zwischenlanden. Die Entscheidung dazu trifft der Pilot. "Der Kapitän übt die absolute Bordgewalt aus", erklärt der Reiserechtler Ernst Führich aus Kempten. "Er ist der Vertreter der Sicherheitsbehörden seines Landes." Sieht der Pilot die Sicherheit im Flieger gefährdet, kann er sich in Absprache mit den zuständigen Leitstellen am Boden zu einer Landung entscheiden. Doch welche Gründe kommen für eine solche Maßnahme infrage?

Gefährliche Passagiere:
Im internationalen Luftverkehr werden sie als "disruptive passengers" zusammengefasst, was auf Deutsch mit Störenfried übersetzt werden kann. Wenn ein Fluggast mit einer Bombe droht, an Bord betrunken randaliert oder das Bordpersonal belästigt, kann der Pilot aus Sicherheitsgründen die Landung veranlassen. Der Passagier trägt dann die Kosten dafür. "Das geht in die Zigtausende Euro", warnt Führich.

Schlechte Karten vor Gericht

Pöbelnde Passagiere sollten nicht unterschätzen, wie weitreichend die Befugnisse des Piloten sind. "Er hat da einen ganz weiten Spielraum", sagt Führich. Kommt es nach der Flugreise zu einem Gerichtsverfahren, haben uneinsichtige Passagiere schlechte Karten. Das Argument, der Pilot habe überreagiert, zieht praktisch nie. "Ich kenne keinen einzigen Fall, wo das Gericht dem Pilot nicht geglaubt hat", erklärt der Reiserechtler. Zu beachten ist, dass sich die Toleranzgrenze von Airline zu Airline - je nach Herkunftsland - unterscheiden kann.

Und: Ein randalierender Fluggast ist ein außergewöhnlicher Umstand. Darum muss die Airline keine Entschädigung zahlen. Um Ärger auszuschließen, müssen betrunkene Passagiere nicht in jedem Fall befördert werden.

© dpa, Jochen Lübke Lesen Sie auch: Maschine kehrt um: Passagieren steht Ersatzflug zu

Wetter und äußere Umstände:
Kündigt sich ein schwerer Sturm oder sogar Hurrikan an, kann der Pilot deshalb die Flugroute ändern oder im Zweifelsfall irgendwo anders zwischenlanden. Es handele sich um einen Fall von höherer Gewalt, erklärt Führich. "Dagegen können Passagiere wenig einwenden." Auch die Entscheidung, ein Kriegsgebiet wegen Sicherheitsbedenken nicht zu überfliegen, liegt beim Piloten und seiner Fluggesellschaft.

Auch ein Sandsturm stellt beispielsweise einen außergewöhnlichen Umstand dar, und einer Fluggesellschaft steht dann ein Spielraum für die Umorganisation der Route zu. Doch die Beeinträchtigungen für die Passagiere müssen so gering wie möglich gehalten werden.

Technische Probleme:
Besteht der Verdacht auf Sicherheitsmängel des Flugzeugs, darf der Pilot ebenfalls umkehren oder woanders landen. Im Zweifel entscheidet der Kapitän zugunsten der Sicherheit. Das heißt, er geht lieber einmal mehr herunter als einmal zu wenig.

Technische Defekte beim Betrieb sind grundsätzlich kein außergewöhnlicher Umstand. Muss die Maschine deshalb zum Startflughafen zurückkehren, kann den Passagieren eine Ausgleichszahlung zustehen.

Von: gk, dpa
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