Ölpreis könnte langfristig sinken: Katar will aus Opec austreten

03.12.2018 - 17:04 0 Kommentare

Das Emirat Katar will aus der Opec austreten und die Fördermenge von Öl sowie Gas massiv erhöhen. Analysten erwarten langfristig einen Preiseffekt, von dem vor allem Qatar Airways profitieren würde.

Saad Sherida Al-Kaabi. - © © Qatar Industries -

Saad Sherida Al-Kaabi. © Qatar Industries

Das Golf-Emirat Katar hat angekündigt, zum neuen Jahr aus der Organisation der erdölexportierenden Staaten (Opec) auszutreten. Das meldet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf Energieminister Saad Sherida al-Kaabi. Grund sei der staatlichen Nachrichtenagentur QNA zufolge, Katars Wunsch, sich auf die Gasförderung zu konzentrieren.

Laut QNA will Katar im Anschluss an den Austritt die Fördermengen beider Rohstoffe steigern: Der Export von verflüssigtem Erdgas soll von 77 Millionen Tonnen auf 110 angehoben werden. Katar ist bereits jetzt mit rund 30 Prozent der Gesamtmenge der größte Flüssiggasproduzent der Welt.

Erdöl hingegen exportiert Katar auch wegen der Kürzungen der Opec vergleichsweise wenig. So solle nach dem Austritt die Erdölförderung perspektivisch von 4,8 Millionen auf 6,5 Millionen Barrel (156 Liter) pro Tag erhöht werden. Analysten gehen aber davon aus, dass das Land kurzfristig die Fördermenge nur um einen Bruchteil erhöhen könnte.

Qatar Airways könnte langfristig profitieren

Doch langfristig würde der Preis für ein Barrel Rohöl dann höchstwahrscheinlich sinken. Damit könnte es auch zu einem Preisverfall für Kerosin kommen. Denn der Preis für den Treibstoff ist direkt an den Ölpreis gekoppelt. Beobachter sehen darin ein Vorteil für die Staatsairline Qatar Airways: Die Führung des Emirats könnte damit die Kraftstoffpreise so beeinflussen, wie es den Finanzen der Airline zugute kämen.

Denn Qatar Airways ist finanziell unter Druck geraten, nachdem die Nachbarstaaten Ägypten, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate im Juni vergangenen Jahres alle diplomatischen Beziehungen zu Katar abbrachen. Seit dem darf die Airline 18 Städte in der Region nicht mehr anfliegen; auch die Überflugrechte wurden entzogen, was zu weiten Umwegen führt.

Erster Austritt in der Geschichte der Opec

Qatar Airways schloss das Fiskaljahr 2017 mit einem Verlust von 60 Millionen Euro ab, teilte Airline-Chef Akbar Al-Baker bei der Vorstellung der Finanzergebnisse Mitte September 2018 mit. "Es ist unvermeidbar, dass sich das turbulente Jahr in unseren Zahlen wiederspiegelt", so der CEO weiter.

© dpa, Andreas Gebert Lesen Sie auch: Airlines sichern sich beim Ölpreis ab

Zu dem angekündigten Austritt Katars gab es von der Opec in Wien bislang keine Stellungnahme. Es wäre das erste Mal, dass ein Mitgliedsland aus dem Nahen Osten die Organisation verlässt. Katar gehört der Opec seit 1961 an - es war das erste Land, das nach Gründung durch Saudi-Arabien, Irak, Iran, Kuwait und Venezuela der Organisation beitrat.

Von: br
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