Niki-Übernahme: Lauda attackiert Lufthansa

18.12.2017 - 10:47 0 Kommentare

Niki-Gründer Lauda keilt gegen Lufthansa, weil diese offenbar die Flotte der Air-Berlin-Tochter ausgehöhlt hat: "Die Flotte ist weg!" Dabei hat die EU-Kommission für diesen Fall vorgesorgt.

Niki Lauda: Schwere Vorwürfe gegen den Kranich-Konzern. Foto: © dpa, Barbara Gindl

Airline-Gründer Niki Lauda erhebt schwere Vorwürfe gegen Lufthansa. "Die Lufthansa bekommt Niki nicht, hat sich aber die Flugzeuge gesichert, sucht um die Slots an und bekommt diese auch. Niki aber ist zerstört", sagte er mit Blick auf die vom Kranich abgeblasene Übernahme der Air-Berlin-Tochter Niki dem "Kurier". Niki-Gründer Lauda ist seit der Pleite der Air Berlin an einer Übernahme der von ihm gegründeten Niki interessiert.

"Es ist kaum noch für eine Rettung Zeit, und die Slots sind weg", sagte Lauda im Interview mit dem "Handelsblatt". Gleichzeitig kündigt er an, am Mittwoch dem Generalbevollmächtigten Frank Kebekus ein Angebot vorlegen zu wollen. Den Kaufprozess von Niki steuert der Rechtsanwalt Lucas Flöther, der vom Amtsgericht auch zum vorläufigen Insolvenzverwalter des österreichischen Ferienfliegers bestellt wurde.

Kurz nach Einreichen des Insolvenzantrags rief er einen Schnellverkauf, einen sogenannten Fire Sale. Hierbei geht es darum, die Assets der Niki zu verkaufen, sodass ein potenzieller Käufer möglichst wenige Risiken zu tragen hat.

Flöther ist optimistisch, einen Retter für Niki zu finden. "Ich schließe aus der großen Nachfrage im Investorenprozess, dass die Chance für eine Rettung von Niki gut ist - trotz des großen Zeitdrucks", sagt er der "Süddeutschen Zeitung". Es gebe ein "enormes Investoreninteresse".

Mit der Insolvenz gebe es eine "ganz neue Situation", sagte Flöther weiter. Für Bieter wird die Fluggesellschaft interessanter, weil Nachteile wie bestehende Verträge damit kündbar sind. So hat Tuifly jahrelang 14 Flugzeuge zu horrenden Konditionen für Air Berlin beziehungsweise zuletzt Niki betrieben. Auch die zweistellige Millionensumme, die die Lufthansa in Niki gesteckt hat, muss nicht zurückgezahlt werden, da sie eine Insolvenzforderung geworden ist."

Lauda bemängelt geschrumpfte Flotte

Die Kritik Laudas zielt vor allem auf die angeblich kaum noch vorhandene Flotte der Niki: "Die Lufthansa hat sich heimlich fast die gesamte Flotte geholt", zitiert der "Kurrier" und rechnet vor, dass Niki zuletzt 21 Flugzeuge selbst flog sowie sieben Boeing-Maschinen von Tuifly betrieben wurden. Einen Teil der Niki-Flotte habe Lufthansa inzwischen gekauft, für den Rest seien mit den Leasing-Gebern neue Mietverträge ausverhandelt worden.

Es sei derzeit nicht möglich, am Markt in kurzer Zeit Ersatz-Flugzeuge zu bekommen, so Lauda. "Wenn die Flugzeuge weg sind, müssen die Slots zurückgegeben werden." Kenner weisen darauf hin, dass Lufthansa Niki solange mit Geld in der Luft hielt, bis es für einen neuen Käufer zeitlich unmöglich wurde, die Slots noch in dieser Flugplanperiode zu 80 Prozent zu bedienen und sich diese über das "Grandfathering" für den Winter 2018/19 zu sichern.

EU-Kommission sicherte Flotte wohl ab

Dass Lufthansa sich hingegen die Flugzeuge sicherte, ist laut Branchenkennern in der Folge einer Airline-Insolvenz nicht unüblich. Denn Leasing-Geber ziehen im Falle einer Zahlungsunfähigkeit umgehend die eigenen Maschinen ab. Bestes Beispiel ist die Air-Berlin-Langstrecke ab Düsseldorf, die bereits kurz nach der Pleite drastisch gestrichen werden musste - weil Flugzeuge fehlten.

Die EU-Kommission machte für die Prüfung der LGW- und Niki-Übernahme die Auflage, dass Lufthansa die Maschinen "zu marktüblichen Konditionen verleasen" muss, sofern sie beispielsweise auf die Übernahme der Niki verzichtet - wie vergangene Woche geschehen. Lufthansa hatte den Konditionen Ende Oktober zugestimmt.

Von: cs
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