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Online-Check-in? Gerne, aber ...

27.06.2017 - 11:37 0 Kommentare

Das automatische Einchecken sollten Airlines nicht an Dienstleister auslagern, empfiehlt unser "Digital Passenger" Andreas Sebayang. Sonst könnten sie es auch gleich ganz lassen.

Handy-Check-in bei Air Berlin - © © Air Berlin -

Handy-Check-in bei Air Berlin © Air Berlin

Die Lufthansa hat mit Airlinecheckins.com ein Angebot vorgelegt, das einem das lästige Einchecken abnimmt. Doch löst es das Problem? Mitnichten. Es ist nur ein technologischer Vorteil für einige Wenige. Besser wäre das automatische Einchecken durch die Fluggesellschaften selbst oder gar der Verzicht darauf. Denn solch ein automatisches Einchecksystem eines Dienstleisters nutzt nur einer kleinen, technisch versierten Gruppe, die letztendlich auch zu den Mehrfachfliegern gehört.

In der Werbung klingt das alles toll: Nie wieder der Mittelplatz oder die Auftrennung einer Familienbuchung, weil man zu spät oder aus technischen Gründen nicht einchecken konnte und die kleinen Kinder dann alleine Sitzen müssen. Vorbehaltlich verfügbarer Sitze natürlich. Das eine oder andere ist sicher vielen schon einmal passiert. Doch letztendlich verschafft einem das System nur einen zeitlichen Vorteil gegenüber denen, die es nicht nutzen.

Neuer Dienst

Airlinecheckins.com bietet für mehr als 100 Airlines Web-Check-in an. Die Nutzer melden sich auf der Webseite an und erhalten eine persönliche E-Mail-Adresse von Airlinecheckins.com. Damit buchen sie künftig ihre Flüge. Außerdem hinterlegen sie auf dem Portal ihre Sitzplatzpräferenzen. Wenige Minuten nachdem der Online-Check-in der Airline geöffnet hat, wird der Fluggast ohne dessen weiteres Zutun eingecheckt. Entwickelt wurde das System vom Lufthansa Innovation Hub.

AirlineCheckins.com: Online-Check-in-Tool der Lufthansa. Foto: Screenshot

Entspannter kann man deswegen nicht reisen. Ich habe oft genug erlebt, dass das Einchecken nicht funktioniert. Bestimmte Flughäfen erlauben es nicht, der Webserver der Fluggesellschaft spinnt und wenn ich ein Visum habe, muss das gegebenfalls die Fluggesellschaft direkt sehen. Also doch noch einmal zum Schalter ...

Diverse Immigrationsregeln erfordern zuweilen das Vorweisen eines Weiterflugtickets, und wenn ich mit einem Codeshare-Flug unterwegs bin, wird das sowieso nichts mit dem Online-Check-in und ich muss früh zum Flughafen.

Probleme anderweitig lösen

Letztendlich sollte man auch mit Airlinecheckins.com tunlichst aufpassen, dass der Prozess geklappt hat. Drauf verlassen sollte man sich nicht, auch wenn die Webseite anderes suggeriert. Sonst ist man zu spät am Flughafen, um gegebenenfalls noch einmal eingreifen zu können.

Die Probleme müssten anderweitig gelöst werden: First come first serve - und zwar zum Buchungszeitraum - wäre der Weg der Fairness. Schließlich wurde der Sitz bezahlt. Wer zuerst bucht, sucht sich seinen Sitzplatz aus und behält ihn bis zum Abflug. Das Einckecken bräuchte es nicht.

© airliners.de, PlaceIt by Breezi Lesen Sie auch: Der Check-in gehört komplett abgeschafft Gedankenflug

Im Sinne der Fluggesellschaften ist das freilich nicht. Die wollen möglichst lange Sitzplätze als Extra vor dem Online-Check-in verkaufen. Manche Fluggesellschaft platziert sogar absichtlich nichtzahlende Gäste auf einem Mittelplatz, selbst wenn der Flieger leer ist.

Das alles müsste nur geändert werden, dann braucht es auch kein airlinecheckins.com mehr, was letztendlich nur die offensichtlichen Mängel der Branche glättet und die Sorgen der Reise einem nur in Teilen nimmt. Fairer wäre es auf jeden Fall. Ob sich die Fluggesellschaften aber Einnahmemöglichkeiten nehmen lassen?

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: Andreas Sebayang für airliners.de
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