Neuer Detektor spürt Aschewolken bereits aus der Ferne auf

15.11.2013 - 13:00 0 Kommentare

Experten haben jetzt eine neue Aschedetektor-Technologie erfolgreich getestet. Um das Ganze so realistisch wie möglich zu machen, wurde dafür eine künstliche Wolke erzeugt - aus einer Tonne echter Eyjafjallajökull-Asche.

Eine Airbus-Testmaschine verteilte in einer Höhe von 9.000 bis 11.000 Fuß (2.700 bis 3.300 Meter) eine Tonne isländischer Vulkanasche.

Eine Airbus-Testmaschine verteilte in einer Höhe von 9.000 bis 11.000 Fuß (2.700 bis 3.300 Meter) eine Tonne isländischer Vulkanasche.
© Airbus

In Kanistern steht die Vulkanasche an Bord der A400M für den AVOID-Test bereit.

In Kanistern steht die Vulkanasche an Bord der A400M für den AVOID-Test bereit.
© Airbus

Für den Test wurde ein A340-300 mit dem AVOID-Sensor ausgerüstet.

Für den Test wurde ein A340-300 mit dem AVOID-Sensor ausgerüstet.
© Airbus

Dr. Fred Prata, Erfinder der AVOID-Technologie, verfolgt den Test.

Dr. Fred Prata, Erfinder der AVOID-Technologie, verfolgt den Test.
© Airbus

Ein AVOID-Sensor an einem Airbus A340-300.

Ein AVOID-Sensor an einem Airbus A340-300.
© Airbus

Experten von Airbus und des norwegischen Unternehmens Nicarnica Aviation haben jetzt die neu entwickelte Aschedetektor-Technologie AVOID (Airborne Volcanic Object Imaging Detector) erfolgreich getestet. Flugzeuge, die zukünftig mit dem System ausgestattet werden, können Aschewolken frühzeitig identifizieren und diese umfliegen. Easyjet und Nicarnica Aviation hatten bereits vor knapp zwei Jahren erste Tests mit dem AVOID-System durchgeführt.

Für den aktuellen Test wurde eine künstliche Aschewolke über der Bucht von Biskaya erzeugt. Ein Airbus A400M verteilte dazu in einer Höhe von 9.000 bis 11.000 Fuß (2.700 bis 3.300 Meter) eine Tonne isländischer Vulkanasche des 2010 ausgebrochenen Eyjafjallajökull in der Atmosphäre. Sie war durch das Institute of Earth Sciences in Reykjavík eingesammelt, getrocknet und zu Airbus nach Toulouse geflogen worden. Neben dem Testflugzeug flog ein zweiter mit AVOID-Technologie ausgestatteter Airbus A340-300 auf die Aschewolke zu, identifizierte sie und maß ihre genaue Konzentration aus rund 60 Kilometern Entfernung.

Die Wolke war zwischen 600 und 800 Fuß (180 bis 240 Meter) hoch und hatte einen Durchmesser von 2,8 Kilometern. Zu Beginn des Tests war die Asche noch mit dem bloßen Auge zu erkennen. Mit der Zeit löste sie sich jedoch auf, so dass es schwierig wurde, sie zu lokalisieren. Der AVOID-Sensor identifizierte die Wolke allerdings erfolgreich und maß ihre Dichte. Sie betrug zwischen 0,1 und 1 Gramm pro Quadratmeter, was Konzentrationen von 0,1 bis 1 Milligramm pro Kubikmeter entspricht. Werte dieser Spanne wurden im April und Mai 2010 während des Ausbruchs des Eyjafjallajökull gemessen.

Während des Experiments kam auch eine kleine Maschine des Typs Diamond DA42 der Fachhochschule Düsseldorf zum Einsatz. Die DA42 flog in die Aschewolke, um Messungen vorzunehmen, die die Ergebnisse des AVOID-Systems bestätigten.

System ähnelt einem Wetterradar

"Bei dem Experiment konnte der AVOID-Sensor eindeutig geringe Aschekonzentrationen nachweisen", sagt Dr. Fred Prata, Erfinder der AVOID-Technologie. Das von ihm entwickelte System ähnelt einem Wetterradar für Vulkanasche und basiert auf einer Infrarot-Technologie, die ans Flugzeug angepasst wurde, um Piloten und Kontrollzentren mit Bildern zu versorgen. Anhand der Bilder können Piloten eine Aschewolke aus bis zu 100 Kilometer Entfernung und auf Flughöhen von 5.000 bis 50.000 Fuß (rund 1.500 bis 15.000 Metern) erkennen. Das Umgehen von Aschewolken durch kleine Änderungen der Flugroute wird damit möglich.

"Seit der Gründung von Airbus vor mehr als 40 Jahren haben wir sowohl unabhängig als auch in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen viele Testprogramme unterstützt", sagt Charles Champion, Airbus Exceutive Vice President, Head of Engineering. "Mit AVOID wollten wir beweisen, dass das Konzept eines Aschedetektors funktionieren kann. Als nächstes müssen wir alle gesammelten Daten analysieren. Wir befinden uns am Anfang einer Erfindung, die eine nützliche Lösung für den kommerziellen Flugverkehr werden und großräumige Einschränkungen durch Vulkanasche verhindern kann."

Laut Magnús Tumi Gudmundsson vom Institute of Earth Sciences in Island ist die Gefahr eines weiteren isländischen Vulkanausbruchs hoch. "Im Durchschnitt kommt es einmal in fünf Jahren zu einem gefährlichen Vulkanausbruch", so Gudmundsson. "Wenn der Wind aus Nordwesten weht, wird die Asche wie 2010 während des Ausbruchs des Eyjafjallajökull in Richtung Europa transportiert. Es ist Zufall, dass dies nicht auch zwischen 1970 und 2010 passiert ist."

Angesichts der relativ langen Zeit, die seit den letzten Ausbrüchen der zwei aktivsten isländischen Vulkane Hekla und Katla vergangen ist, sollte damit gerechnet werden, dass beide kurz vor einem Ausbruch stehen. Es sei unmöglich vorherzusagen, wann oder wo der nächste Ausbruch stattfindet. "Sicher ist nur, dass es passieren wird", so Gudmundsson. Der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull hatte im Frühjahr 2010 wochenlang für massive Behinderungen im europäischen Flugverkehr gesorgt.

Von: airliners.de mit Airbus und Easyjet
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