Die Born-Ansage (93) ( Gastautor werden )

Ohrfeige des Jahres für den Flugverkehr

13.09.2018 - 10:44 0 Kommentare

Ganz schön harter Tobak, den der Luftverkehr da aktuell über sich ergehen lassen muss - Manager und Politiker teilen kräftig aus, konstatiert Karl Born. Wenn sich sogar schon der Bahnchef zu Wort meldet, läuft etwas gewaltig schief.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Die Lage bei der Deutschen Bahn ist so verheerend, dass Konzernchef Richard Lutz einen Brandbrief an seine Führungskräfte schickte. Mehr unpünktliche Züge, höhere Schulden und womöglich bald die nächste Gewinnwarnung, so hart ging selten ein CEO mit seinen Führungskräften öffentlich ins Gericht. Das ganze Ausmaß der Bahnkatastrophe ist der Öffentlichkeit über den Sommer weitgehend verborgen geblieben.

Da stellt sich die Frage, warum eigentlich? Lutz hat darauf eine verblüffende Antwort. Die schlechte Performance der Airlines in diesem Sommer hat die Leistung der Bahn überlagert. Frei übersetzt: "Danke liebe Airlines, dass ihr soviel Mist gebaut habt."

Dann berufen wir mal einen Gipfel ein

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen ... Die Deutsche Bahn, üblicherweise der Inbegriff für schlechten Service in Deutschland, lästert über die Minderleistung des Luftverkehrs. Klatsch - eine schöne Ohrfeige.

Bundesverkehrsminister Andi Scheuer, dem man eine zu große Nähe zur Automobilindustrie nachsagt, hat inzwischen gemerkt, dass auch der Flugverkehr zu seinem Ressort zählt. Und er macht das, was Politiker immer gern machen, wenn sie merken, dass man das Problem nicht mehr kleinreden kann: Er lädt zu einem Spitzentreffen ein. Getreu dem Motto: Wer nicht weiter weiß, bildet einen Arbeitskreis.

Teilnehmerkreis bitte erweitern

Man könnte es auch Fluggipfel nennen. Gipfel klingt immer toll, schafft schöne TV-Bilder für den einladenden Politiker, Gipfel-Versprechungen zeigen, man hat sich gekümmert, konkrete Ergebnisse werden erfahrungsgemäß nicht folgen (erwartet man üblicherweise auch nicht).

Der eingeladene Kreis ist jetzt schon so groß, dass der Fotograf für das obligatorische Teilnehmerbild Mühe mit einem vollständigen Bild haben wird. Eingeladen sind Vertreter von Airlines, Flughäfen, Deutsche Flugsicherung, Verkehrsministerium von Bund und Länder. Nur die Verbände fehlen irgendwie ...

Das soll aber noch nicht alles sein. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert vehement die Teilnahme der Verbraucherverbände, die Fluglotsengewerkschaft hat ebenfalls ihre Teilnahme gefordert. Einige andere heben bereits ebenfalls die Hand in die - Achtung Wortspiel - Luft. Mein Vorschlag: Vielleicht auch mal Vertreter der Bodendienstleister und der Luftsicherheit einladen - dann hat man weitere Vertreter des Chaos am Tisch. Aber muss ja auch nicht.

CDU-Mann Kauder legt nach

Auch führende CDU-Politiker wollen jetzt noch das Thema entern. Fraktionschef Volker Kauder hat inzwischen festgestellt und teilte publikumswirksam per "Bild am Sonntag" mit: "Nicht wenige Fluggesellschaften behandeln ihre Kunden leider allzu oft schlicht unwürdig, daher gehört eine Verschärfung der Fluggastrechte auf die Tagesordnung."

"Schlicht unwürdig“, das ist schon hart, wenn man es wörtlich nimmt. Sind „nicht wenige Fluggesellschaften“ in diesem Sommer so tief gesunken? Wird der Hamburger-Gipfel zu einer Anklagebank? Bangt Bahnchef Lutz schon um sein Feigenblatt für 2019?

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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