Niederlande erwirbt Mitspracherecht bei Air France/KLM

27.02.2019 - 12:34 0 Kommentare

Der niederländische Staat steigt bei Air France/KLM ein und hält nun fast so viele Anteile wie Frankreich. Die französische Regierung zeigt sich verärgert.

Leitwerke von Maschinen der KLM und der Air France. - © © KLM -

Leitwerke von Maschinen der KLM und der Air France. © KLM

Der niederländische Staat hat seinen Einfluss beim Luftfahrtkonzern Air France/KLM überraschend erhöht. Die Regierung habe Aktien im Wert von 680 Millionen Euro gekauft, teilte der niederländische Finanzminister Wopke Hoekstrat mit. Mit diesem Schritt wolle die niederländische Regierung in der Lage sein, "die künftige Entwicklung von Air France/KLM direkt zu beeinflussen".

Durch den Aktienkauf erhöhen die Niederlande ihren Anteil von bisher rund fünf auf 12,7 Prozent des Kapitals an dem französisch-niederländischen Luftfahrtunternehmen. Letztlich will die Regierung in Den Haag auf einen Anteil von rund 14 Prozent kommen - das würde dann der Beteiligung des französischen Staates entsprechen, der aktuell 14,3 Prozent an der Holding hält.

Frankreich zeigt sich verärgert

Frankreich reagierte verärgert und Präsident Emmanuel Macron forderte die Niederlande auf, ihre "Absichten klarzustellen". Ende der Woche soll es ein Treffen von Wirtschaftsminister Bruno Le Maire mit seinem niederländischen Kollegen geben.

Zuvor zeigte sich Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire überrascht. Weder der Verwaltungsrat der Allianz, noch die französische Regierung seien über den Schritt informiert worden, sagte der Minister der französischen Wirtschaftszeitung "Les Echos". Er warnte, die Prinzipien der guten Unternehmensführung müssten respektiert werden; es dürfe keine "staatliche Einmischung" geben.

Air France/KLM hat trotz eines turbulenten Sommers mit Chefwechsel und verschiedenen Streiks im abgelaufenen Jahr mehr verdient. Zudem belasteten die steigenden Treibstoffkosten. Unterm Strich blieb 2018 dennoch ein Gewinn vor Steuern in Höhe von 409 Millionen Euro. Das ist deutlich mehr als noch ein Jahr zuvor (163 Millionen).

Zu dem guten Ergebnis hatten den Angaben nach auch Kosteneinsparungen beigetragen. Zudem konnte Air France/KLM den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum dank gestiegener Ticketpreise und besser ausgelasteter Flugzeuge um 2,5 Prozent auf 26,5 Milliarden Euro steigern.

KLM fürchtet um ihre Unabhängigkeit

Air France und KLM waren 2004 eine Allianz eingegangen. Seitdem gehört die Gruppe neben der Lufthansa Group und IAG um British Airways und Iberia zu den drei größten Airline-Konzernen Europas.

Anders als etwas bei der Lufthansa Group werden Air France und KLM nach wie vor in allen wesentlichen Bereichen komplett getrennt geführt. Erst vergangene Woche teilte das Unternehmen nun aber mit, strategische Entscheidungen unter anderem über die Flotten- und Netzwerkplanung künftig zentral zu treffen.

Bisher hatte sich Beobachtern zufolge vor allem KLM gegen diesen Schritt gewährt, da man um die Unabhängigkeit der Airline fürchtete. Denn KLM fliegt deutlich profitabler als die Schwester Air France.

Künftig soll es nun aber ein übergeordnetes Board geben, das aus dem Konzernchef, den CEOs der beiden Konzern-Airlines sowie dem Air-France-Finanzchef bestehen wird. Aufgabe des neuen Gremiums soll laut Air France/KLM sein, die Zusammenarbeit auf Gruppenebene zu verstärken. Neben operativen Entscheidungen solle es dabei auch um die Bereiche Personal, Einkauf, IT und Marketing gehen.

Von: br mit Material von dpa-AFX
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »