Entscheidung: Gründer Lauda darf Niki kaufen

23.01.2018 - 06:24 0 Kommentare

Die Gläubiger wählen Gründer Lauda als Niki-Käufer aus. Ursprünglich hatte Vueling die Air-Berlin-Tochter übernehmen wollen. Entsprechend ist man dort "enttäuscht".

Airline-Gründer Niki Lauda in einer Maschine

Airline-Gründer Niki Lauda in einer Maschine "seiner" Niki. © dpa /Barbara Gindl

Nach fast 15-stündiger Sitzung trifft der Gläubigerausschuss im österreichischen Hauptinsolvenzverfahren der Niki eine überraschende Entscheidung: Lauda Motion bekomme den Zuschlag, heißt es in der Nacht in einer gemeinsamen Pressenotiz von Insolvenzverwalterin Ulla Reisch und dem vorläufigen Abwickler Lucas Flöther.

Aus einem transparenten Bieterprozess ist heute in den frühen Morgenstunden die Lauda Motion GmbH als Bestbieter hervorgegangen.

Gemeinsame Erklärung der Insolvenzverwalterin Ulla Reisch und des vorläufigen Insolvenzverwalters Lucas Flöther

Zu Kaufpreis und Details des Angebots machen beide keinerlei Angaben. Auch weder Lauda selbst noch die Führung von Niki waren bislang für eine Stellungnahme zu erreichen.

Juristisch komplizierte Situation

Die vorläufige Gläubigerversammlung von Niki in Deutschland hatte sich Ende Dezember für den IAG-Billigflieger Vueling als Käufer ausgesprochen. Vueling will über ihre österreichische Tochter Anisec 20 Millionen Euro Kaufpreis für Niki bezahlen und noch einmal ein Darlehen über 16,5 Millionen Euro gewähren, um den Betrieb des Ferienfliegers zu sichern. Aktuell ist Niki gegroundet.

Die Situation, dass zwei Käufer in unterschiedlichen Verfahren den Zuschlag erhielten, ist aus Sicht mehrerer Justizexperten kompliziert. So habe Flöther Niki an Vueling/Anisec verkauft, ohne dass es ein ordentlich eröffnetes Insolvenzverfahren gab. So ein Vorverkauf ist bei Unternehmensinsolvenzen üblich, aber nicht rechtskräftig.

© dpa, Lilli Strauss/AP Lesen Sie auch: "Grenzübergreifend effizient gearbeitet" Kurzinterview

"Bei Zuständigkeitsstreitigkeiten gilt der Grundsatz der Priorität", betont Jurist Jörn Weitzmann im Gespräch mit airliners.de. Allerdings spreche einiges für Österreich, weil dort nun mal der Mittelpunkt der hauptsächlichen Niki-Interessen (Comi, Center of Main Interest) liegt.

Auch müsste Lauda nicht nur für Niki in die Tasche greifen, sondern auch Vueling auslösen. Weil bereits drei Millionen Euro des vom Billigflieger zugesagten Kredits für den Erhalt der unmittelbaren Betriebsfähigkeit von Niki verbraucht sind. Diese Summe müsste nach Informationen der Nachrichtenagentur APA zusätzlich aufgebracht werden.

Vueling ist "enttäuscht"

Unklar ist bislang auch, wie sich Vueling nun verhalten wird. Auf Anfrage von airliners.de hieß es lediglich, dass IAG "enttäuscht" sei, dass sich "Niki nicht als Teil der Airline-Gruppe entwickeln und stärker werden kann".

In der vergangenen Woche hatte der Low-Cost-Carrier mitgeteilt, am Niki-Kauf festzuhalten - trotz aller juristischen Schwierigkeiten. Von Flöther und Reisch hieß es, dass man Hand in Hand zusammenarbeite und die Unterschrift beider Insolvenzverwalter dem Käufer Rechtssicherheit gebe.

Dass sich der Gläubigerausschuss (in Form von sieben Parteien) nun gegen Vueling entschieden habe, werten Branchenkenner auch als Affront gegen Reisch.

Lauda skizziert Pläne

Laudas erklärte am Wochenende in einem Interview, zusammen mit Condor für Niki geboten zu haben. "Ich brauche einen operativen Partner, um im März fliegen zu können", sagte er dem "Kurrier". Am Dienstag kündigte Lauda an, dass der Name Niki nun Geschichte sei.

Condor würde neben der nötigen Infrastruktur auch die Passagiere bringen, betont Lauda: "Mit Thomas Cook aber auch mit anderen Reiseveranstaltern wurden bereits entsprechende Vorgespräche geführt." Damit sei die Auslastung für 15 Maschinen geregelt.

Mit Lufthansa über Blech verhandelt

So viele Flugzeuge hat Lauda eigener Aussage zufolge mit Lufthansa ausgehandelt. Der Kranich-Konzern hatte sich im Zuge der anvisierten Übernahme von LGW und Niki die Flugzeuge der beiden Air-Berlin-Töchter über Leasing-Verträge gesichert beziehungsweise einzelne auch gekauft.

Die EU-Kommission machte für die Prüfung des Airline-Kaufs durch Lufthansa dieser die Auflage, dass sie bei einem Scheitern des Deals die Maschinen an einen neuen Käufer vermieten müsse. Aufgrund des erwarteten Vetos der EU-Kommission trennte Lufthansa Niki aus dem Kauf heraus und übernahm schlussendlich nur noch LGW.

Zertifizierungen innerhalb weniger Wochen

Es werde Lauda zufolge drei bis vier Wochen dauern, bis die Airbus-Maschinen die notwendige Zertifizierung für seine Bedarfsfluggesellschaft Lauda Motion bekämen. "Vueling dagegen braucht ein neues AOC, das dauert mindestens drei Monate. Niki muss aber im März schon fliegen, wenn der Sommerflugplan beginnt."

Streitpunkt Gerichtsort

Notwendig geworden war das erneute Bieterverfahren, weil das Landgericht Berlin den Gerichtsort der Niki-Insolvenz von Deutschland nach Österreich verlegte - dagegen legte die Niki-Führung Beschwerde beim Bundesgerichtshof (BGH) ein.

© AirTeamImages.com, Danijel Jovanovic Lesen Sie auch: Hintergründe des juristischen Streits um die Niki-Insolvenz

Ungeachtet dessen eröffnete das österreichische Landgericht Korneuburg ein Hauptinsolvenzverfahren. Reisch wurde von der Kammer zur Insolvenzverwalterin ernannt und rief ein neues Bieterverfahren aus. Dieses lief bis vergangenen Freitag. Am Montag beriet die österreichische Gläubigerversammlung über die Offerten.

Von: cs
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