Niki Lauda und Thomas Cook formen Bieter-Konsortium für Air Berlin

14.09.2017 - 18:35 0 Kommentare

Niki Lauda, Thomas Cook und Condor machen Ernst: Sie wollen Teile der Air Berlin übernehmen und haben konkrete Vorstellungen. Derweil verschiebt sich die Entscheidung über die insolvente Airline angeblich.

Formel-1-Legende Niki Lauda verkaufte die von ihm gegründete Niki 2011 komplett an Air Berlin. - © © dpa -

Formel-1-Legende Niki Lauda verkaufte die von ihm gegründete Niki 2011 komplett an Air Berlin. © dpa

Niki Lauda hat seine Pläne für eine Übernahme der Air Berlin konkretisiert. "Ich werde gemeinsam mit Thomas Cook und Condor bieten", sagte er der österreichischen Tageszeitung "Kurier".

Im ORF konkretisierte Lauda die Angaben weiter und sagte, er biete "um die 100 Millionen Euro". Er selbst wolle an dem Konsortium 51 Prozent der Anteile halten, so Lauda. Ein Insider sagte zu airliners.de, der Reisekonzern Thomas Cook habe Interesse an einer Übernahme der übrigen 49 Prozent.

Konkret wolle das Bündnis nach Lauda-Angaben die Air-Berlin-Touristiktochter Niki sowie zusätzlich weitere 17 Mittelstreckenmaschinen übernehmen. Für die Langstrecken-Operations hat das Konsortion offenbar keine Verwendung. Dass Lauda seit der Insolvenz von Air Berlin wieder war bereits bekannt.

Welche Rolle Condor spielt

Laut Lauda ist geplant, touristische Ziele auf der Kurz- und Mittelstrecke anzufliegen. Thomas Cook soll für eine "erhebliche Auslastung" der Flugzeuge sorgen, so Lauda. Aber auch Condor spiele eine gewichtige Rolle. Air Berlin habe wichtige operative Funktionen von Österreich nach Berlin verlagert, kritisiert der Ex-Formel-1-Profi. Die deutsche Thomas-Cook-Tochter werde für die "Abwicklung des Flugbetriebs gebraucht - zumindest anfangs".

Die Flotte der Condor besteht aktuell aus 52 Flugzeugen. Foto: © dpa

Auf Anfrage von airliners.de heißt es bei Condor nur, man stehe zusammen mit dem britischen Mutterkonzern für eine "aktive Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin" bereit. Beobachter hatten zuvor spekuliert, dass Condor Air Berlin komplett übernehmen will.

Vor ihrer Insolvenz hatte die Berliner Fluggesellschaft ihre österreichische Tochter Niki bereits abspalten wollen. Als neue Anteilseigner standen damals Air-Berlin-Großaktionär Etihad sowie der Thomas-Cook-Konkurrent TUI bereit. Die Verhandlungen über ein neues Ferienflug-Joint-Venture scheiterten aber schlussendlich.

Derweil hat auch der Unternehmer Utz Claassen, ehemaliger Chef des Energiekonzerns EnBW, laut "Handelsblatt" ein Angebot für Air Berlin vorgelegt. Zusammen mit Investoren aus den USA, Großbritannien, Singapur und Deutschland würden ebenfalls rund 100 Millionen Euro für die Airline geboten, allerdings als Ganzes. Claassen verspreche die Übernahme der gesamten Belegschaft "unter Voraussetzung angemessener wettbewerbgerechter Vergütungsstrukturen", berichtete die Zeitung.

Air-Berlin-Entscheidung angeblich erst nach der Wahl

Deutschlands bislang zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin hatte Mitte August die Insolvenz erklärt. Noch bis Freitag können Interessenten ein Angebot zur Übernahme von Teilen oder der kompletten Airline vorlegen. Der Gläubigerausschuss soll dann am 21. September tagen.

Bisher war davon ausgegangen worden, dass an diesem Tag auch eine Entscheidung zur Übernahme verkündet wird. Nun berichtet der Berliner "Tagesspiegel", die Air-Berlin-Gläubiger würden erst nach der Bundestagswahl entscheiden, an welchen Bieter Teile oder das gesamte Geschäft verkauft werden.

Die Entscheidung dürfte den Angaben nach erst am 25. September fallen, zitiert die Zeitung aus Verhandlungskreisen. Zum Bieterkreis um das Erbe der Air Berlin gehören neben Niki Lauda, Thomas Cook und Condor unter anderem auch die Lufthansa sowie Medienberichten zufolge der britische Billigflieger Easyjet.

Flugbetrieb stabilisiert sich

Der Flugbetrieb von Air Berlin normalisiert sich wieder. An deutschen Airports gab es nur noch vereinzelt abgesagte Flüge, sagte ein Airline-Sprecherin. Dabei spielen laut Air Berlin auch die Auswirkungen des Hurrikans Irma eine Rolle. Die Zahl der Krankmeldungen gehe ebenfalls weiter zurück, sagte eine Airline-Sprecherin: "Immer mehr Piloten melden sich fit zum Dienst." Weil etliche Piloten sich krankgemeldet hatten, waren am Dienstag und Mittwoch rund 200 Flüge ausgefallen. (dpa, cs)

Von: cs, dh, mit AFP
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