Norwegian bekräftigt Interesse von Ryanair

14.06.2018 - 10:29 0 Kommentare

Die finanziell angeschlagene Norwegian sucht einen Käufer. Neben IAG taucht Ryanair immer wieder als Name auf. Die Iren dementieren; doch die Gerüchte werden nun erneut angeheizt.

Boeing 737 MAX in den Farben der Norwegian Airlines - © © Norwegian Airlines -

Boeing 737 MAX in den Farben der Norwegian Airlines © Norwegian Airlines

Norwegian hat das Interesse von Ryanair an einer Übernahme des norwegischen Low-Cost-Carriers bekräftigt. Der norwegische Leiter für institutionelle Beziehungen in Spanien, Alfons Claver, sagte der Nachrichtenagentur "EFE", der irische Billigflieger sei nur einer von mehreren potenziellen Anlegern, die sich an das Norwegian-Management gewandt hätten.

Ryanair selbst hatte Gerüchte, wonach die Iren zusammen mit der Airline-Gruppe IAG ein Konsortium zur Übernahme der strauchelnden Konkurrentin bilden könnten, bereits zurückgewiesen. Doch das Statement Clavers heizt Gerüchte darüber nun neu an.

IAG-Offerten bislang erfolglos

Zwei Offerten der British-Airways-Mutter IAG hat Norwegian bereits zurückgewiesen. Norwegischen Medienberichten zufolge bereitet Konzernchef Willie Walsh ein drittes Angebot über 1,5 Milliarden Euro vor. Norwegian-Chef Björn Kos kündigte an, er werde einen Deal eingehen, "wenn das Angebot stimmt".

Eine feindliche Übernahme schließt Walsh allerdings weiter aus. Statt Geld will er Kos nun an einem anderen Punkt entgegenkommen. Billigflieger Ryanair könnte ein strategisch wertvoller Partner für IAG sein.

Denn: Die Billigflieger Norwegian und Ryanair sind über eine Personalie eng miteinander verbunden. US-Milliardär David Bonderman ist sowohl Verwaltungsratsvorsitzender bei Ryanair als auch über seinen Fonds TPG Capital bei Norwegian investiert.

Erfolgsmodell Low-Cost-Langstrecke?

Fest steht: Norwegian hat sich beim Wachstum verhoben. Geradezu zwanghaft wollte Norwegian-Gründer und -Chef Björn Kos beweisen, dass das Low-Cost-Modell auch auf der Langstrecke funktioniert, berichten Branchenkenner. Doch mit den Verbindungen von Kopenhagen, Oslo und Stockholm nach Las Vegas mussten zuletzt einst so prestigeträchtige Routen wegen zu geringer Nachfrage aufgegeben werden.

Quelle: Norwegian, Darstellung: airliners.de

Denn Norwegian setzt auf ein Geschäftsmodell, dessen Nachhaltigkeit noch nicht bewiesen ist. Denn billiges Fliegen hat kurze Standzeiten am Boden mit häufigen Turns der eingesetzten Maschinen zur Grundlage. All das funktioniert auf der Kurzstrecke problemlos. Doch auf Interkontinental-Routen lässt sich das Modell unter anderem wegen längerer Flugzeiten und Crew-Ruhezeiten nicht ohne Weiteres adaptieren.

Leasing-Anteil in der Flotte soll sinken

Gerade die vielfach zitierte Langstrecke könnte Norwegian letztlich zum Problem werden - die Bestellung dafür ist es bereits: Die Flotte der Norweger soll in den kommenden Jahren fast verdoppelt werden. Die Order dafür enthält auch Gerät für interkontinentale Flüge: sieben Jets des Typs Boeing 787 "Dreamliner" und mehrere dutzend A321neoLR. Eine Order, die Milliarden verschlingt.

In diesem Jahr soll der Norwegian-Bestand um 21 Jets auf 165 Flugzeuge vergrößert werden. Bis Ende 2020 ist ein Wachstum auf 225 Maschinen vorgesehen. Gleichzeitig soll der Anteil der geleasten Flugzeuge von jetzt über 50 Prozent im selben Zeitraum auf etwas über 30 Prozent gesenkt werden.

Quelle: Norwegian, Darstellung: airliners.de

Von: cs
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