Open-Sky zwischen EU und USA tritt in Kraft

29.03.2008 - 11:21 0 Kommentare

Flüge in die USA dürften ab diesem Wochenende noch einfacher und billiger werden. Am Sonntag tritt das neue Luftfahrtabkommen in Kraft, das die USA und die Europäische Union im vergangenen Jahr vereinbart hatten. "Open-Sky" heißt das Abkommen, es soll Verbrauchern größere Auswahl und niedrigere Preise bei Reisen über den Atlantik bringen. Doch der Vertrag birgt auch Probleme.

MEHR AUSWAHL BEI FLÜGEN: Flugreisende haben künftig mehr Auswahl bei Reisen in die USA. Denn erstmals können europäische Airlines von allen europäischen Flughäfen aus sämtliche Ziele in den USA ansteuern. Bisher hatten Deutschland und die meisten EU-Länder nur bilaterale Abkommen mit den USA. Die Lufthansa könnte dann etwa von London aus Direktflüge nach Washington anbieten, British Airways auch Flüge von Frankfurt am Main.

BILLIGERE TICKETS: Nach Einschätzung der EU-Kommission könnten Flüge in die USA "deutlich" billiger werden. Grund ist der größere Wettbewerb zwischen den Fluggesellschaften, die sich nun gegenseitig unterbieten können. Insgesamt beziffert Brüssel den Nutzen für die Verbraucher in den nächsten fünf Jahren auf bis zu zwölf Milliarden Euro.

KLIMASCHUTZ: Für das Klima ist die massive Ausweitung des Flugverkehrs eine schlechte Nachricht. Allein bei einem Hin- und Rückflug von Frankfurt am Main nach Washington fallen pro Passagier 4300 Kilo Kohlendioxid (CO2) an. Das sind doppelt so viele Emissionen wie bei einem Jahr Autofahren. Einen Ausgleich will die EU über eine mögliche Einbindung der Luftfahrt in den Emissionshandel schaffen. In den USA stößt das auf Kritik.

STRENGERE SICHERHEITSREGELN: Noch nicht endgültig geregelt über das Abkommen sind Sicherheitsfragen. Zwischen Washington und Brüssel gibt es Streit über die US-Forderung, auf allen Flügen von der EU in die USA bewaffnete Flugbegleiter (Sky Marshals) einzusetzen. Dagegen gibt es in Brüssel Widerstand. Ein Abkommen über die Übermittlung von Fluggastdaten trat hingegen bereits 2007 in Kraft. Die US-Behörden haben Zugriff auf 19 persönliche Daten, die Reisende in die USA beim Ticketkauf angeben müssen, so etwa Name, Anschrift und Emailadresse des Flugpassagiers sowie Kreditkartennummer, Kofferzahl, und den Sitz im Flugzeug.

In Deutschland vorerst keine größeren Veränderungen

Die Branche geht allerdings zumindest für Deutschland von keinen größeren Änderungen in naher Zukunft aus. «Wahrscheinlich passiert nicht sehr viel», erklärte der Generalsekretär des Airlineverbandes Barig, Martin Gaebges, der dpa in Frankfurt. «Die Strecken über den Nordatlantik sind bereits heiß umkämpft», sagte Gaebges. Er rechne daher nicht mit sinkenden Ticketpreisen in Deutschland.

Auch die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa hat derzeit keine konkreten Pläne, die neuen Möglichkeiten zu nutzen und von anderen europäischen Flughäfen aus zu starten. «Wir haben keinen Plan nach London zu gehen, um parallel zu British Airways oder Virgin nach Los Angeles zu fliegen. Sondern wir werden uns profitabel dort hinsetzen, wo wir Wachstumschancen sehen», hatte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber kürzlich erklärt. Auch von Mailand aus werde es 2008 keine Lufthansa-Flüge in die USA geben.

Das Abkommen erlaubt allen europäischen Fluglinien, auch von anderen EU-Staaten aus in die USA fliegen. Im Gegenzug dürfen die US- Gesellschaften alle europäischen Flughäfen ansteuern. Voraussetzung sind aber auch immer die entsprechenden Landerechte an den Flughäfen. In Frankfurt und München sind diese sogenannten Slots wegen der mangelnden Kapazitäten kaum noch zu bekommen, sagte Gaebges. Zudem würden schon eine Reihe von US-Gesellschaften mehrere deutsche Flughäfen ansteuern.

Anders sieht es in London aus: Dort durften bislang nur jeweils zwei amerikanische und zwei britische Airlines Flüge über den Atlantik anbieten, erläuterte Gaebges. Hier dürften künftig mehrere US-Carrier dazukommen. Zudem will Air France künftig auch Flüge von London in die USA anbietet. British Airways wiederum hat angekündigt, mit einer Tochter künftig auch von Paris aus starten zu wollen.

Die EU-Kommission erwartet, dass in der Sommersaison zwischen der EU und den USA durchschnittlich acht Prozent mehr Flüge angeboten werden. So gebe es von London-Heathrow aus pro Tag 16 zusätzliche Verbindungen über den großen Teich. Von Spanien aus werden 15 zusätzliche Verbindungen pro Woche angeboten. Zu Deutschland äußerte sich Barrot nicht.

Der Nutzen für die Verbraucher soll sich in den ersten fünf Jahren auf 12 Milliarden Euro summieren. Die EU erwartet auch bis zu 80 000 neue Stellen in der Branche auf beiden Seiten des Atlantiks.

Derzeit gebe es rund 50 Millionen Flugpassagiere im Jahr zwischen der EU und den USA, sagte Barrot. In den kommenden fünf Jahren könnten insgesamt zusätzlich 25 Millionen Fluggäste dazukommen. Um Umweltbelastungen einzugrenzen, legte die EU unter anderem ein milliardenschweres Programm für saubere Flugzeugmotoren auf. Außerdem soll es deutliche Verbesserungen bei der Flugsicherung geben, um «Staus am Himmel über den Flughäfen» zu verhindern.

Das Abkommen war 2007 nach vierjährigen Verhandlungen abgeschlossen worden. Zuvor hatte es 21 bilaterale Abkommen von europäischen Staaten mit den USA gegeben. Von Mai an soll über eine zweite Stufe verhandelt werden. Dabei wird es unter anderem um Investitionsmöglichkeiten von ausländischen Käufern bei Fluggesellschaften gehen.

Von: AFP
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