Per Tieflader vom Hangar ins Museum

21.09.2012 - 15:35 0 Kommentare

Angehende Fluggerätmechaniker der Lufthansa haben jahrzehntelang an einer ausgedienten Vickers Viscount geübt. Nun wurde die Maschine zerlegt, um den Weg ins Technikmuseum Speyer anzutreten. Künftig lernen die Azubis an einem weitaus neueren Flugzeug.

Die großen Fenster haben die Vickers Viscount bei Passagieren einst so beliebt gemacht, sind nun aber blind geworden. 40 Jahre lang hat die 1962 im südenglischen Wisley gebaute Propellermaschine auf dem Frankfurter Flughafen im Lufthansa-Hangar gestanden und musste dafür herhalten, dass angehende Fluggerätemechaniker an ihr ihre Schraubkunst erprobten. Am Donnerstag ist die zerlegte Vickers nun auf drei Tieflader gehoben worden, um nach Speyer ins dortige Technikmuseum gebracht zu werden.

Im Frankfurter Hangar von Lufthansa Technik werden die Azubis künftig an einer weitaus moderneren Boeing 737 üben. Aber die angehenden Fluggerätemechaniker lassen die alte Engländerin ungern ziehen. "So eine Mechanik wie bei der Vickers ist schon etwas Besonderes heute", sagt der 19-jährige Christian Lutz. "Man merkt das Entwicklungsjahr 1948. Kaum Hydraulik, viel Gestänge und Seilzüge." Gemeinsam mit 14 Azubi-Kollegen hat Lutz die Vickers zehn Tage lang demontiert, das gleiche Team wird die Maschine in Speyer wieder zusammensetzen.

Die Vickers passt unter einen Jumboflügel

Das für maximal 71 Passagiere ausgelegte Flugzeug wird im Technikmuseum neben dem Jumbojet stehen. "Auf einem Ehrenplatz, der auch gut einen Größenvergleich erlaubt", sagt Museumssprecherin Simone Lingner. Mit 26 Metern Länge von der Nase bis zum Leitwerk ist die ganze Vickers kürzer als ein Jumboflügel. Aber in einem Punkt übertrifft die Engländerin die Amerikanerin und jeden Airbus: Ihre Fenster im Rumpf sind viermal größer und bescherten den Passagieren - die seinerzeit vorm Ausguck noch ungeniert rauchen durften - unvergessliche Flugerlebnisse.

450 Vickers verließen von 1950 bis 1964 die Armstrong-Werke in Wisley. Die großen Airlines setzten die Maschine im nordamerikanischen Kontinentalverkehr und in Europa auf der Mittelstrecke bis 3.000 Kilometer ein. 

Erinnerung an ein vergangenes Flugzeitalter

Unter Fliegerfreunden gilt die Vickers nach der noch schlankeren Constellation als eine fast ebenso attraktive Vertreterin eines vergangenen Flugzeitalters. Lufthansa durfte während des Kalten Kriegs die Berlin-Strecke nie bedienen, geflogen sind Airlines wie die britische BEA. Die Luftreise von Frankfurt an die Spree dauerte mit der Vickers gut zwei Stunden, serviert wurden den Passagieren Schinkenröllchen mit Spargel oder ein Hawaiitoast. Angekommen in Berlin-Tempelhof ging es auf der herangeschobenen Treppe runter aufs Rollfeld.

Von: dapd
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