Passagier und Airline müssen Schlichtungsstellenbeschluss zustimmen

16.10.2018 - 17:26 0 Kommentare

Von Flugverspätungen und Ausfällen betroffene Reisende können die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr einschalten. Deren Beschlüsse sind aber nur bindend, wenn beide Seiten zustimmmen.

Sitz der Geschäftsstelle der söp ist in Berlin-Charlottenburg. - © © söp_Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V. -

Sitz der Geschäftsstelle der söp ist in Berlin-Charlottenburg. © söp_Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V.

Bei Annullierungen und Flugverspätungen von mehr als drei Stunden steht den Passagieren eine Entschädigung zu. Wenn die Airline sich weigert zu zahlen, können Betroffene die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr einschalten.

Doch deren Beschlüsse sind nur wirksam, wenn beide Seiten - Kunde und Fluggesellschaft - zustimmen, erklärt der Rechtsanwalt Moritz Walprecht in der Zeitschrift "Reise & Preise".

Alternative: Fluggastrechteportale

Im konkreten Fall hatte die Schlichtungsstelle den Passagieren 400 Euro Entschädigung zugesprochen. Die Airline ignorierte das. Hier bleibe den Passagieren nur eine Klage vor dem Amtsgericht, erläutert der Reiserechtsexperte. Alternativ helfen Fluggastrechteportale, die Rechte des Fluggastes durchzusetzen - gegen Provision.

Wenn die Fluggesellschaft sich nicht auf außergewöhnliche Umstände wie etwa eine Flughafensperrung berufen kann, muss sie eine Ausgleichszahlung leisten - das schreibt EU-Recht vor.

EU-Fluggastrechte-Verordnung regelt Ansprüche

Mögliche Ansprüche sind durch die EU-Fluggastrechte-Verordnung geregelt. Passagiere haben immer dann einen Anspruch auf Entschädigung, wenn die Fluggesellschaft für die Verspätungen, Umbuchungen oder Annullierungen auch verantwortlich ist.

Dies gilt zumeist bei technischen Pannen oder Verspätungen wegen Dienstzeitüberschreitungen von Crews - nicht aber bei höherer Gewalt, zu der Streiks, Unwetter und Luftraumsperrungen zum Beispiel wegen Aschewolken aus Vulkanen zählen. Im Falle von Streiks ist die Rechtslage derzeit nicht eindeutig - neuere Urteile haben bei Arbeitskämpfen eine Verantwortung der Fluggesellschaft festgestellt.

Betroffene Kunden sollten noch am Flughafen den Grund für die Flugplanänderung erfragen und diesen schriftlich und mit Zeugen festhalten. Beim Thema Schnee und Eis gilt etwa: Haben Airlines ihre Flugzeuge nicht rechtzeitig enteisen lassen, tragen sie eine Mitschuld an der Verzögerung.

Von: dpa, br
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Europaflaggen vor dem Berlaymont-Gebäude in Brüssel EU-Kommission kritisiert Ryanair

    Nun schaltet sich auch Brüssel in die Tarifkonflikte bei Ryanair ein: Die EU-Kommission fordert den Low-Coster auf, nationales Arbeitsrecht anzuerkennen - Gesetze sollten nicht verhandelbar sein, heißt es.

    Vom 20.09.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus