Vereinigung Cockpit prangert Ausbeutung von jungen Piloten an

28.04.2015 - 12:32 0 Kommentare

Manche Piloten bezahlen, um zu fliegen: Mit "pay-to-fly" werden laut Vereinigung Cockpit vor allem junge Verkehrsflugzeugführer ausgebeutet. Die Gewerkschaft reagiert damit auf eine Studie, die atypische Beschäftigungsverhältnisse bei Piloten untersucht hatte.

Cockpit einer ATR 72

Cockpit einer ATR 72
© airteamimages.com - Enrique Arencibia

Ilja Schulz, Präsident der Vereinigung Cockpit

Ilja Schulz, Präsident der Vereinigung Cockpit
© Vereinigung Cockpit

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat "pay-to-fly"-Anstellungsverhältnisse als Ausbeutung kritisiert. Anstatt für ihre Arbeit entlohnt zu werden, müssten vor allem junge Co-Piloten erst einmal dafür bezahlen, um im Job Fuß fassen zu können, hieß es jetzt in einer Mitteilung. Demnach verbreitet sich diese Art der Anstellung auch in Deutschland immer weiter.

Ähnlich äußerte sich auch die europäische Pilotenvereinigung ECA. "Pay-to-fly" würde gerne als "self-sponsored line training" verkauft, das Prinzip sei unter den ohnehin schon inakzeptablen Praktiken "ein völlig neues Level", um Kosten zu drücken. Bei welchen Airlines "pay-to-fly" umgesetzt wird, ließen VC und ECA jedoch offen.

Mit ihren Aussagen reagierten VC und ECA auf eine Studie der Universität Gent, die sich mit atypischen Beschäftigungsverhältnissen von Piloten beschäftigt hatte. In der Studie heißt es, dass die generell unter dem Begriff "pay-to-fly" zusammengefassten kostenpflichtigen Trainingsvereinbarungen beziehungsweise diverse weitere Rückvergütungssysteme zu Lasten angestellter Piloten immer häufiger anzutreffen seien. Vor allem für junge Piloten und Berufseinsteiger sei dieser Trend finanziell gefährlich, so die Studie.

Junge Piloten müssen Flugerfahrung sammeln

Das sieht auch die Pilotenvereinigung so. Laut VC befinden sich viele Piloten nach ihrer Ausbildung in einem Teufelskreis. "Sie haben noch keine Flugerfahrung, die sie aber bräuchten, um auf dem Markt eine Anstellungschance zu haben", heißt es. Die Folge: Kein Job und gar nicht erst die Möglichkeit, überhaupt Flugerfahrung zu sammeln oder aber auch nur die Fluglizenz zu erhalten.

Airlines würden zwischen 30.000 und 50.000 Euro verlangen, um den Piloten unter dem Mantel eines Ausbildungsvertrages die Möglichkeit zu geben, Flugerfahrung zu sammeln. Diese Kosten kämen zu den ohnehin schon hohen Kosten für den Erwerb der Pilotenlizenz von etwa 100.000 Euro hinzu.

© LFT, Lesen Sie auch: Sozialdumping macht den Traumberuf Pilot zum Albtraum

Bei der Studie wurden im vergangenen Jahr rund 6600 europäische Piloten befragt. 16 Prozent gaben an, in atypischen Beschäftigungsverhältnissen zu arbeiten. Besonders hoch sei die Quote mit 47 Prozent bei Lowcost-Airlines. Neben kostenpflichtigen Trainings-Beschäftigungsverhältnissen gelten in der Studie unter anderem befristete Anstellungen, Scheinselbständigkeit sowie die Einstellung von Piloten über Personaldienstleister als "atypisch".

Von: airliners.de
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