Die Born-Ansage (98) ( Gastautor werden )

Nur Bares ist Wahres

22.11.2018 - 11:30 0 Kommentare

Passagiere sammeln für die Reparatur ihrer Maschine und in Frankreich wird ein vollbesetztes Flugzeug als Pfand genommen. Gleichzeitig kann man für 1,94 Euro nach Mallorca fliegen. Karl Born fragt sich, wie das alles zusammenpasst.

Montage: airliners.de - © © pixabay; Privat - stux

Montage: airliners.de © pixabay; Privat /stux

Eine Boeing 787 der polnischen LOT hatte in Peking eine Panne. Zehn Stunden stand die Maschine am Airport. Angeblich war die Reparatur nur ein kleines Problem.

Aber manchmal verbirgt sich hinter einem kleinen Problem ein richtig großes Problem. Das große Problem in diesem Fall war der zu Hilfe gerufene chinesische Techniker. Der Techniker verlangte Cash für seine Arbeit, sonst wird nicht repariert. Bemerkenswerte Sturheit. Oder nur der Wunsch, die berühmten "15 Minuten" im Rampenlicht zu stehen, von denen Andy Warhol meinte, dass sie für jeden irgendwann kommen würden.

Bei uns in Deutschland kennt man das von Schlüsseldiensten, die im Notfall gerufen werden. Auch da heißt es: Cash oder die Tür bleibt zu.

Letzte Lösung: Passagiere anpumpen

Die Wahlmöglichkeiten für LOT waren begrenzt, leider auch das vorhandene Bargeld. Letzte Lösung: die Passagiere anpumpen. Wer öffnet da nicht gerne seinen Geldbeutel, um schneller nach Hause zu kommen. Letztlich waren es vier Passagiere, die die notwendigen 320 Euro in den Klingelbeutel geworfen haben. Wobei spätestens jetzt der Vergleich mit einem Schlüsseldienst vorbei ist, für "nur" 326 Euro bleibt in der Regel die Tür zu.

Keine Ahnung, warum LOT zuerst die Story abgestritten hat. Ist doch schön, solvente Kunden zu haben. Vielleicht wollte LOT auch nicht mit Airlines in "Endzeitstimmung" in einen Topf geworfen werden. Da ist es bekanntermaßen schon üblich, dass die Piloten Bares im Fliegerkoffer haben.

Ein Billigflieger schuldet 525.000 Euro

Natürlich kann eine solche Sammelaktion schnell ihre Grenzen erreichen, vor allem wenn es nicht um 320 Euro, sondern um 525.000 Euro geht. Genau diesen Betrag schuldete eine irische Airline, und raten Sie mal welche. Und das schon seit 2014, nach einer Entscheidung der EU-Kommission wegen zu Unrecht eingeräumter Konditionen an einem französischen Lokalflughafen.

Der französische Justizbeamte wollte aber nicht nur ein bisschen Aufmerksamkeit, sondern gleich das große Kino. Als die Ryanair-Maschine mit Passagieren an Bord startbereit war, kam er mit Polizeieskorte angebraust und schwenkte den berühmten Kuckuck, um einen kleinen Vogel an den großen Vogel zu kleben. Es sei denn, er bekäme sofort 525.000 Euro. Für solche Summen sind Ryanair-Passagiere nicht unbedingt bekannt, also: alles aussteigen

Mit einigen Stunden Verspätung und einem Kuckuck-freien Flugzeug konnten die Passagiere endlich starten. 24 Stunden nach diesem Vorfall zahlte dann auch Ryanair. Die Mühlen der EU mahlen sehr langsam, aber man darf die EU auch nicht unterschätzen.

Mallorca für 1,94 Euro

Ich fand beide Geschichten besonders in dieser Woche interessant, weil diese Woche ja wieder eine Hochzeit für streamline-funktionierende Marketingfuzzis ist:

Vom Cyber Monday direkt zum Black Friday. An der Spitze der Verrückten stand, wer wohl, Ryanair, die den Cyber Monday gleich zur Cyber Week erweiterten. Als Eyecatcher diente ein Flugangebot für den 28. November von Schönefeld nach Mallorca mit dem unglaublichen Preis von 1,99 Euro. Dieser Preis wurde dann auch am Mittwoch nochmals gekillt. Jetzt gab es Mallorca sogar schon ab 1,94 Euro. So wird es aber verdammt lange dauern, bis die 525.000 Euro wieder in der Kasse sein werden.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: br
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