Norwegian will auch Boeing-Jets in der Flotte "überprüfen"

Exklusiv 17.01.2019 - 09:52 0 Kommentare

Nach den A320-Neo-Flugzeugen stellt Norwegian-Chef Kjos nach airliners.de-Informationen nun auch Boeing-Maschinen und die Max-Bestellung auf den Prüfstand. Zudem fallen etliche Basen für Flugzeuge und Crews weg.

Boeing 737 der Norwegian. - © © AirTeamImages.com - HAMFive -

Boeing 737 der Norwegian. © AirTeamImages.com - HAMFive

Angesichts der anhaltend finanziell herausfordernden Lage will Norwegian die aktuelle Flotte von 60 Boeing-Mittelstreckenjets 737 sowie Bestellungen des Max-Typs dieser Modellreihe überprüfen. Dies kündigte das Management in einem Brief an die Mitarbeiter an, der airliners.de vorliegt. Bereits vor Kurzem war bekanntgeworden, dass Norwegian die Bestellung über 95 A320-Neo-Flugzeuge auf den Prüfstand stellt.

Norwegian habe im Rahmen des im Dezember aufgelegten Sparprogramms "#FOCUS2019" eine "umfassende Überprüfung seiner Boeing-737-Flugzeuge (sowohl der 800- als auch der Max-Modelle) eingeleitet", heißt es in dem internen Schreiben. So wolle man die Kosten senken, "um die langfristige Zukunft der Gruppe sicherzustellen".

Mehrere Basen fallen weg

Gleichzeitig kommt es auch zu Streckenstreichungen, weil die Airline mehrere Standorte aufgeben will. In diese Jahr werde man keine Jets oder Crews an den Flughäfen in Palma de Mallorca, Gran Canria, Teneriffa und Rom-Fiumicino sowie an zwei US-Airports stationieren. "Diese Anpassung hat keine Auswirkungen auf unsere Langstreckenbasis in Rom", versichert das Management. Auch sollen in Amsterdam, Bangkok und Florida keine Langstreckenpiloten mehr vorgehalten werden.

Ob und welche Auswirkungen das Schließen der Basen auf den Deutschlandverkehr von Norwegian hat, ist abschließend nicht klar. Beobachter sehen einen großen Einfluss, weil der Billigflieger die drei Standorte hierzulande (Berlin-Schönefeld, München und Hamburg) häufig aus anderen Ländern heraus bedient.

Märkte von Norwegian
Angaben in Prozent
Norwegen 52.0
Schweden 19.0
USA 5.8
Spanien 4.0
Dänemark 2.9
Frankreich 2.8
Deutschland 2.0
Übrige Länder 11.5

Die Grafik zeigt die prozentuale Verteilung der nach angebotenen Sitzplatzkapazitäten im laufenden Winterflugplan wichtigsten Märkte von Norwegian. "Übrige Länder" sind jene mit jeweils weniger als zwei Prozent Anteil. Angaben gerundet. Quelle: ch-Aviation

Den Abbau der Basen begründet die Airline öffentlich damit, dass man sich im "hochkompetitiven Wettbewerbsumfeld verbessern muss". Kurz vor Weihnachten im vergangenen Jahr hatte ein Analyst Norwegian aufgeschreckt, weil er behauptete, die Airline könnte ihre Kredite bald nicht mehr bedienen. Auch Ryanair-Chef Michael O'Leary prophezeite Norwegian im Interview mit airliners.de keine Zukunft.

© dpa, Jasper Jacobs Lesen Sie auch: "Viele Airlines werden den Winter nicht überleben" Interview mit Ryanair-Chef O'Leary

Norwegian ist laut Beobachtern gerade "günstig zu haben". Aktuell notiert die Aktie mit 16,88 weit unter dem bisherigen Zwölf-Monats-Tief (17,20 Euro). Das ergibt eine Marktkapitalisierung von nur noch knapp 780 Millionen Euro.

Allerdings schlummern in der Bilanz von Norwegian große Fehlbeträge. So summieren sich die kurz- und langfristigen Finanzschulden abzüglich der Barmittel auf rund 2,3 Milliarden Euro. Das Eigenkapital halbierte sich im Gesamtjahr auf 213,7 Millionen Euro. Die Bilanz fürs Geschäftsjahr 2018 legen die Norweger am 14. Februar vor.

Übernahmedebatte um Norwegian

In der Vergangenheit waren Informationen über das Interesse von Lufthansa an Norwegian aufgekommen. Kranich-Hub-Chef Harry Hohmeister sagte dazu im Interview mit airliners.de, dass man sich alle Optionen anschaue und gegebenenfalls prüfe. Alle skandinavischen Länder seien "wirtschaftlich stark". "Wir müssen in unserer Industrie aber von dem Gedanken wegkommen, dass Kaufen die einzige Option ist."

Ebenfalls an Norwegian interessiert ist die British-Airways-Mutter IAG. Deren Chef Willie Walsh war bereits mehrfach mit Angeboten bei Norwegian-Chef Björn Kjos abgeblitzt, weswegen er sich zwischenzeitlich Billigflieger Ryanair als Partnerin für die Akquise an die Seite holte.

© Norwegian, Lesen Sie auch: Übernahmedebatte um Norwegian entbrannt

Von: cs
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »