Österreichische Reisebüros klagen gegen Lufthansa Group

02.05.2016 - 14:24 0 Kommentare

Die Lufthansa Group beherrscht den österreichischen Markt und nutzt das aus - so der österreichische Fachverband der Reisebüros. Der Luftfahrtkonzern wehrt sich gegen diese Darstellung. Ein Kartellgericht soll die Sache klären.

Eine Lufthansa-Maschine steht am Terminal 2 des Airport München. - © © dpa - Peter Kneffel

Eine Lufthansa-Maschine steht am Terminal 2 des Airport München. © dpa /Peter Kneffel

Der Fachverband der Reisebüros in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) zieht gegen die Lufthansa Group vor Gericht. Man habe jetzt die Einleitung eines Verfahrens vor dem Kartellgericht beantragt, hieß es in einer Mitteilung. Der Verband wirft dem Luftfahrtkonzern vor, seine marktbeherrschende Stellung auszunutzen. Die Lufthansa widerspricht dieser Darstellung.

Laut Fachverband verlangt die Lufthansa Group für die gleichen Flüge unterschiedliche Preise - je nachdem, ob die Buchung aus Deutschland oder Österreich kommt. "Der Fachverband hat festgestellt, dass Lufthansa Group teilweise bei Buchungen aus Österreich um bis zu 40 Prozent und noch mehr verrechnet als bei solchen aus Deutschland, dies bei ein und derselben Strecke, Beförderungsklasse und Buchungszeit", sagte der zuständige Wirtschaftsanwalt Raoul Hoffer dem "Kurier".

Es geht um Flüge zwischen Deutschland und Österreich

Demnach würden die teureren Österreich-Tickets nur auf Strecken abkassiert, die die Lufthansa Group entweder ohnehin alleine bedient oder der einzige Anbieter von Direktflügen ohne Zwischenstopp ist. Laut Hoffer sind zahlreiche innerösterreichische Verbindungen sowie Strecken zwischen Österreich und Deutschland betroffen.

So verteilen sich die Kapazitäten in Österreich
Angebotene Sitzplatzkapazität in Prozent
Lufthansa Group 57
Air Berlin Group 17
restliche Airlines 26

Bezogen auf angebotene Sitzplatzkapazitäten vom 2.5. - 30.10.2016 (Ende Sommerflugplan). Quelle: ch-aviation.com

Die Lufthansa Group dominiert mit ihren Airlines Lufthansa, Austrian, Swiss, Germanwings, Eurowings und Brussels den österreichischen Markt. Die Air Berlin Group mit Air Berlin und Niki bietet schon deutlich weniger Kapazität an. Der Rest verteilt sich auf andere Luftfahrtkonzerne beziehungsweise Airlines.

Es sei zu klären, ob es eine Benachteiligung österreichischer Reiseunternehmen und Kunden gebe, hieß es von Seiten des Verbands. Der Fall sei an das Kartellgericht gereicht worden, da die Bundeswettbewerbsbehörde unter anderem aus Ressourcengründen keine Möglichkeit habe, "die Angelegenheit weiter zu verfolgen".

Lufthansa widerspricht den Vorwürfen

Die Lufthansa Group beteuerte auf Anfrage des "Kuriers", man verkaufe "zum selben Zeitpunkt alle Produkte zum selben Preis". "In der Vergangenheit vorgelegte Unterlagen haben ergeben, dass Äpfel mit Birnen verglichen wurden", so ein Sprecher.

Bei dem Verfahren soll es auch um die von der Lufthansa eingeführte und kritisierte GDS-Gebühr gehen. Seit September sind Lufthansa-Tickets 16 Euro teurer, sofern sie über ein globales Vertriebssystem (GDS) erstellt werden.

© dpa, Andreas Gebert Lesen Sie auch: Reiseverbände: Kunden verlassen Lufthansa wegen GDS-Gebühr

Damit sollen mehr Buchungen über konzerneigene Portale abgewickelt werden. "Diese stellen aber hinsichtlich Funktionalität und Vergleichbarkeit von Reiseangeboten keinen adäquaten Ersatz der weit verbreiteten GDS-Systeme dar", so die Kritik vom österreichischen Fachverband.

Von: ch
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