Digital Passenger (12) ( Gastautor werden )

Nicht ohne meinen eigenen Kopfhörer

11.07.2017 - 08:10 0 Kommentare

"Digital Passenger" Andreas Sebayang ist genervt: Warum verbauen so viele Airlines Doppel- und Dreifachklinken als Kopfhöreranschluss zum Inflight Entertainment? Wer das eigene Audio-Equipment vorzieht, hat dann nur eine Option.

Flugzeug-Kopfhörer mit Dreier-Klinke. - © © Air Berlin -

Flugzeug-Kopfhörer mit Dreier-Klinke. © Air Berlin

Es ist mal wieder typisch: Ich sitze im Flugzeug, habe meine Lieblingskopfhörer dabei und finde in irgendeiner Ecke den Anschluss. Das Inflight Entertainment startet, doch auf meinem Kopfhörer kommt nur auf einer Seite Ton.

Warum will das vermaledeite IFE keinen Stereoton ausgeben? Der Grund liegt an einer Eigenart der Luftfahrtbrache: Kopfhöreranschlüsse sind mit zwei und manchmal sogar drei Klinkenbuchsen ausgestattet.

Diese Unart gehört abgeschafft oder zumindest modifiziert. Denn dem Passagier mit eigener Technik bringen diese Buchsen nichts. Qualitativ sind Kopf- oder Ohrhörer oft um Längen besser als die "Quäker", die Fluggesellschaften meist ausgeben: Bässe? Gibt es nicht. Ein bisschen Abschirmung von der Umwelt durch eine gute Ohrmuscheln? In der Economy-Class äußerst unwahrscheinlich. Von eigenen Hörwünschen und dem Tragekomfort mal ganz abgesehen.

Zudem wandert der billige Elektroschrott mit Plastikhalterung oft genug nach nur wenigen Einsätzen in dem Müll. Zwar werden diese Kopfhörer selten geklaut, nicht zuletzt wegen der besonderen Klinkenstecker-Anordnung, aber sie wären es ohnehin nicht wert. Also muss der eigene Kopfhörer ran.

Ohne Adapter hilft nur Geduld

Doch um das eigene Audio-Equipment zu verwenden, bräuchte es einen Adapter. Denn die Doppel-Zweipolige-Mono-Klinke aus dem Flugzeug muss erst einmal zu einer normalen Stereobuchse (dreipolig) zusammengeführt werden. Wer diesen Adapter vergessen hat, dem bleibt nur eins: Ein Upmix-Versuch auf Stereo, indem man den Stecker nur halb in die Buchse steckt. Mit etwas Gefummel kommen so die Stereo-Kontakte des eigenen Klinkensteckers in Kontakt mit dem Mono-Audiosignal. Das geht aber erstens nur mit Geduld und zweitens nur, wenn die Buchse nicht ausgeleiert ist.

Immerhin gibt es mittlerweile einige Fluggesellschaften, die eine Stereoklinkenbuchse anbieten. Das ist ein Service, der Standard werden sollte, wenn ein IFE an Bord ist. Und wenn die Fluggesellschaft partout nicht auf die Doppel- oder Dreifachklinke verzichten will, was mitunter notwendig ist, etwa für einige Noise-Canceling-Kopfhörer, gibt es eine einfache Lösung: eine zusätzliche Stereoklinkenbuchse.

© Onair, Lesen Sie auch: Kein Flugzeugsitz ohne Stromanschluss Digital Passenger (3)

Das Ersetzen der analogen Anschlüsse durch einen digitalen Nachfolger ist übrigens nicht sinnvoll. Weder Lightning (Apple), noch USB Audio (ADC 3.0) über USB Typ C oder die USB Typ C mit CDLA-Technik möchte ich in Flugzeugsitzen sehen, auch wenn das Verbauen von USB Type C ansonsten sinnvoll ist. Denn die drei Digitaltechniken sind als Kopfhöreranschluss nicht nur inkompatibel zueinander, es ist auch nicht absehbar, dass einer dieser digitalen Wege tatsächlich die gute alte Klinke ablösen wird.

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: Andreas Sebayang für airliners.de
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